Am Landgericht Kleve hat am Dienstag der Prozess gegen den Bauunternehmer Hermann Tecklenburg begonnen. Dem 77-Jährigen werden das Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in mehreren 100 Fällen vorgeworfen. Allein die Anklageschrift umfasst rund 400 Seiten. Neben Tecklenburg sitzt auch ein 56-Jähriger aus Kerken auf der Anklagebank, der mit verantwortlich in dem von ihm geführten Fußball-Verein, dem SV Straelen, gewesen sein soll. Dem Mitangeklagten wirft die Staatsanwaltschaft Beihilfe zu den angeklagten Taten vor.

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Tecklenburg soll als Vorsitzender des einstigen Fußball-Regionalligisten SV Straelen zwischen März 2015 bis März 2021 Spielern, Trainern und sportlichen Leitern des Vereins Gelder oder Sachleistungen bezahlt haben, ohne diese den Sozialversicherungsträgern oder den Berufsgenossenschaften gemeldet zu haben. Insgesamt geht es um eine Summe in Höhe von mehr als 600.000 Euro. Um die Auszahlungen soll sich sein mitangeklagter mutmaßlicher Komplize gekümmert haben.
Tecklenburg und sein Kompagnon waren nach Angaben eines Gerichtsprechers am Dienstag erschienen. Das Landgericht hat bis Ende September zunächst noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt, bis es ein Urteil sprechen könnte. Bei der Verhandlung am Dienstag hatte Tecklenburg demnach zunächst noch keine Angaben zu den Tatvorwürfen gemacht. Eine Einlassung sei dem Gerichtssprecher zufolge aber für den nächsten Termin am 9. September geplant.
Viele Jahre Präsident und Sponsor des SV Straelen
Der frühere Bauunternehmer Hermann Tecklenburg, der seit vielen Jahren Präsident und Sponsor des SV Straelen war, ist seit Anfang 2024 insolvent. Der Verein zog sich daraufhin von der Oberliga, in die er abgestiegen war, bis in die Kreisliga, die unterste Klasse im deutschen Fußball, zurück. Die Ursache für die Pleite seines Unternehmens sah Tecklenburg vor anderthalb Jahren auch in der damals aktuellen Entwicklung der Bauindustrie.
Der Rheinischen Post (Plus-Artikel) hatte Tecklenburg im Vorfeld des Prozesses gesagt, dass er davon ausgehe, auch im Fall einer Verurteilung nicht ins Gefängnis zu müssen: „An den Vorwürfen wird schon etwas dran sein, sonst würde ich ja nicht vor Gericht stehen“, sagte der 77-Jährige. Auf den Prozess vor dem Landgericht schaue er relativ entspannt, sagte er. „Das Alter hilft mir hier schon. Vor 40 Jahren wäre ich sicher um einiges angespannter gewesen“.
Tecklenburg ist mit der früheren deutschen Fußball-Nationalspielerin und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg verheiratet. Der 77-Jährige hatte auch diverse Bauprojekte am Ruhrgebiet und am Niederrhein. Dazu zählen etwa das „Live Green Voerde“ oder das „Sehenswert“ in Duisburgs Mammut-Programm Sechs-Seen-Wedau. In Düsseldorf-Bilk ließ er das Mothes-Carrée entwickeln. Das Insolvenzverfahren gegen sein Unternehmen der Tecklenburg GmbH ist Anfang April des vergangenen Jahres am Amtsgericht Kleve eröffnet worden. „Sein“ Verein SV Straelen hatte sich im Februar 2024 insolvent gemeldet.
Urteil: Ein Jahr und zehn Monate Strafe mit Bewährung
Update 30.9.2025: Hermann Tecklenburg ist nach Angaben eines Sprechers des Landgerichts wegen des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelten zu einer Freiheitstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden sei. Nach Überzeugung der Kammer sei den Sozialversicherungen und Berufsgenossenschaften ein Beitragsschaden von ungefähr 470.000 Euro entstanden.
Der Angeklagte sei geständig gewesen. Bei der Strafzumessung sei das ebenso berücksichtigt worden wie die lange Verfahrensdauer. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte haben Revision eingelegt. Das Verfahren gegen den ursprünglichen Mitangeklagten wurde nach Angaben des Sprechers abgetrennt. Es solle gegen die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 30.000 Euro eingestellt werden.





