Laut Bundesregierung engagagieren sich 40 Prozent der Menschen in Deutschland ehrenamtlich für ihre Mitmenschen. 80 Menschen aus dem Ruhrgebiet, die in 30 Organisationen ehrenamtlich und in 15 Unternehmen hauptamtlich aktiv sind, folgten nun der Einladung der NRW-Staatskanzlei und des Centrums für bürgerschaftliches Engagement (CBE) und suchten bei der Ehrenamtsmesse Ruhrdax in der Alten Dreherei in Mülheim den Kontakt und das Gespräch mit Menschen und Organisationen, die gemeinsam etwas Gutes tun und das auch nicht verschweigen wollen.

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Wie stehen die Aktien beim Ruhrdax, der vor 20 Jahren ins Leben gerufen wurde und zum dritten Mal in Mülheim stattgefunden hat? Der Geschäftsführer des seit 25 Jahren aktiven CBEs, Michael Schüring, und seine für den Bereich Unternehmensengagement zuständigen Kolleginnen Conni Loy und Miriam Canzora freuten sich am Ende des Marktplatzes in der Alten Dreherei über 25 vor Ort abgeschlossene Matchings, mit denen Unternehmen und ehrenamtlich und sozial aktive Organisationen etwa eine Renovierung, einen sozialen Aktionstag fürs Teambuilding, die Produktion eines Werbe-Podcasts, einen Kinderausflug in den Zoo und einen Kommunikationsworkshop vereinbart haben.

Ruhrdax fördert in Mülheim Austausch zwischen Unternehmen und Ehrenamt

„Der Ruhrdax ist eine Kontaktbörse, auf der es nicht immer um den konkreten Abschluss, sondern um das Kontakteknüpfen und Netzwerken geht“, betont Schüring. Er sieht den Ruhrdax nicht „als Einbahnstraße, auf der die Vereine und Organisationen nur nehmen und die Unternehmen geben.“ Der Imagegewinn und die positiven Impulse für das Betriebsklima und die Unternehmenskultur sind nach seiner Erfahrung nicht zu unterschätzen. Bürgermeister Markus Püll, der die Stadt beim Ruhrdax vertrat, sieht die regionale und damit über die Stadtgrenzen hinausreichende Zusammenarbeit von Wirtschaft und Ehrenamt als „eine konkrete Stärkung des sozialen Zusammenhalts im Strukturwandel des Ruhrgebietes“.

„Mein Eindruck ist: Es gibt viele, die Hilfe suchen, aber nur wenige, die helfen können und wollen“, sagt Anne Kebben von der Unicef-Gruppe Mülheim/Oberhausen am Ende des Messetages in der Alten Dreherei. Immerhin nehmen sie und ihre Mitstreiterin Monika Hansen mehrere Visitenkarten und ein konkretes Hilfsangebot zur Unterstützung des eigenen Internet- und Social-Media-Auftritts mit. „Ob sich der Tag heute für uns gelohnt hat, müssen wir noch abwarten“, so Kebben.

Nachwuchssorgen in Ehrenämtern: Vereine suchen Leitungsnachfolger

Die vitale Mittsiebzigerin und ihr Ehrenamtskollege Alfred Beyer vom Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS), der die 80 überschritten hat, stehen für den demografischen Wandel und die damit verbundene Nachfolgefrage in ehrenamtlich aktiven Vereinigungen, vor allem dann, wenn es um Vorstandsarbeit und Leitungsaufgaben geht.

RUHRDAX `26 – Wirtschaft trifft Engagement in Mülheim an der Ruhr
Die verschiedenen Organisationen und Vereine aus Mülheim machten beim Ruhrdax auf sich aufmerksam.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Beyer, freut sich darüber, einen Grafiker als Vorstandsmitglied für seinen inklusiven Verein gewonnen zu haben, der jetzt mit einer befreundeten Druckerei das Marketing und die plakative Selbstdarstellung des VBGS professionalisiert. Er verbucht den Ruhrdax als einen Erfolg, „weil ich hier die Gelegenheit hatte, Kontakte zu knüpfen, gute Gespräche zu führen, über den lokalen Tellerrand hinauszuschauen und auf unser inklusives Musikfest aufmerksam zu machen, mit dem wir am 13. Juni um 16 Uhr im Speldorfer Marienhof Meschen unterschiedlicher Generationen zusammenbringen wollen“, erklärt der Vorsitzende des VBGS

Alte Dreherei erhält Unterstützung für historische Ausstellung

Für den Vorsitzenden des gastgebenden Trägervereins der Alten Dreherei, Martin Menke, hat das Ruhrdax-Heimspiel ebenfalls interessante Kontakte gebracht. Er freut sich darüber, dass man bei der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW) nach historischen Fotografien der werkseigenen Feldbahn recherchieren will, die in der historischen Ausstellung der Alten Dreherei und mit Blick auf deren Feldbahngleise gezeigt werden sollen. Erfreut war der Frontmann der Alten Dreherei auch über die Zusage einer Broicher Medienberaterin, die sich etwas einfallen lassen will, um die historische Ausstellung bekannter und attraktiver zu machen. „Auch wenn die Unternehmen in der Unterzahl waren, haben am Ende doch alle sozial und ehrenamtlich Aktiven etwas gefunden, was sie weiterbringen wird“, resümiert Menke den Ruhrdax.

Was bringt der Ruhrdax den Betrieben?

Und warum lohnt sich die Teilnahme am Ruhrdax aus unternehmerischer Sicht? „Für Unternehmen ist das eine gute Werbung und eine gute Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Ehrenamt, die ich schon zum zehnten Mal nutze. Denn hier ergeben sich immer wieder Synergieeffekte und Möglichkeiten, Vereinen mit unserem Know-how zu helfen. Denn auch ehrenamtlich aktive Vereine müssen heute wirtschaftlich denken und handeln. Und wenn sich Menschen ehrenamtlich für unsere Gesellschaft engagieren, ist das auch aus Sicht der Wirtschaft nicht hoch genug zu schätzen“, erklärt Sibylle Hellier von der Wirtschaftsvereinigung Klugnetzwerk. Bei diesem Ruhrdax haben sich Betriebe und der Imkerverein darauf geeinigt, nachhaltig, öffentlich und wirksam etwas gegen die aktuelle Hornissenplage zu unternehmen und gleichzeitig mit mehr Blumenbeeten im öffentlichen Raum für mehr Artenvielfalt zu sorgen. Mehr Informationen zum Thema Wirtschaft und Ehrenamt finden sich unter: www.cbe-mh.de.