Kein Zweifel: Sozial engagierte Privatpersonen können in Zeiten knapper Kassen viel Gutes bewirken. Erich und Roswitha Bethe aus Köln gehören zu denen, die Benachteiligte gern unterstützen. Zu diesem Zweck gründete das wohlhabende Ehepaar schon 1996 eine eigene Stiftung. Die hat vor allem im Bergischen Land soziale Projekte wie Kinderhospize gefördert. Mit Ausdauer unterstützt die Bethe-Stiftung auch den Kinderschutzbund Essen. Der muss das neue Kinderschutzhaus an der Altenessener Straße selbst finanzieren.

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„Meine Frau und ich sowie unsere beiden Söhne sind finanziell gut abgesichert. Mit dem übrigen Geld wollten wir etwas Gutes für die Gesellschaft tun“, sagt Erich Bethe. Mit Freude betrachtet der 86-Jährige den Baufortschritt im neuen Schutzhaus. Bedeckt mit Baustaub liegen die Fliesen noch in Kartons gestapelt im Flur hinter dem Eingang. Dicke, weiße Kabel baumeln von den hohen Decken, und die Wände auf den zwei Etagen sind noch roh. Der Essener Verein hat Freunde und Förderer zu einer Begehung eingeladen. Das helle und moderne Gebäude wird voraussichtlich im November bezugsfertig.

Die beiden bestehenden Notaufnahmen sollen entlastet werden

Von außen dringt das Licht an diesem eher bewölkten Tag durch die vielen bodentiefen Fenster. Schon jetzt wirken die Räume hell und freundlich. Ein Ort, der Geborgenheit ausstrahlt. Bald wohnen hier 14 gefährdete Kinder und Jugendliche, die nicht mehr in ihren eigenen Familien bleiben konnten. Ein multiprofessionelles Team aus Erziehern und Sozialpädagogen kümmert sich um die Mädchen und Jungen. Die Kinder erhalten Hilfe und dürfen gewaltfrei aufwachsen.

Meine Frau und ich sowie unsere beiden Söhne sind finanziell gut abgesichert. Mit dem übrigen Geld wollten wir etwas Gutes für die Gesellschaft tun.

Erich Bethe, Unterstützer des Essener Kinderschutzbundes

„Das Schutzhaus will zum einen die beiden Notaufnahmen in Essen entlasten und zum anderen den speziellen Bedürfnissen der oft traumatisierten Kinder gerecht werden“, erläutert Axel Bitterlich, Pressesprecher des hiesigen Kinderschutzbundes. Bislang einzigartig in NRW sei das traumapädagogische Betreuungskonzept. Den Kindern und Jugendlichen biete das Schutzhaus nicht nur übergangsweise, sondern langfristig ein Zuhause.

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Das Investitionsvolumen beträgt gut 4,5 Millionen Euro. Die Kosten für Bau, Einrichtung und Außengestaltung stemmt der Verein komplett aus Eigenmitteln. Ein Kredit wurde aufgenommen, daneben ist man auf Spenden angewiesen. Maßgeblich engagiert haben sich bislang die Angermann- sowie die Krupp-Stiftung plus eine Reihe Essener Unternehmen. Bitterlich: „Die breite Unterstützung ist gefragt.“

Unterstützung für das neue Schutzhaus

Wer den Essener Kinderschutzbund mit einer Spende unterstützen will, findet dazu Informationen auf der Webseite: www.dksb-essen.de. Als Verwendungszweck „Verdoppelungsaktion Schutzhaus“ eintragen.   

„Kinder lagen uns schon immer am Herzen. Wir möchten möglichst viele Menschen dafür begeistern, an der Gestaltung einer menschlicheren Gesellschaft aktiver mitzuwirken“, erklärt Erich Bethe. Das ist dem Stiftungsgründer in Essen schon zweimal gelungen. Für das Kinderschutzhaus – Baubeginn war im Jahr 2025 – konnten allein durch die Bethe-Stiftung bislang 200.000 Euro als Spende generiert werden. „Hinter diesem guten Erfolg stehen zwei Spendenverdoppelungsaktionen“, erklärt Bitterlich.

