- Durch die Umstellung auf G9 gibt es in Mülheim 2026 nur einen kleinen Gymnasial-Abiturjahrgang.
- Gerade einmal 25 Schülerinnen und Schüler machen an einer Bündelungsschule ihr Abi.
- Trotz der kleinen Gruppe und finanzieller Hürden hoffen die Absolventen, ihre Zeugnisübergabe und den Abiball an einem besonderen Ort feiern zu können.
Gerade mal 25 junge Menschen machen 2026 in Mülheim Abitur an einem Gymnasium. Im vergangenen Jahr waren es rund 500. Durch die Umstellung von G8 auf G9, also die Wiedereinführung der neunjährigen anstelle einer achtjährigen Gymnasialzeit, ist in diesem Jahr alles anders.

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Eigentlich gibt es gar keinen Abschlussjahrgang, eigentlich haben alle Gymnasien ein Jahr Pause vom Prüfungsstress. Nur die Gesamtschulen und Berufskollegs haben Prüfungen wie immer, dort gibt es rund 300 Abiturienten. Die Karl-Ziegler-Schule, die im Vorfeld der Umstellung zur Bündelungsschule ernannt worden war, hat jedoch all jene Gymnasiasten aufgefangen, die andernfalls durchs Raster gefallen wären. So wie Valentina (19), Izzet-Hakki (19), Samuel (18), Amir (20), Nurgül (19) und Yasin (19).
Viele der Mülheimer haben eine Extrarunde gedreht

Die sechs Abiturienten sind auf unterschiedlichem Wege im sogenannten Weißen Jahrgang gelandet. Zum Teil haben sie das Abi im vergangenen Jahr knapp verfehlt oder mussten schon zuvor eine Ehrenrunde drehen; zum Teil haben sie vor drei Jahren nach der Realschule erfolglos versucht, auf die Gesamtschule zu wechseln, und kamen deshalb zum Karl-Ziegler.
„Sie gehören jedenfalls allesamt zu einem sehr besonderen Jahrgang“, so Schulleiterin Ute Gibbels. „Einen derart persönlichen Kontakt hat man sonst nie.“ Anfangs war der Jahrgang noch doppelt so groß wie jetzt. Doch immer wieder sind Leute gegangen – oder hinzugekommen. Die Stufenkameraden stammen nicht nur aus Mülheim, sondern auch aus Oberhausen, Essen und Duisburg.
Schüler sehen Vorzüge einer Mini-Stufe
Dass jede(r) jede(n) wirklich gut kennenlernen konnte, so Izzet-Hakki, ist klar ein Vorteil gegenüber früheren oder künftigen Q2-Stufen. Und auch die Abschlussfahrt nach Weimar geriet mit gerade zwei Dutzend Mitschülern zu einer Tour „mit super Atmosphäre“, sagt Amir. Samuel, der zuvor schon auf der Luisenschule und der Otto-Pankok-Schule war, hebt zudem die Stufenleitung hervor, das Duo Stefanie Koschel und Julian Kowalski. „So eine gute Begleitung habe ich nirgends erlebt.“



Und es gibt noch Anderes, was den 26er-Jahrgang ausmacht. Etwa der dynamische Stundenplan, der den Schülern manches abverlangte. Er wechselte wochenweise. Amir, der das Abi schon 2025 in Oberhausen versucht hatte und sich dann plötzlich auf der Mülheimer Bündelungsschule wiederfand, saß mit einem Mal ganz allein im Physik-Leistungskurs. „Der Lehrer ist zwei-, dreimal die Woche extra für mich hierhergekommen.“ Mit Wegducken war da nichts; doch das hatte auch sein Gutes: „Ich bin viel stärker gefördert worden.“
Der Bio-LK fand mit zwei Leuten an der Luisenschule statt
Auch Nurgül erwähnt den „One-to-One-Unterricht“; sie allerdings musste dafür extra zum Lehrer an der Luisenschule fahren. Zu zweit habe man dort im Bio-LK gesessen, „in einem Fach, das ich eigentlich nicht mag“. Die Favoriten, Geschichte und Sowi, aber waren gar nicht erst zustande gekommen. Nurgül hofft nun, dass es trotz Bio geklappt hat. Notfalls, da ist sie sicher, reißt die Englisch-Klausur alles raus.
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Auch wenn die Stufe klein war, der Organisationsaufwand für die Schule war riesig: „Eigentlich genauso wie sonst auch“, so Gibbels. Mittlerweile aber sind alle Abiklausuren geschrieben, und am 10. Juni haben sie die mündliche Prüfung hinter sich gebracht. Aktuell bibbern die 25, was der 18. Juni wohl bringt: Dann gibt es die alles entscheidende Note, und gegebenenfalls eine Nachprüfung. Am 10. Juli möchten die Mitglieder des Weißen Jahrgangs ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen. Die Übergabe, so weiß Yasin, wird diesmal vielleicht nicht in der Aula stattfinden, sondern an einem schöneren Ort; „mit so einer kleinen Gruppe ist das ja möglich“.



Für den Mini-Jahrgang ist der Abiball eine Herausforderung
Und danach? Wie wird der besondere Moment gefeiert? Das wissen die Schüler und Schülerinnen noch nicht. Denn für einen Mini-Jahrgang wie den ihren sei es eine Herausforderung, eine klassische Party mit Essen, Getränken und Saalmiete auf die Beine zu stellen. Selbst wenn man, so wie Nurgül sagt, „mal einen Gang herunterschaltet“, also etwas bescheidener an die Sache herangeht.
Schon die traditionelle Abiparty auf Mülheims Schleuseninsel ist ausgefallen. „Die Kosten waren nicht zu decken“, bedauert Valentina noch immer. Eine angekündigte Einzelspende, die hätte helfen können, habe der Förderverein nicht annehmen dürfen, weil sie zweckgebunden gewesen wäre. Und aus verschiedenen Gründen sei es dem Trüppchen auch nicht gelungen, Waren auf dem Adventsmarkt zu verkaufen, um die Abikasse zu füllen.
Sie gehören allesamt zu einem sehr besonderen Jahrgang. Sie sind uns sehr ans Herz gewachsen. Wir werden sie vermissen.
Ute Gibbels, Schulleiterin
Ein Abschlussfest in einer schönen Location: Das ist ihr Traum
Doch ein Abschlussfest wollen sie unbedingt feiern, am besten am 10. oder 11. Juli. Und zwar nicht in der schuleigenen Mensa – das wäre der letzte Ausweg –, sondern so wie alle Jahrgänge vor und wohl auch nach ihnen in einer schönen Location. „Alles andere wäre echt traurig“, findet Valentina.
Izzet-Hakki sieht das ähnlich: „Ich habe es früher schon bei anderen gesehen, wie emotional das zugehen kann. Zu wissen, dass wir das vielleicht nicht haben werden, ist schlimm.“ Für seine Stufe wäre es „ein Traum, wenn wir es auf den letzten Metern doch noch schaffen, etwas zu organisieren“. Auch Amir hofft, dass sich vielleicht noch ein Gastwirt oder Veranstalter findet, der mit etwas weniger Geld als üblicherweise zufrieden ist: „Die Stufenfahrt war schon toll. Da wird der Abiball bestimmt noch toller.“
50 Euro könnte wohl jeder Schüler aufbringen, so Ute Gibbels
Ute Gibbels würde es den 25 Glorreichen dieses besonderen Jahrgangs von Herzen gönnen. Sie spricht von einem „lieb-chaotischen“ Haufen, von jungen Menschen, die dem Kollegium „sehr ans Herz gewachsen“ seien. „Wir werden sie vermissen.“ Auch sie hofft noch auf eine Lösung des Problems Abiball. „Vielleicht springt ja auch irgendwo jemand ab und der Wirt denkt sich dann: Gebe ich den Abiturienten doch eine Chance.“ 50 Euro, glaubt Gibbels, sind das Maximum, was jeder Schüler aufbringen kann.
Gastronomen, die der Stufe das Fest zu einem fairen Tarif ermöglichen möchten, oder andere Menschen mit guten Ideen, melden sich unter sekretariat@karlzieglerschule.com.








