Über den zukünftigen Umgang mit dem Synagogenplatz an der Reitbahn in Kleve wird spätestens seit dem Sommer kontrovers diskutiert und gestritten. Der Verein Beth Ha Mifgash mit seinem Vorsitzenden Thomas Ruffmann möchte hier drei Gebäude in Leichtbauweise errichten, der evangelische Pfarrer Georg Freuling lehnt dies ab und plädiert für den Erhalt des Platzes in seiner jetzigen Form. Mit dem Ausschuss für Kultur und Stadtgestaltung beschäftigte sich nun zum ersten Mal ein öffentliches Gremium mit dem Thema. Der Ausschuss unter Vorsitz von Hedwig Meyer-Wilmes (Bündnis 90/Die Grünen) ließ sich beide Positionen erläutern.
Georg Freuling: „Hier ist nur Erinnern möglich“
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Georg Freuling äußerte seine „grundsätzlichen Einwände“ gegen die Bebauung. Die besondere Bedeutung des Platzes und seine gegenwärtige Gestaltung waren dabei wesentliche Grundlage seiner Stellungnahme. „Der Platz“, so der Pfarrer, „hat wegen seiner Geschichte eine besondere Bedeutung und erinnert an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte.“ Daran zu erinnern sei eine gesellschaftliche Aufgabe, „für die für mich der Synagogenplatz steht“. Deshalb sei ein sensibler Umgang unabdingbar und sollte die Diskussion bestimmen. „Hier ist nur Erinnern möglich“, betonte Freuling, „etwas anderes lässt die Geschichte nicht zu.“
Niemand in Kleve könne Anspruch auf diesen Platz erheben. „Er steht exklusiv denen zu, an die wir uns erinnern müssen.“ Dafür müsse die Stadt den Platz würdig erhalten, „bis es wieder jüdisches Leben in Kleve gibt“.
Freuling begegnete auch den Vorwürfen, dass der Platz etwa nur einmal im Jahr genutzt werde. „Es gibt ihn aber“, verwies er auf andere Städte, in denen ehemalige Synagogenplätze überbaut wurden. „Hier bei uns markiert er eine Lücke, eine klaffende Wunde, wie Bürgermeister Gebing sie nennt.“ Er, schloss Freuling sein Statement, könne sich mit einer Überbauung nicht anfreunden und regte ein Nachdenken darüber an, wie man in Kleve an die Shoah erinnern wolle.
Drei Gebäude sind geplant
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Thomas Ruffmann erinnerte in seinen Ausführungen an die zentrale Frage, um die es nach Meinung des Vereins Beth Ha Mifgash gehen müsse: „Wie wollen wir uns in Zukunft erinnern?“ Es reiche nicht, immer wieder der Opfer zu gedenken. „Wir wollen ein Haus für alle Menschen am schönsten, sensibelsten Ort mitten in der Stadt.“

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Wie bereits ausführlich berichtet, möchte der Verein dafür drei Gebäude errichten im Bereich des Synagogenplatzes, der ehemaligen jüdischen Schule sowie des ehemaligen Restaurants (heute Parkplatz an der Schwanenburg). „Wir planen dafür mit hochwertiger Architektur und sind überzeugt, dass Erinnerung für morgen an dieser Stelle nötig und möglich ist“, so Ruffmann. Dabei gehe es nicht darum, ein Vereinshaus zu errichten. Für die Unterhaltung des als Pavillons in Leichtbauweise geplanten Ensembles soll eine Stiftung gegründet werden, in der der Verein ein Mitglied unter vielen wäre.
„Kann es denn zukunftsstiftend sein, eine solche Wunde weiter offen zu halten?“, fragte Ruffmann. „Unser Ziel ist es, den Platz als würdigen Ort zu erhalten, geschützt, aber immer zugänglich.“ Nach Wunsch des Vereins solle an dieser Stelle würdig erinnert werden können, so Ruffmann. Die Gedenkwand bleibe erhalten, der Grundriss weiterhin sichtbar. Und: „Die Juden in Kleve waren nicht nur Opfer, sie haben hier gelebt.“ Deshalb sei eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte geplant, digitale Projektionen vorgesehen.
Thomas Ruffmann: „Wir werben für eine Grundsatzentscheidung“
Ruffmann verwies darauf, dass die Pläne von der für Kleve zuständigen jüdischen Gemeinde Krefeld ausdrücklich begrüßt würden. „Auch Eva Weyl hat sich von unserem Projekt überzeugen lassen“, ergänzte er. Erinnern, unterstrich der Vereinsvorsitzende, richte sich immer in die Zukunft. Dafür wolle man ein Haus des Erinnerns und Erlebens, eines des Lernens und Diskutierens und eines des Schauens und Genießens schaffen.
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„Wir werben für eine Grundsatzentscheidung und hoffen darauf, dass die Stadt Kleve dafür das Baurecht schaffen möge.“ Die Stadtgesellschaft, appellierte Ruffmann, müsse sich sowohl architektonisch wie auch inhaltlich an der Diskussion beteiligen.
Meike Rohwer vom städtischen Fachbereich Planen und Bauen lieferte zu den Mifgash-Plänen baurechtliche Fakten. Knackpunkte seien die Denkmalpflege und die Standfestigkeit, sagte die Mitarbeiterin. Man habe eine Abstimmung mit dem Denkmalschutz gesucht, schließlich handle es sich hier um ein Bodendenkmal. „Dort hat man Bedenken bei drei Pavillons“, so Rohwer, „zwei würden sich besser einfügen, der dritte stünde zu nah am Denkmalkomplex Schwanenburg.“ Die Situation sei planungsrechtlich hoch kompliziert, auch wegen der Lage am Hang. „Dafür brauchen wir zunächst ein Gutachten, das die Standfestigkeit überprüft“, so Rohwer. Aus städtebaulicher Sicht wäre eine Bebauung jedoch vorstellbar.
CDU-Fraktion lehnt Bebauung ab
Die CDU-Fraktion war die einzige, die sich am Dienstag schon klar positionierte. Vorsitzender Georg Hiob folgte der Argumentation Freulings: „Bauen dürfte hier nur die jüdische Gemeinde. Wir halten den Platz für würdig als Erinnerungsort.“ Dem schloss sich auch Bürgermeister Wolfgang Gebing an: „Eine Schließung der Lücke wäre städtebaulich möglich, ein Ort der Begegnung aber wäre an dieser Stelle nicht angemessen.“
Der sachkundige Bürger Clemens Giesen (Offene Klever) regte an, dass beide Positionen sich zusammensetzen sollten. Felix Walraven (SPD) sah gute Gründe für beide Lager, wollte sich aber zunächst in der Fraktion besprechen. Wiltrud Schnütgen (Grüne) schlug einen anderen Ort für die Bebauung vor. „Zwischen Marstall und der Anwaltskanzlei – von dort hätte man einen wunderbaren Blick auf den Synagogenplatz.“ Dies war auch Tenor bei Sigrun Hintzen, sachkundige Bürgerin der CDU. „Andere Plätze auszusuchen, wäre ein Ausweg aus dem Dilemma“, sagte sie. Alle Fraktionen sollen nun deutlich Position beziehen und ihre Sicht dem Verein mitteilen.






