Es war ihre Freundin und Friseurin, die die Burgaltendorfer Millionärswitwe fand: Lieselotte Hohlmann (78) lag blutüberströmt in ihrem Haus. Die brutale Tat ist inzwischen bereits 29 Jahre her und ihr Mörder nach wie vor nicht gefasst. Jetzt ist dieser Fall am Mittwoch, 29. Juli, in der ZDF-Fernsehsendung Aktenzeichen XY aufgegriffen worden - verbunden mit der Hoffnung der Polizei auf Hinweise, die zum Täter führen. Noch während der Sendung meldete sich eine erste Zeugin.

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„In letzter Sekunde erreichte die Beamten an den Telefonen im Studio ein Anruf einer ehemaligen Mitarbeiterin von Lieselotte Hohlmann“, heißt es jetzt auf der Internetseite des ZDF und aus dem Essener Polizeipräsidium. Inzwischen gibt es einige weitere Personen, die sich gemeldet hätten, allerdings seien das nicht allzuviele, sagt Polizeisprecher Hendrik Heyer vage. Das sei bei Cold Cases keinesfalls ungewöhnlich, der Zeitverzug sei eben immens.

„Ob es einen neuen Ermittlungsstrang geben wird, ist noch offen“, sagt Heyer. Derzeit stünden Vernehmungen aus. Die Zeugin, die sich bereits während der Sendung gemeldet habe, sei bereits am gleichen Abend vernommen worden. Auch dazu nennt die Polizei keine Details. Nur so viel: Bei ihr handele es sich um eine ehemalige Mitarbeiterin der Ermordeten.

Es ist der 27. August 1997, als Lieselotte Hohlmann gleich hinter ihrer Eingangstür bekleidet mit einem Bademantel liegt. Zuvor ist es ihre Freundin, deren Sorge wächst, als sie die 78-Jährige an diesem Tag telefonisch nicht erreichen kann und schließlich auch ihr Klopfen am Tor des Hauses, das laut Polizei einer Festung gleicht, ungehört bleibt. Sie bittet Nachbarn hinzu, sie steigen über den Zaun, durch ein auf Kipp stehendes Fenster gelangen sie ins Haus. Es ist etwa 18.15 Uhr.

Polizeiserie über ungelöste und gelöste Mordfälle
Fotos vom Opfer und dem Haus sowie ein Grundriss und ein Luftbild der Villa in Essen-Burgaltendorf zählen zur Mordakte Lieselotte Hohlmann.© WAZ FotoPool | Kerstin Kokoska

Mit neuen Untersuchungsmethoden rollt die Essener Polizei den Fall auf

„Der Täter hat offenbar in rasender Wut alles, was er im Flur finden konnte, auf ihrem Kopf zerschlagen“, beschrieb der zuständige Hauptkommissar das erschütternde Bild, das sich den Menschen vor Ort bot, die Lieselotte Hohlmann helfen wollten. Sie kamen zu spät. „Ich dachte, wir kriegen sie mit Bluttransfusionen wieder hin, hier war alles voller Blut“, berichtete die Freundin einst, die hilflos vor dem Opfer stand. Als sie die 78-Jährige auf der Treppe im Eingangsbereich findet, ist diese bereits seit Stunden tot, soll ein späterer Obduktionsbericht ergeben.

Ungeklärter Mordfall Hohlmann in Burgaltendorf
Das Polizeifoto zeigt einen Holzsplitter, der wahrscheinlich zur Tatwaffe gehören soll: einer Gehhilfe.© Repro: Frank Vinken

Damals sichert die Polizei zwar Faserspuren, aufklären kann sie das Verbrechen mit diesen seinerzeit nicht. Doch Jahre später gibt es neue Untersuchungsmethoden und der Fall wird wieder aufgerollt. Die Polizei veröffentlicht zudem eine Krimi-Podcast-Folge („Pottcast ungelöst“) zum Burgaltendorfer Mord.

In München sind es 2024 Rechtsmediziner, die sich als Spezialisten die „Leichenfolien“ (sie werden auf die Leiche geklebt, um Spuren zu sichern) nochmals vornehmen. Sie suchen jetzt nach verwertbaren Spuren wie Hautschuppen, die Essener Polizei glaubt an eine Chance, die DNA des Täters zu finden. Die Wahrscheinlichkeit sei immerhin groß.

