Ein Mann hat am Mittwochabend (1. Juli) in der Essener U-Bahn-Station Viehofer Platz eine 58-jährige, wohnungslose Frau mit einem Messer verletzt. Die Polizei Essen teilte nun mit, dass ein Tatverdächtiger am Donnerstagabend (2. Juli) festgenommen wurde.

Täglich (außer Samstag)

Essen-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Bei der Auswertung des Videomaterials aus der Station konnte die Polizei einen 26-jährigen Mann als mutmaßlichen Täter identifizieren. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Essen einen Untersuchungshaftbefehl gegen den Tatverdächtigen.

Die Frau stand nach Informationen der Polizei am Bahnsteig der Station, als sie von dem mutmaßlichen Täter angegriffen wurde. Gegen 21.15 Uhr wurden demnach Rettungskräfte und Polizei von mehreren Zeugen alarmiert. Der Tatverdächtige flüchtete zu Fuß in Richtung Stoppenberger Straße.

Messerangriff an Essener U-Bahn-Station

weitere Videos

    Mordkommission ermittelt im Fall des Messerangriffs am Viehofer Platz in Essen

    Die 58-Jährige wurde vor Ort durch Rettungskräfte betreut. Auf Fotos ist zu sehen, wie die Frau einen Verband am Oberschenkel trägt. Sie habe mehrere Stich- und Schnittverletzungen erlitten, erklärte ein Polizeisprecher. Die wohnungslose Frau sei anschließend in ein Krankenhaus gebracht worden, sie schwebe nicht in Lebensgefahr.

    Die Kriminalpolizei sicherte noch am Abend Spuren am Tatort. Eine Mordkommission ermittelt weiterhin nach den Hintergründen des Angriffs. Für die Dauer des Polizei- und Rettungseinsatzes sowie der Spurensicherung war die U-Bahn-Station Viehofer Platz gesperrt.

    Auch interessant

    Messerattacke am Viehofer Platz in Essen: Polizei hält die Tat für Einzelfall

    Der Sprecher der Polizei Essen, Hendrik Heyer, spricht bei der Tat von einem Einzelfall. „Wir sehen bei dem Angriff keinen Zusammenhang mit der Drogenszene oder Clankriminalität.“ Gewaltverbrechen im Dunstkreis der Großfamilien würden in der Regel mit großen Gruppen geschehen.

    Laut Heyer konnte die Polizei in den vergangenen Jahren einen Anstieg der Kriminalität in der Innenstadt feststellen. Inzwischen sei dieser Trend jedoch rückläufig. Gründe dafür seien das neue Sicherheitskonzept „Safe City“ der Polizei und die Präsenz- und Kontrolleinheit. Das ist eine elfköpfige Spezialeinheit der Essener Polizei, die gezielt gegen Vandalismus, Gewalt und Vermüllung an Kriminalitätsschwerpunkten in Essen und Mülheim vorgeht. Zusätzlich betont der Sprecher die fest installierte und mobile Videoüberwachung am und um den Viehofer Platz, die bei der Bekämpfung von Kriminalität in der Innenstadt spürbar helfe.

    Messerangriff am Viehofer Platz
    Der mutmaßliche Täter des Messerangriffs im Essener U-Bahnhof Viehofer Platz konnte von der Polizei identifiziert und festgenommen werden.© - | Justin Brosch

    Drogen und Diebstahl am Viehofer Platz in Essen: „Vor sechs Jahren war es besser“

    Dennoch räumt Heyer ein, dass es rund um den Viehofer Platz viel Allgemeinkriminalität gibt. Zur Allgemeinkriminalität zählen alle Straftaten, die nicht politisch motiviert sind oder unter die Organisierte Kriminalität fallen.

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der benachbarten Geschäfte bestätigen den Eindruck der Polizei. Eine junge Kellnerin einer Bar am Viehofer Platz fühlt sich in der Nachbarschaft nachts alleine nicht sicher. „Man kann die Gefahr spüren“, sagt sie. Eine ortsansässige Lebensmittelverkäuferin beklagt regelmäßige Ladendiebstähle, häufigen Drogenkonsum und viel Müll vor ihrem Geschäft. „Vor fünf, sechs Jahren war das hier eine bessere Gegend“, sagt die Verkäuferin.

    Innerhalb von zwei Jahren: Fünf Messerangriffe am Viehofer Platz in Essen

    Der Messerangriff am Mittwochabend war der bisher fünfte Vorfall am Viehofer Platz innerhalb von zwei Jahren. Drei der fünf Fälle geschahen an der Ecke Viehofer Platz/Altenessener Straße. Im Februar erlitten zwei Männer bei einer Auseinandersetzung mit insgesamt fünf Personen Schnittverletzungen. Die Polizei ging von der Tatwaffe „Messer“ aus. Mitte Mai kam es zu einer Messerstecherei, bei der zwei Männer schwer verletzt wurden. In beiden Fällen geht die Polizei von Konflikten im Drogenmilieu aus.

    An gleicher Stelle wurde ein 29-Jähriger im August 2024 lebensgefährlich mit einem Messer verletzt. Vor wenigen Tagen kam es dann unweit des Viehofer Platzes an der Schützenbahn zu einem weiteren Vorfall. Auch hier wurde ein Mann durch Messerstiche verletzt.

    Lesen Sie auch

    Auf Anfrage teilte Polizeisprecher Heyer mit, dass man aufgrund des aktuellen Vorfalls in der U-Bahn-Station keine intensiveren polizeilichen Maßnahmen ergreifen werde. „Fünf Messerangriffe in fünf Jahren an einem Ort klingen erst einmal viel. Aber es handelt sich um einen Ort in der Innenstadt mit viel Personenverkehr“, erklärt Heyer.