Zusammenfassung

  • In Krakau ist lautes Telefonieren und Musikhören in Bussen und Bahnen verboten, die meisten Bürger begrüßen das.
  • In Oberhausen und Umgebung gibt es solche Regeln bisher nicht, Beschwerden dazu sind laut Verkehrsbetrieb eher selten.
  • Trotzdem wünschen sich viele Fahrgäste und Facebook-Nutzer ein ähnliches Verbot, um mehr Rücksicht im Nahverkehr zu erreichen.

„Sehr sinnvoll“, „schon lange überfällig“, „Bitte auch hier“: Was die Kommunalpolitik in Polen durchgesetzt hat, wünschen sich offenbar auch viele Oberhausener: Lautes Telefonieren und Musikhören in Bus und Bahn verbieten. Das hat ein Aufruf auf der Facebook-Seite der WAZ-Redaktion Oberhausen ergeben.

Oberhausen: Viele fordern Handy-Verbot in Bus und Bahn

Seit Kurzem darf in den öffentlichen Verkehrsmitteln der polnischen Metropole Krakau nicht mehr über die Freisprechfunktion telefoniert werden. Auch das Musikhören über Lautsprecher ist untersagt und kann sogar zum Rausschmiss führen: Busfahrerinnen und Busfahrer dürfen Störenfriede vor die Tür setzen. Ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 50 Euro ist möglich, wenn Fahrkartenkontrolleure auf das Vergehen aufmerksam werden. Der Stadtrat will durch die Maßnahme den Fahrkomfort erhöhen.

In Oberhausen und weiteren Städten des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) gibt es bereits ein Instrument, das Busfahrerinnen gegen Störer anwenden können. Die Oberhausener Stoag verweist auf die Beförderungsbedingungen des VRR. Darin ist geregelt, dass sich Fahrgäste so verhalten müssen, „wie es die Sicherheit und Ordnung des Betriebes, ihre eigene Sicherheit und die Rücksicht auf andere Personen erfordern“. Bei Zuwiderhandlung können die Fahrgäste „von der Beförderung ausgeschlossen werden“, wie es im Beamtendeutsch heißt.

VRR: Busfahrer dürfen Störer rausschmeißen

Nach Angaben von Stoag-Sprecherin Stefanie Knück kommen Beschwerden über zu laute Musik oder zu lautes Telefonieren „nur äußerst selten“ vor. Es komme daher kaum vor, dass deshalb ein Fahrgast vor die Tür gesetzt werde.

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Nach Angaben des polnischen Radiosenders RMF begrüßen die Bürgerinnen und Bürger in Krakau mehrheitlich die neuen Regeln. „Endlich kann man in Ruhe zur Arbeit oder zur Schule fahren, ohne die Musik anderer Leute hören zu müssen“, sagte ein Fahrgast. Ein anderer: „Das finde ich super, denn Anstand gebietet, dass man seine Angelegenheiten unter sich regelt und nicht in der Öffentlichkeit.“

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Diesen Anstand vermissen Pendlerinnen und Pendler auch in Oberhausen. „Telefonieren in Bus und Bahn sollte verboten werden. Früher ging es auch ohne“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. „Bus, Bahn, Restaurants und Arztpraxen sind doch keine Telefonzellen. Bitte abseits, zu Hause oder im publikumsfreien Bereich.“

Stau in Oberhausen
Im Stau kann die Zeit im Bus schon mal länger werden. Laute Telefongespräche werden dann für viele unfreiwillige Mithörer zur Qual. © FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

„Überfällig“, findet auch Facebook-Nutzerin Jutta Herzog ein Verbot: „Mich nervt dieses rücksichtslose Verhalten schon seit Jahren. Es macht das Busfahren unerträglich. Dies gilt insbesondere für Menschen, die auf den Bus angewiesen sind und damit jeden Tag zur Arbeit fahren müssen. Da kommt man schon gestresst an.“

Rücksichtsloses Verhalten in Bussen sorgt für Frust bei Pendlern

Nicht nur in Bussen und Straßenbahnen, auch in Arztpraxen müsste das Telefonieren über die Freisprechfunktion verboten werden, finden andere Nutzer. „Ich denke oft: Will der Gesprächspartner überhaupt, dass man von ihm alles mithören kann? Vielleicht weiß die Person gar nichts davon. Dies ist ein sehr gutes Thema, das mich schon lange beschäftigt, da es einfach nur rücksichtslos ist“, schreibt Birgit Eversmann.

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Bei unserer Abfrage auf Facebook stört sich nur eine Nutzerin nicht an dem Geräuschpegel. „Ich bin nicht so genervt.“ Der überwiegende Teil der Kommentatoren unter unserem Facebook-Post fühlt sich allerdings schon gestört – und nicht wenige sind für ein Verbot gleich im gesamten öffentlichen Nahverkehr. Fraglich sei jedoch, wie Busfahrer und Fahrkartenkontrolleure dies durchsetzen wollen. „An das E-Roller-Verbot hält sich auch keiner“, schildert ein Nutzer seine Erfahrungen. Diese sind wegen der Brandgefahr unter anderem in Oberhausener Bussen verboten.

Streit um Lärm: Viele fordern Verbot im Nahverkehr

Da bleibt als Handlungsoption wohl nur die eigene Initiative. Auf Facebook berichten einige, wie sie in den Gesprächen „mitquatschen“ und eine peinlich berührte Antwort erhalten.

Besser dürfte aber der nette Weg sein: „Ich frag‘ oft, wenn jemand lautstark oder am besten noch über Lautsprecher redet, ob das auch leiser geht. Manchmal schaue ich ganz freundlich und oft reicht das schon und es wird leise.“