Das 42. Haldern Pop Festival legte einen starken Start hin. Dass der für seine Filmmusik Oscar-gekrönte Pianist Hauschka für eine vollbesetzte Kirche sorgen würde, war zu erwarten. Aber der höchst beliebte Auftrittsort in der Dorfmitte war schon für den Auftritt von To Athena vollbesetzt.

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Die Schweizerin legte einen starken ersten Auftritt hin. Mit großem Ensemble, Harfe und Bratsche inklusive begeisterte sie mit Kammermusik und Synthie Pop und animierte schon zur Mittagsstunde die rund 1000 Zuhörer zum Kanon zu ihrem Song „Allein für mich“. Nicht logisch, aber sehr bewegend.

Haldern Pop 2025
Zweiter Auftritt in Haldern: Volker Bertelmann alias „Hauschka“ begeisterte zum Start in der Kirche im Halderner Ortskern.© NRZ | Stephan Hermsen

Danach also Hauschka alias Volker Bertelmann, der direkt zu Beginn gestand: „2008 war ich schon mal hier, habe Gegenstände ins Klavier geworfen und mich gefragt, ob die Leute denken: Was ist denn mit dem los?“ Nun, die Unsicherheit ist weg, aber Gegenstände packt er immer noch in den Corpus des Konzertflügels.

Und ganz ehrlich: Wie er sie am Ende exakt im Takt seiner rhythmisch geprägten Musik aus dem Piano klaubt und zur Seite wirft, das war fast der stärkste Teil seines Auftritts, bei dem er ein knapp einstündiges Solo hinlegte. Viel Rhythmus, zurückhaltende Melodik – Soundtrack für das innere Kopfkino.

Wumms in der Popbar, Elegie in Kirche und Jugendheim

Bis zum späten Nachmittag ging es im Dorf weiter, meist nach der Regel: Mit Wumms in der Popbar, eher elegisch in der Kirche wie bei der britischen Gitarristin Pem, die im Duo mit einer Bassistin auftrat. Während, nicht minder elegisch, aber mit Samplingset und Drumcomputer unterstützt, das vermeintliche Duo Fastmusic aus Leipzig einen Soloauftritt hinlegte.

Nochmal Solo, nochmal Flügel gab es anschließend wieder mit Dressed like Boys alias Jelle Denturck aus Belgien, der sich auch „Looks like young Elton John“ nennen könnte. Aber bis dahin ist es noch ein Stück. Kann aber alles kommen, siehe Hauschka.

Neu: Am Mittwoch gibt es eine gemischten Tüte Kunst

Der Donnerstag allerdings war dieses Mal nicht der gewohnte Starttag für Haldern Pop. Dieses Mal ging es bereits mit dem Mittwoch los, der eine Art gemischte Tüte Kunst präsentierte. Am Ende wurde getanzt, logisch.

DJ Fett legt in der Popbar auf, das Licht in der Nacht ist rötlich und draußen auf dem Dorfplatz stehen die Biere auf den Tischen und Menschen drumherum. Das Dorf und seine Gäste: dieses Mal schon einen Tag früher vereint in Wiedersehensfreude.

Der Mittwoch als neuer Festivaltag bietet nicht nur einen Tag eher ein Wiedersehen. Der Platz wurde quasi sofort gestürmt, von wegen: dann reisen alle der Reihe nach entspannt an. Abends vorm Tanz alles andere als leichte Kost unter dem Bild „Swing into the Sky“ von Andrea Fontanari. Unerläutert und trotz Chromglanz eher unauffällig stehen da übrigens auch noch zwei Skulpturen des Klever Bildhauers Thomas Kühnapfel im Kirchenschiff.

Max Czollek liest aus seinen Werken

Da liest beispielsweise Max Czollek, Lyriker aus Berlin, aus seinen Werken. Das ist nur sehr selten so komisch wie seine kurze, pointierte Ortsbeschreibung: „Wenn L.A. eine Stadt ist, ist das Ruhrgebiet das Ostdeutschland Westdeutschlands.“ Wo, fragt er sich, angesichts des Überfalls auf die Ukraine und des Kriegs in Nahost, sind die „Guten Enden“? So der Titel seines jüngsten Bandes.

