Für Barbara Kröger, seit 25 Jahren Geschäftsführerin der gewerkschaftlichen Bildungsinstitution „Arbeit und Leben“, war es ohnehin „ein Traumjob“, wie sie beim offiziellen Abschied im Bert-Brecht-Haus einräumt. Und das liegt nicht daran, dass sie gerade mit Oberhausenern von der fünftägigen Polit-Reise „Arbeitswelt in Tschechien“ aus dem wunderschönen Prag zurückgekommen ist. Es war eines ihrer Ideale, Arbeitnehmer tatkräftig zu bilden, zu Polit-Debatten mit Wissen anzuregen und auf Exkursionen „alle Sinne anzusprechen, um zu lernen“.

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Kröger scheidet offiziell Ende August aus, um in den Ruhestand zu gleiten. Vier Monate lang wird sie ihre Nachfolgerin einarbeiten – die Düsseldorfer Politologin und Historikerin Antje Krüger. „Arbeit und Leben“ ist eine Bildungseinrichtung der Gewerkschaften und der Volkshochschulen, die es nur noch in 40 NRW-Städten gibt. Bezahlt wird das vor allem an Arbeitnehmer und Betriebe gerichtete Angebot vom Land, der Stadt und den Teilnehmern. „Wir erreichen jeweils andere Zielgruppen, die der andere nicht erreichen kann“, meint David Mintert, Landesgeschäftsführer der „Arbeit und Leben“-Bewegung.

Arbeit und Leben mit 1700 Oberhausener Teilnehmern im Jahr

Rund 80 Kurse, Vorträge und Exkursionen mit 1700 Teilnehmern bietet die Oberhausener Einrichtung im Jahr an. Am beliebtesten sind neben Reisen in ferne Länder Tagesausflüge mit politischem, wirtschaftlichem oder historischem Hintergrund. Innerhalb der Staumauer des Möhnesees zu staunen, das wollen viele. Aber auch die Entwicklung von Dinslaken oder die Geschichte der Zeche Westerholt, die Kasematten in Rees oder das Innere des Luftschiffhangars in Mülheim stoßen auf großes Interesse, genauso wie Betriebsbesichtigungen (Ford, GHH Radsatz). „Wer hat was zu sagen?“ ist eine politische Reihe, in der man vor Ort erfährt, was die Institutionen im Lande so alles machen: der Ruhrverband, der Landesverband erneuerbare Energien etc.

Mit knackigen Überschriften versuchen Kröger und Kollegin Martina Ewert Oberhausener zu den im Vergleich zu Exkursionen weniger begehrten Vorträgen und Diskussionsrunden zu locken: „Gibt es eine neue Kriegsangst?“, „Arbeitsplatzverlust im Alter – was nun?“, „Rente auf dem Prüfstand“ oder „Parolen Paroli bieten!“ gegen Rechtsextremismus. Kröger-Nachfolgerin Antje Krüger will versuchen, neue Zielgruppen anzuvisieren – auch mehr über Social-Media-Kanäle. „Arbeit und Leben“ soll bekannter werden, selbst in Politiker-Kreisen ist die Institution nicht stark verankert.

Viele haben zu viel Stress – und keine Zeit für Bildungsprogramme

Einfach ist es nicht, Beschäftigte für Bildung zu erwärmen. „Heute müssen wir auf mehreren Kanälen werben“, meint Kröger. Der schlimmste Feind ist nicht Desinteresse an Politik, sondern Stress. „Viele mit Job und Familie sagen: Ich habe dafür keine Zeit.“ So oder so lobt IG-Metall-Regio-Chef Jörg Schlüter den Einsatz von Kröger: „Du hast Stadtgeschichte geschrieben.“