Ein Immobiliendienstleister machte jüngst auf erhebliche Preissteigerungen bei den Heizkostenabrechnungen 2024 im Vergleich zu 2023 aufmerksam. Vor allem Fernwärmekunden seien davon betroffen. Da müsse bei der 70 Quadratmeter-Musterwohnung für Wärme und warmes Wasser im Schnitt 27 Prozent mehr gezahlt werden. Das wird in einem WDR-Bericht konkret vorgerechnet: Statt 830 Euro in 2023 seien nun 1055 Euro fällig.

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Zwar stiegen danach auch bei Gas die Preise, heißt es in dem Bericht weiter: Da kletterten die Kosten von 811 auf 864 Euro (plus 7 Prozent). Bei Ölheizungen bekämen die Kunden gar Geld zurück. Als Gründe für die Entwicklung nennt der WDR das Auslaufen der Energiepreisbremsen und das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung. Allerdings wird auch der Vorwurf geäußert, dass Fernwärmekunden ihrem Versorger meist ausgeliefert seien, weil er in der Region jeweils eine Monopolstellung habe. Die Redaktion hat bei den Stadtwerken Kamp-Lintfort nachgehakt.
Um wieviel höher wird die Fernwärmerechnung für 2024 ausfallen?
Auch in Kamp-Lintfort müssen die Fernwärmekunden mit einem ordentlichen Preissprung rechnen im Vergleich 2023 auf 2024, heißt es von dort. Der Brutto-Arbeitspreis betrug danach am 31. Dezember 2023 12,54 Cent pro Kilowattstunde. „Ab dem 1. April 2024 (also nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer) betrug der Bruttopreis 15,02 Cent. Die Steigerung betrug damit rund 20 Prozent, also ein Fünftel Mehrkosten im Vergleich zum Vorjahr.“
Hilfe durch Bundesregierung fällt weg
Die Stadtwerke erläutern das so: Die Bundesregierung habe durch die einmalige Soforthilfe, die Deckelung der Preise 9,5 Cent je kWh brutto auf 80 Prozent der Menge des Vorjahres und die Mehrwertsteuerreduzierung von 19 auf 7 Prozent bis zum 31. März 2024, Entlastungen für den Bürger bereitgestellt. Das habe zur Abfederung der in 2023 durch den Ukrainekrieg stark angestiegenen Preise geführt. Anfang 2024 bzw. zum 31. März seien die Entlastungen dann komplett weggefallen. So habe die Preisspitze, die es zu dem Zeitraum gab, voll auf den Kunden durchgeschlagen. „Durch die Preisgleitung in der Preisberechnung, die oft ein- bis zweijährige Mittelwertbildung von Preisindizes verwendet, tritt die Preissenkung bei den meisten Versorgern erst jetzt langsam ein.“ Die Fernwärmeversorger könnten nicht willkürlich Preise ändern, sondern seien an bestimmte Preisentwicklungen auf dem Energiemarkt gebunden – sowohl bei fallenden wie bei steigenden Werten, heißt es von den Stadtwerken.
Ausbau bis 2040
Bis 2040 sollen die Stadtwärme Kamp-Lintfort und die Stadtwerke Kamp-Lintfort das Fernwärmenetz schrittweise erweitern. Weitere Informationen zum Fernwärmenetz finden Interessierte auf der Internetseite der Stadtwärme Kamp-Lintfort unter www.swkl.de/fernwaerme. Zudem besteht im Kundenzentrum in der Wilhelmstraße 1a die Möglichkeit, sich das Netz straßengenau von Mitarbeitenden zeigen zu lassen.
Bei der Stadtwärme Kamp-Lintfort betrug die Netto-Preissteigerung als Mittelwert für 2024 für den Mischpreis 7,3 Prozent. Anfang 2025 ist der Mischpreis dann um ca. 6,3 Prozent gefallen.
„Brutto sieht die Steigerung heftiger aus“, räumen die Stadtwerke ein. Hier beträgt die Steigerung 2024 dann 14,7 Prozent und die Absenkung 2025 nur 2,4 Prozent. Wenn man die zeitweise Preisdeckelung für den Kunden auf 9,5 Ct/kWh berücksichtigt, fällt die Steigerung von 2024 gegenüber 2023 natürlich stärker aus. Die Stadtwerke verweisen auf eine transparente Darstellung der Preisentwicklung auf die Internetseite der SWKL: https://www.swkl.de/fernwaerme.
Wie hat sich der Preis für Gas entwickelt?
„Wir haben die Preise für sämtliche Gastarife zum Jahreswechsel von 2023 auf 2024 nicht verändert“, heißt es. Der Gaspreis (brutto) habe sich um 8,5 Prozent von 2023 auf 2024 erhöht. Dies sei ausschließlich auf die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer von 7 Prozent auf 19 Prozent ab dem 1. April 2024 zurückzuführen. Darüber hinaus hätten sich Verschiebungen oder Veränderungen bei den sonstigen Steuern und Abgaben sowie Netzentgelten ergeben. Deren Auswirkungen hätten sich aber im Wesentlichen aufgehoben, oder seien zu Lasten der Vertriebs- und Beschaffungskosten gegangen. Ab 1. Januar diesen Jahres „haben wir unsere Gaspreise gesenkt, so dass trotz des jetzt wieder vollumfänglich geltenden Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent eine Preissenkung von 5 Prozent (brutto) resultiert.“
Zum Vorwurf, Fernwärmeversorger hätten eine Monopolstellung äußern sich die Stadtwerke wie folgt:
„Das sind politische Weichenstellungen, auf die wir keinen Einfluss haben. Sollten sich die Regularien ändern, werden wir als Versorgungsunternehmen diese natürlich gesetzeskonform umsetzen. Ansonsten noch folgende Anmerkung: Es gibt keinen Anschluss- und Benutzungszwang für einen Fernwärmeanschluss in Kamp-Lintfort. Es gibt also keine Pflicht zur Nutzung von Fernwärme.“ Jeder Kunde habe die Wahl und könne für sein Objekt selber entscheiden, mit welcher Wärme er sein Haus beheizen möchte. Basis für den Ausbau des Fernwärmenetzes sei die kommunale Wärmeplanung. Diese weise Gebiete für den vorrangigen Ausbau der Fernwärme aus. „Entsprechend prüfen und priorisieren wir die einzelnen Baumaßnahmen. Aktuell ist der Ausbauschwerpunkt in der Innenstadt von Kamp-Lintfort.“
Was sagen die Stadtwerke zur Forderung von Verbraucherschützern nach einem Preisdeckel für Fernwärme?
Wenn sich der Preisdeckel an den Kosten für den Betrieb einer Wärmepumpe orientieren soll, sei dies eine sehr komplexe Fragestellung, da die Grundvoraussetzungen bei beiden Wärmeversorgungsarten unterschiedlich sei. Daher seien vor allem die Fachverbände gefragt, einen realistischen Preis- und Nutzenvergleich mit allen Vor- und Nachteilen transparent aufzubereiten und den politischen Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen.