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Seine Texte finden ein aufmerksam zuhörendes Publikum, das ihm fast ausschließlich ganz am Ende mit viel Applaus für die an Poetryslams geschulte Rhythmik seiner Vorträge dankt.

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Vincent Moon: Live-Mix von Filmen und Ritualen

Mittwochs um 22 Uhr eine vollbesetzte Kirche ist mittlerweile auch am Niederrhein selten. Vincent Moon‘s Live Cinema schafft das. Der Name sagt, was es ist: Vincent Moon mixt Filme live zusammen. Die Kirche ist dafür der richtige Ort.

Haldern Pop 2025
Stephan Hermsen/NRZ© NRZ | Stephan Hermsen

Denn Vicent Moon befasst sich in einer gut einstündige Séance vor allem mit religiösen Ritualen von überall auf der Welt. Unterlegt zumeist mit Originalklängen, deutlich verstärkt und von Moon zum Teil mit Klatschen, Duftstäbchen und Licht untermalt. Packend, irritierend und ganz gewiss keine leichte Kost.

Literarischer Auftakt mit namhaften Autoren

Aber das entspräche ja auch nicht dem Ansatz des Haldern Pop Festivals. Würden Festivals nicht nach Zuschauerzahlen gerankt, sondern nach Charme, hätte Haldern seine Spitzenposition sicher. „Wer im Netz nach den zehn besten Festivals sucht, bekommt eine Liste mit den zehn größten“, sagt Stefan Reichmann zum Auftakt. Und deutet die Konsequenz in der Auftakt-Pressekonferenz an: Vielleicht muss man kleiner werden. Aber besser. Oder zumindest: anders.

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Auftaktgespräch beim Haldern Pop mit Autor Christoph Peters

Und anders ist in diesem Jahr einiges: Da wäre zunächst der literarische Auftakt mit Veronika und Christoph Peters. Und dazu dieses Bild, das Stefan Reichmann gern zeigt. „Swing into the sky“ von Andrea Fontanari. Es wird in der Kirche hängen bei diesem Festival.

Am Nachmittag gibt es Stau im Dorfkern. Den Campingplatz schon mittwochs zu öffnen, war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Und bevor wir dann doch noch zu ein paar Zahlen kommen, gleich noch eine gute Nachricht: Alle Klagen gegen das Buch „Innerstädtischer Tod“ von Christoph Peters sind abgewiesen, erzählt er am Rande des Auftaktgesprächs mit Harald Kunde.

Harald Kunde und Christoph Peters unterhalten sich in der Pop-Bar.
Harald Kunde und Christoph Peters unterhalten sich in der Pop-Bar.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Haldern Pop: ein Kunstfestival

Kunde, Direktor des Museums Kurhaus in Kleve kennt ihn schon seit 2014: Da war Peters, der aus Kalkar stammt, Museumsschreiber im Kurhaus. Man muss also, mehr denn je, Haldern Pop als Kunstfestival begreifen. Eicheln der Kasseler Beuysbäume haben sie schon vor Jahren ausgesät. Das ist der Wachstumsgedanke, der hier zählt.

Bei dem Gemälde, erzählt Reichmann, wird er immer nur gefragt, was es gekostet habe. „Sogar von meinen Kindern.“ Auch zu Ticketverkäufen mag er, wie immer, nichts sagen. Außer: es gibt noch Karten und das Wetter wird gut.

Haldern Pop 2025
„Swing into the sky“: Haldern Pop hat ein Gemälde des italienischen Künstlers Andrea Fontanari angekauft, das symbolisch für das künstlerisch weitere Ausschwingen steht. Und jetzt erst einmal in der Kirche hängt. Davor: Stephan Hanf fürs Fragen und Stefan Reichmann, Künstlerischer Leiter, für die Antworten.© NRZ | Stephan Hermsen

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Für spontane Besucher gibt es auch noch Tagestickets

Das ist Haldern Pop: Man weiß nie, was man bekommt. Außer, dass es gut wird. Karten fürs Popfestival sind hier erhältlich (162,80 Euro, inkl. Camping), Tagestickets, ohne Camping, gibt es für 86,90 Euro.