Noch sieht es im Marställchen so aus, als sei die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen. In einer Ecke des traditionsreichen Lokals an der Schlossstraße stapeln sich abgerissene Wandverkleidungen, Mülleimer, Kühlschränke, sogar eine aufblasbare Plastikpuppe liegt in dem Gewirr. Doch die Sperrmüllabfuhr ist bereits bestellt und ebenso ein Elektriker, der sich nun mit fachmännischer Expertise den freigelegten Schaltkreisen in der Küche widmet, die aussehen, als hätte jemand versucht, mit Kupferkabeln eine Portion Spaghetti nachzubilden und dann einen Quirl hineingehalten hätte.

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Mehrere Tage Arbeit seien nötig, um Ordnung in dieses Chaos zu bringen und wieder ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen, sagt Thomas Walczak von der Emmericher Gastronet GmbH, die das Marställchen gepachtet hat und nun – nach einer generalstabsmäßigen Überholung – die Neueröffnung des Objekts angeht. „Noch vor Karneval möchten wir wieder geöffnet haben“, sagt Denise Manteuffel, die das Lokal künftig führen wird. Viele Gäste hätten schon gefragt, wann es endlich weitergeht.

Gastronomie
Das Ordnungsamt schloss die Kneipe in der Innenstadt.© NRZ | Ralf Daute

Vorbereitungen für baldige Neueröffnung laufen

Eigentlich hätte der Betrieb bekanntlich nahtlos weiterlaufen sollen, nachdem Berti Vettorel Ende des vergangenen Jahres einen Nachfolger für sich gefunden hatte. Doch Jenny und Jürgen, ein Pärchen aus dem Westerwald, gaben schon nach einem Monat wieder auf, aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt.

Mitarbeiterin Denise Manteuffel führte den Betrieb weiter – noch als Angestellte des Pärchens. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gingen bei ihrer Kontrolle davon aus, dass die Nachfolgerin bereits in der Verantwortung steht – und schlossen die Gaststätte deshalb am vorvergangenen Samstag mitten im laufenden Betrieb.

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Wann im Marställchen wieder Bier gezapft wird, ist noch nicht ganz klar.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst/Archiv

Antrag auf Erteilung einer vorläufigen Konzession

Nun aber ist der Antrag auf Erteilung einer vorläufigen Konzession gestellt, und – wie es sich rückblickend herausstellt – war es offenbar ein Segen, dass sich einmal ein Fachmann die technischen Verhältnisse in dem Lokal angeschaut hat. Diese präsentierten sich als ein komplettes Chaos. „Wegen Renovierung geschlossen“, dieses Schild hängt nun im Eingang der Kneipe.

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Wenn es nach dem Willen der neuen Wirtin geht, ist der Zettel auch bald schon wieder verschwunden. Sogar eine neue Fassadengestaltung ist in Arbeit. Das Lokal, das die meisten Klever einfach nur als Marställchen kennen, hieß zu Zeiten von Vettorel nach den ersten Buchstaben der Vornamen der drei Hauptakteure Bersatho’s Marställchen. Künftig soll an der Fassade wieder nur noch Marställchen stehen, versehen mit dem Zusatz: „Dein Treffpunkt für Genuss und Gemütlichkeit“.

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Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Kleve gingen diskret vor, aber ihre Botschaft an diesem Samstagabend war eindeutig: Zapfenstreich! Die Gäste durften ihre Getränke noch leeren und bezahlen, dann mussten sie das Etablissement in der Innenstadt verlassen und die Kneipe schloss ihre Türe.

Es ist ein auch für Kleve außergewöhnlicher Fall, dass eine Kneipe im laufenden Wochenendbetrieb stillgelegt wird, aber genau dies passierte im Fall Marställchen am 1. Februar. Die Gaststätte, die seit Jahresanfang unter neuer Führung läuft, musste von hier auf jetzt den Geschäftsbetrieb einstellen – und eine Wiedereröffnung ist noch nicht in Sicht.

Die verantwortliche Person hat die Erlaubnis zwar bei der Stadt Kleve beantragt, allerdings selbst eine vorläufige Genehmigung nicht abgewartet. Für die vorläufige Genehmigung muss noch eine bauordnungsrechtliche Überprüfung der Lokalität erfolgen

Niklas Lembeck, Sprecher Stadt Kleve

Es fehlte die vorläufige Konzession

Was aber ist passiert? Berti Vettorel hatte sein Lokal zum Jahreswechsel an das Pärchen Jenny und Jürgen übergeben, doch schon einen Monat später, am 1. Februar, war bereits eine Nachfolgerin der beiden im Einsatz. Diese Entscheidung fiel offenbar so spontan, dass alle erforderlichen Dokumente zu diesem Zeitpunkt nicht vorgelegt werden konnten.

Als Betreiber einer Gastwirtschaft muss man im Besitz einer Schanklizenz sein (Konzession), für die eine Menge Papierkram beigesteuert werden muss, beispielsweise ein polizeiliches Führungszeugnis und die Bescheinigung über eine Lebensmittelhygiene-Schulung (der sogenannte Frikadellenschein). Bestandteil der Konzession, die immer für ein bestimmtes Objekt vergeben wird, ist auch die bauordnungsrechtliche Abnahme der Gaststätte. Eine Konzession kann auch vorläufig vergeben werden, in manchen Fällen ist halt Eile geboten.

Schwere Mängel bei der Elektrik

Aber beim Marställchen waren laut Auskunft der Stadt Kleve die Betreiber gestartet, ohne im Besitz einer wie auch immer gearteten Konzession zu sein. Stadtsprecher Niklas Lembeck: „Die Ordnungsbehörde der Stadt Kleve hat am Samstag, 1. Februar 2025, die Schließung der Gaststätte Marställchen veranlasst, da sie ohne eine notwendige gaststättenrechtliche Erlaubnis betrieben wurde. Die verantwortliche Person hat die Erlaubnis zwar bei der Stadt Kleve beantragt, allerdings selbst eine vorläufige Genehmigung nicht abgewartet. Für die vorläufige Genehmigung muss noch eine bauordnungsrechtliche Überprüfung der Lokalität erfolgen.“

Laut Vermieter war die Frau zum Zeitpunkt der Kontrolle allerdings noch bei dem vorigen Pächterpärchen angestellt, das selbst im Besitz einer vorläufigen Konzession gewesen sei. Demnach habe das Ordnungsamt einen Fehler gemacht. Wie dem auch sei, jedenfalls fand in den Tagen danach eine Überprüfung des Objekts durch einen Bauingenieur statt. Dabei wurden, so der Vermieter, schwere Mängel bei der Elektrik festgestellt, die nun erst einmal behoben werden müssen, bevor die Gaststätte wieder eröffnet wird.