18 Tage altes Baby musste aus seiner Familie gerettet werden

Muss das Essener Jugendamt mitten in der Nacht akut gefährdete Kinder mit der Polizei aus ihren Familien holen, steht der Kinderschutzbund bereit. „Wir nehmen die zu Hause bedrohten Mädchen und Jungen auf“, erläutert Ulrich Spie, Vorsitzender des Essener Kinderschutzbundes. Der betreibt schon zwei Notaufnahme-Einrichtungen in der Stadt: das „Spatzennest“ für Kids von vier bis zwölf Jahren sowie die „Kleinen Spatzen“ für zwei- bis Zehnjährige. In beiden Häusern stehen je 14 Plätze zur Verfügung.

Alle Kinder, die in die Notaufnahmen kommen, haben traumatisierende Erlebnisse im Gepäck. In ihren eigenen Familien erfuhren sie Misshandlungen, sexuellen Missbrauch und Verwahrlosung. Sie erlebten eine schwere Krankheit von Mutter oder Vater oder gar den Tod eines geliebten Elternteils. Manche Fälle klingen unfassbar, etwa dieser: „Das jüngste je von uns aufgenommene Baby war gerade 18 Tage alt. Der Säugling wurde von der Polizei bei einer Drogenrazzia gefunden, im völlig verwahrlosten Haushalt seiner Eltern“, so Bitterlich.

Kleines Mädchen erlebte Missbrauch in der eigenen Familie

„Kinder sind die Schwächsten in der Gesellschaft. Umso mehr brauchen sie Unterstützung“, betont Roswitha Bethe. Ihr Engagement für schutzbedürftige Kinder wurzelt in beruflicher Erfahrung. Viele Jahre unterrichtete die nun 86-Jährige an einer Grundschule. Als engagierte Pädagogin kam sie erstmals mit einem Missbrauchsfall in Berührung. „Ein Mädchen aus der dritten Klasse benahm sich sehr auffällig. Immer wieder schrie sie im Unterricht laut auf und rannte dann verstört aus dem Container, in dem die Klasse übergangsweise untergebracht war. Die Tür knallte sie laut hinter sich zu.“

Bei einem Hausbesuch der Familie, die in prekären Verhältnissen lebte, erfuhr Roswitha Bethe Schockierendes: Die Drittklässlerin wurde vom eigenen Vater missbraucht. Bis heute verfolge sie diese Erinnerung, aus der ihr Wunsch entstanden sei, bedrohten Kindern sichere Räume zu schenken. Auch Erich Bethe gefiel die Idee auf Anhieb. Jetzt will die Bethe-Stiftung die Essener Stadtgesellschaft mit einer weiteren Verdoppelungsaktion zum Spenden motivieren.

Dreimonatige Aktion: Jede Spende wird von der Bethe-Stiftung verdoppelt

Essen: Die Bethe-Stiftung unterstützt den Kinderschutzbund seit vielen Jahren
Der Innenausbau läuft: In Altenessen baut der Kinderschutzbund ein neues Schutzhaus für Kinder auf.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Angesprochen sind alle Essenerinnen und Essener: Firmen, die zugunsten des Kinderschutzhauses etwa auf eine Weihnachtsfeier oder einen Betriebsausflug verzichten, Jubilare oder Privatleute, die an einem runden Geburtstag lieber anderen etwas schenken und eine Freude machen möchten. Wie in den beiden Vorjahren verdoppelt die Bethe-Stiftung alle Spenden bis zu 3000 Euro, die für das Schutzhaus bestimmt sind. Bis zu einer Gesamthöhe von 100.000 Euro über den Zeitraum von drei Monaten. Der Kinderschutzbund betont: „Jeder noch so kleine Betrag ist willkommen, ob aus der Kaffee- oder Klassenkasse. Gemeinsam können wir Großes erreichen.“