• In Mülheim zeigt sich ein großes Gefälle zwischen Arm und Reich, das sich vor allem in den Einkommenszahlen widerspiegelt.
  • Die Gewerkschaft NGG warnt vor einer wachsenden sozialen Schieflage und fordert gerechtere Steuern sowie eine faire Vermögensverteilung.
  • Zudem spricht sich die NGG für die Abschaffung des Ehegattensplittings aus, um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen und mehr Chancengleichheit zu schaffen.

Eine drohende soziale Schieflage ist kein neues Phänomen in Mülheim. Die berühmte „Schere zwischen Arm und Reich“ ist ein Bild, das nicht zum ersten Mal verwendet wurde, um die sozialen Unterschiede in der Stadt und hier oft zwischen dem Norden und dem Süden, zu verdeutlichen.

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Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Mülheim hat nun auf Datengrundlage des Statistischen Landesamtes und der Arbeitsagentur errechnet, dass in Mülheim 655 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ein Mensch gegenübersteht, der ein Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr hat. Statistisch gesehen sind es 4,7 Millionäre pro 10.000 Einwohner.

Großes Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern

„So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern in Mülheim aus. Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt Martin Mura. Der Geschäftsführer der NGG Ruhrgebiet warnt dabei „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage in Mülheim.“

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Dabei gehe es überhaupt nicht darum, dass manche Menschen mehr Geld haben als andere. Es geht darum, dass wenige im ‚Gold-Statuslevel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen“, sagt Mura. Von denen, die keine Arbeit haben oder mit Armut im Alter klarkommen müssen, ganz zu schweigen.

Appell an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD

Vor dem anstehenden Reformpaket der Bundesregierung appelliert der Gewerkschafter daher besonders an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD. „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast“, sagt Mura mit Blick auf Lohn- und Mehrwertsteuer, während Erbschaften und Vermögen nur 1,1 Prozent des Steueraufkommens einbrächten.

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Denn dafür falle meistens pauschal nur eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse. „Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben“, betont Mura. Eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz dürften dabei keine Tabus mehr sein. Die NGG Ruhrgebiet fordert die Koalition auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder.