Neun Polizistinnen und Polizisten müssen sich ab Mittwoch für ihren Einsatz am 6. Januar 2024 im Flüchtlingsdorf in Mülheim-Saarn verantworten, in dessen Folge der junge Flüchtling Ibrahima Barry verstorben war. Vor dem Prozessauftakt übt der Solidaritätskreis „Justice for Ibrahima Barry“ Kritik an den Ermittlungen und der Anklage, die auf mutmaßliche gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung im Amt zielt.

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Der Soli-Kreis äußerte sich dazu am Montag noch einmal kritisch. Zweimal hätten Polizisten mit einem Taser auf Barry geschossen, anschließend sei der Guineer „entmenschlichend“ in gefährlicher Bauchlage fixiert worden. Dass die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage zwar von einem „Kombinationsgeschehen aus lagebedingtem Erstickungstod und einem frischen Herzinfarkt“ spreche, vor Gericht aber „nur“ eine Körperverletzung (nicht mit Todesfolge) angeklagt sei, sorge für Unverständnis. „Für den Solidaritätskreis ist klar, Ibrahima Barry wäre noch am Leben, hätte es diesen Polizeieinsatz nicht gegeben.“

Für den Solidaritätskreis ist klar, Ibrahima Barry wäre noch am Leben, hätte es diesen Polizeieinsatz nicht gegeben.

Solidaritätskreis „Justice for Ibrahima Barry“

Solidaritätskreis fordert lückenlose Aufklärung zur Todesursache

Der Solidaritätskreis fordert zu den Geschehnissen des 6. Januar 2024 erneut eine lückenlose Aufklärung zur Todesursache bei Ibrahima Barry. Er unterstützt die Eltern Fatoumata Binta und Harouna Barry sowie die Schwester Dardaye seit dem Tod des jungen Guineers. Eltern und Schwester sind mittlerweile in Deutschland, um vor Gericht mit anwaltlicher Unterstützung als Nebenkläger aufzutreten.

Der Solidaritätskreis sieht den Tod des jungen Guineers „in Kontinuität mit den zahlreichen anderen Todesfällen im Zuge von Polizeieinsätzen in Deutschland, von denen vor allem Migrant:innen, schwarze Menschen, People of Color und Personen in psychischen Ausnahmesituationen betroffen“ seien. Er nimmt hierbei etwa Bezug auf den in Dortmund erschossenen Mouhamed Lamine Dramé. Der Prozess hierzu war mit einem Freispruch für Polizeikräfte geendet.

Der Tod von Ibrahima Barry in Mülheim – so berichteten wir

Prozess um Ibrahima Barry: Was der Solidaritätskreis fordert

Man fordere „Konsequenzen für rassistische, tödliche Polizeigewalt“, so der Soli-Kreis. „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren aus menschenrechtlicher Perspektive mit Todesfällen in Folge polizeilicher Gewaltanwendung. Bisher müssen wir konstatieren, dass Anklagen und Strafprozesse nicht dazu beitragen, die systemischen Probleme anzugehen, die diesen staatlich verantworteten Todesfällen zugrunde liegen“, so Michèle Winkler vom Komitee für Grundrechte und Demokratie. „Vielmehr funktionieren sie oft als Legitimierung der Gewaltanwendung. Insofern gehen wir mit großer Vorsicht in diesen Prozess.“

Zum Prozessauftakt am Mittwoch (24. Juni) um 9 Uhr am Landgericht Duisburg kündigt der Solidaritätskreis eine Mahnwache vor dem Landgericht Duisburg an. Um 17 Uhr werde es dazu noch eine Kundgebung auf dem dortigen König-Heinrich-Platz geben, heißt es. Der Soli-Kreis fordert, die Polizisten mit geänderter Anklage für den Tod Barrys zur Verantwortung zu ziehen, der Familie als Nebenkläger eine dauerhafte Übersetzung aller Dokumente und des Prozesses zu gewährleisten und deren Kosten für die Prozessteilnahme zu übernehmen. Ebenso fordert er eine unbürokratische Verlängerung derer Visa, sollte der Prozess länger dauern.