Einbruchsspuren haben Ermittler im Haus der Essenerin nicht entdeckt

Hinweise im Haus, die auf einen Kampf zwischen Opfer und Täter hindeuten, haben die Polizisten damals nicht gehabt. Doch aus der Handtasche der Burgaltendorferin wurden 10.000 DM („es war bekannt, dass sie stets mehrere tausend DM bei sich trug“) und ein Tagebuch („sie schrieb akribisch alles auf“) gestohlen.

Einbruchsspuren haben die Ermittler im August 1997 ebenfalls nicht gefunden, aber den Schlüssel zum Haus. Der steckte von innen in der Eingangstür. Zudem entdeckten sie einen Holzsplitter. Der gehört zu einem Stock, auf dem ein Pferdekopf aus Metall befestigt ist. Möglicherweise ist das Holz abgeplatzt, als der Täter mit dieser mutmaßlichen Tatwaffe zuschlug und sein Opfer tötete.

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Lieselotte Hohlmann lebte bis zu diesem Tag eher zurückgezogen in ihrer Villa an der Charlottenstraße. Als „sehr vorsichtig“ beschreibt die Polizei die frühere Inhaberin eines Haushaltswarengeschäftes an der Viehofer Straße, die das Unternehmen nach dem Tod ihres Mannes 1987 allein weiterführte. Nur wenige Kontakte soll sie gehabt haben, soll auch dem Lebensmittel-Lieferanten, Gärtner und der Friseurin das Tor nur geöffnet haben, wenn sie sich zuvor fest verabredet hatten.

Polizeiserie über ungelöste und gelöste Mordfälle
Die Akte zum Mordfall Lieselotte Hohlmann wird bei der Polizei aufbewahrt und bei neuen Ansätzen erneut gesichtet.© WAZ FotoPool | Kerstin Kokoska

Gab es dann aber den Augenblick, in dem ihre Vorsicht sie verließ? Öffnete sie doch einem Fremden, weil dieser ihr eine plausible Geschichte erzählte? Oder kannte sie ihren Mörder? „Es gibt Hinweise darauf, dass der Täter nicht gewaltsam in das Haus eingebrochen war“, sagt die Polizei heute jedenfalls zu den früheren Ermittlungen. Zu diesen gehörten auch Zeugenhinweise auf einen Daimler, die kein Ergebnis brachten. Als verdächtig galt zeitweise ein junger Mann, der seit einem halben Jahr rechtskräftig der Adoptivsohn des Opfers gewesen war. Ihn entlasteten Zeugen.

Es gab einen Notartermin

Als sicher gilt wohl, dass die Burgaltendorferin kurz vor der Tat einen Termin mit einem Notar hatte. „Sie wollte Dinge ändern“, erklärte einst der Hauptkommissar. Ob es das Testament gewesen sein könnte, blieb offen. Ob sie zu alldem etwas in ihr Tagebuch geschrieben hat, das hat die Polizei ebenfalls noch nicht herausfinden können. Denn wie der Spazierstock mit dem markanten Pferdekopf ist auch dieses Schriftstück unauffindbar.

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Vergessen ist der Fall bis heute nicht und beschäftigt die Ermittlungsgruppe „EG Cold Cases“, die sich mit ungelösten Fällen befasst, nach wie vor, heißt es daher jetzt aus dem Essener Polizeipräsidium. In der Fernsehsendung hat die erfahrene Ermittlerin Kriminalhauptkommissarin Jessica Batran den Fall vogestellt, sagte die Polizei. Sie setzt weiterhin darauf, dass sich jemand meldet, der helfen kann, die grausame Tat endlich aufzuklären. Sollte es weitere Hinweise geben, gehen diese nun weiterhin per Mail oder Telefon, beim Präsidium oder beim Sender ein.

Hinweise ans Essener Präsidium an: hinweise.essen@polizei.nrw.de oder telefonisch unter 0201/829-0.

Zu sehen war die Sendung am Mittwoch, 29. Juli, ab 20.15 Uhr im ZDF und ist in der Mediathek abrufbar. Die Polizei Essen hat zudem ein Video auf Youtube zu dem Fall veröffentlicht.