Wiederholungstäter gibt es diesmal nur zwei, lediglich Caren Jeß und Lukas Rietzschel waren in den vergangenen Jahren schon bei den Mülheimer Theatertagen vertreten. Für den Jahrgang 2026 wurden viele Autorinnen und Autoren nominiert, die ihr Debüt beim Wettstreit um den Mülheimer Dramatikpreis geben. Sie schicken Stücke ins Rennen, die thematisch wie formal sehr unterschiedlich daherkommen, auf jeden Fall aber höchsten Genuss für alle Theaterfans (und solche, die es noch werden wollen) versprechen.

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Alle Festival-Beiträge haben 2025 ihre Uraufführung an einer deutschen Bühne erlebt, namhafte Theaterensembles mit exzellenten Schauspielerinnen und Schauspielern reisen an, um zwischen dem 16. Mai und 6. Juni ihre Inszenierungen der erstklassigen Theatertexte in der Mülheimer Stadthalle zu präsentieren. Welche Autorin oder welcher Autor den Mülheimer Dramatikpreis 2026 erhält, entscheidet eine Fachjury am 6. Juni. Wie immer dürfen aber auch die Zuschauerinnen und Zuschauer wieder nach jeder Vorstellung Schulnoten vergeben. Auf diese Weise wird das Lieblingsstück des Publikums ermittelt - und der Verfasser oder die Verfasserin dann mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Hier unser Überblick zu den sieben ausgewählten Meisterstücken, die im Wettbewerb stehen:

„Play Auerbach!“ von Avishai Milstein (Münchner Kammerspiele)
Der israelische Autor Avishai Milstein hat für die Münchner Kammerspiele ein Auftragswerk über den Holocaust-Überlebenden Philipp Auerbach geschrieben. Dieser wurde nach dem Krieg zum Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte in Bayern ernannt. Als Idealist versuchte er, jüdisches Leben wieder in Deutschland zu etablieren. Nach seinem Suizid geriet er in Vergessenheit. Avishai Milstein (geb. 1964) hat mit „Play Auerbach!“ kein Dokumentarstück, sondern eine Revue zum Thema der Erinnerungskultur geschaffen, die oft sarkastisch gefärbt ist. Termin: 16. Mai, 19.30 Uhr. Stadthalle. Dauer: 2,15 Stunden.

„To my little boy“ von Caren Jeß (Thalia Theater Hamburg)
Mit „Die Katze Leonore“ gewann sie 2023 den Mülheimer Dramatikpreis sowie den Publikumspreis. Und auch diesmal geht es bei Caren Jeß um ein Tier - genauer gesagt um ein Plüschschwein. Der Geologe Aaron kann sich von dem Kuscheltier auch als Erwachsener nicht trennen. So gut der gebildete Akademiker über den prekären Zustand der Welt Bescheid weiß, so schwer tut er sich mit den normalen Anforderungen des Lebens. Die Autorin hat ein Stück über Liebe und Freundschaft geschrieben, das kritisch, aber mit lakonischem Witz auf die Welt blickt. Termine: 20. Mai, 19.30 Uhr, und 21. Mai, 19.30 Uhr, Studio in der Stadthalle, Dauer: 1,40 Stunden.

Festival Plus: Außerhalb des Wettbewerbs
Neben den sieben Wettbewerbsstücken gibt es zwei weitere Darbietungen:
„Nice“ von Kristo Sagor ist ein preisgekröntes Stück für Jugendliche ab 14 Jahren über Gaming und Sucht, Freundschaft und Liebe. Das Theater Konstanz zeigt es am Freitag, 29. Mai, um 11 Uhr im Theater an der Ruhr. Dauer: 1,25 Stunden.
Gezeigt wird außerdem am Mittwoch, 3. Juni, um 20 Uhr im Makroscope der Film „Die Kunst, Viele zu bleiben“ von Felix Meyer-Christians. Er vereint Stimmen von Menschen aus der Kultur, die für die Demokratie kämpfen.
„Der Girschkarten“ von Lukas Rietzschel (Schauspiel Leipzig)
Lukas Rietzschel zählt zu den jungen Autoren, die derzeit mit ihren Stücken ebenso wie mit ihren Romanen Aufmerksamkeit erfahren. Im vergangenen Jahr präsentierte er in Mülheim ein sehenswertes Doku-Drama über einen rechtsextremen Politiker. Diesmal liefert er eine sehr freie Überschreibung von Tschechows „Der Kirschgarten“. Aus dem russischen Landgut wird bei ihm ein baufälliges Häuschen in der deutschen Provinz, um das ein unschöner Erbstreit entsteht. Es geht um die Familie, um den Kapitalismus und um andere Systeme, die uns Menschen irgendwie bestimmen. Termine: 22. Mai, 19.30 Uhr, Studio Stadthalle, und 23. Mai, 19.30 Uhr, Dauer: 1,40 Stunden.

„Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer“ von Anna Behringer (Schauspiel Leipzig)
Was ist eigentlich normal? Diese Frage steht im Zentrum von Anna Behringers Stück „Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer“, das die Eindrücke und Empfindungen neurodiverser Menschen aufzuzeichnen versucht. Zwei Schwestern werden von den Ärzten und auch dem Rest der normativ geprägten Gesellschaft immer wieder „falsche“ Gefühle und „unpassendes Verhalten zugesprochen. Die Autorin nimmt konsequent die Perspektive der betroffenen Frauen ein, sie inszenierte das Stück auch selbst unter Pseudonym - als „Rausch der Wahrnehmungen“. Termine: 24. Mai, 19.30 Uhr und 25. Mai, 19.30 Uhr, Studio Stadthalle. Dauer: 1,30 Stunden.

„Die kleinen Meerjungraun“ von Kim de l‘Horizon (Bühnen Bern)
Kim de l‘Horizon gilt als Shootingstar der Literatur-Szene in der Schweiz. Er tritt mit „Die kleinen Meerjungraun“ (ohne „f“) bei den Theatertagen an. Das „f“ fehlt im Titel bewusst, denn im sprachmächtigen Stück geht es um drei genderfluide Mischwesen, die Raun. Sie sind - ähnlich wie Andersens Märchennixe - gestrandet in Gegebenheiten, die ihrer (nonbinären) Natur widersprechen. Aus Liebe passen sie sich an, aber aus Anpassung entsteht Schmerz. Kim de l‘Horizon hat eine kritische fantastische Geschichte gegen das normative Denken geschrieben und plädiert für die freie Selbstentfaltung. Termin: 27. Mai, 19.30 Uhr, Stadthalle. Dauer: 1,40 Stunden.

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„Druck!“ von Arad Dabiri (Nationaltheater Mannheim)
Das Reizthema Migrationspolitik hat sich der Autor Arad Dabiri in „Druck!“ vorgenommen, und er hat einfach genau hingeschaut und hingehört bei Gesprächen unter Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Drei Männer und eine Frau debattieren - sehr oft auf einer Parkbank sitzend - über Integration und Heimatgefühl und über das, was einen stört oder was man tun sollte. Wobei die junge Frau die Dinge weit pragmatischer sieht als ihre drei Gegenüber: „Hier anpassen und besser leben. That‘s it“, lautet ihre Devise. Termine: 30. Mai, 19.30 Uhr und 31. Mai, 19.30 Uhr, Studio Stadthalle. Dauer: 1,35 Stunden.

„2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger“ (Münchner Kammerspiele)
Das Kunstkollektiv „Frankfurter Hauptschule“ liefert wohl den ungewöhnlichsten Beitrag zu den 51. Mülheimer Theatertagen. Der Titel „2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger“ verweist auf zwei Werke des gleichnamigen Künstlers - darunter „241 Bildtitel zum Ausleihen für Künstler“. Von diesen inspiriert, kreieren die Frankfurter Happening-Macher - mit Referenz an die genialen Blödeleien der Frankfurter Schule - ganze 482 (also 2x241) mögliche Werktitel für ihr eigenes Stück und reihen sie aneinander. Es fängt witzig an, doch irgendwann ist Schluss mit lustig. Termine: 5. Juni, 19.30 Uhr, und 6. Juni, 18 Uhr, Studio Stadthalle. Dauer: 1,10 Stunden.








