Wenn in wenigen Tagen (am 28. April) die Oberhausener Lichtburg ihre Türen für die 72. Internationalen Kurzfilmtage öffnet, können sich Fans auch auf Werke von einem der bedeutendsten deutschen Regisseure der Gegenwart freuen. Werner Herzog ist international bekannt für Filme wie Fitzcarraldo, Nosferatu oder Aguirre, der Zorn Gottes mit Klaus Kinski in einer legendären Hauptrolle als meuternder Konquistador.

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In Oberhausen laufen kurze Filme Herzogs aus den 1960er und 70ern in zwei Programmen über die Leinwand – beide unter dem Titel „Paradoxe Wahrheiten“. Pro Programm sind jeweils drei Filme vorgesehen. Am Donnerstag, 30. April, startet das erste Programm zu späterer Stunde um 22 Uhr in der Lichtburg an der Elsässer Straße. Die Filme in der Übersicht:
In „Letzte Worte“ von 1968 geht es um eine Leprakolonie auf Spinalonga. Der letzte Bewohner wird umgesiedelt. Angekommen in neuer Umgebung schwört der Alte, nie wieder zu sprechen. So steht es im aktuellen Katalog der diesjährigen Kurzfilmtage. „Herzog inszeniert nächtliche Tavernenmusik und Figuren, die Gerüchte wiederholen, bis sie ihre fiktive Bedeutung verlieren – und sich der Spielfilm im Dokument auflöst.“
Herzog hinterfragt Autorität in absurdem Kurzfilm
„Maßnahmen gegen Fanatiker“ hat Herzog 1969 gedreht. Im Katalog heißt es dazu: Auf einer Münchner Trabrennbahn warnen Beobachter vor ominösen „Fanatikern“, die angeblich Pferde bedrohen. Zwischen die Experten-Interviews stolpert ein alter, fluchender Bayer. Herzog spinnt einen absurden Plot, in dem Autorität, Kontrolle und Fiktion selbst ins Stolpern geraten. Es spielt niemand Geringeres als der kürzlich verstorbene Schauspieler Mario Adorf mit.

Das Porträt des Skispringers und Holzbildhauers Walter Steiner wird in „Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner“ zum Dokument einer Grenzerfahrung. In Zeitlupenflügen offenbaren sich Steiners Angst vor dem tödlichen Sturz und die Zwänge eines Sportbetriebs, der nur das nächste Spektakel will. Als unbeholfener Sportkommentator tritt Herzog in seinem Film auch selbst vor die Kamera.
Herzog-Filme: Sprachakrobatik trifft auf drohende Naturkatastrophe
Das zweite Herzog-Programm läuft am Samstag, 2. Mai, um 15 Uhr, ebenfalls im Großen Saal der Lichtburg. Der erste Film mit dem Zungenbrecher-Titel „How much Wood would an Woodchuck chuck...“ handelt von einem Wettbewerb amerikanischer Viehauktionatoren. Herzog untersucht darin den Zusammenbruch von Sprache. „Peitschende Zungenbrecher der Auktionatoren treffen auf einheimische Dialekte – eine Konfrontation, hinter der die Umwälzung des Spätkapitalismus hervortritt“, heißt es erklärend im Kufita-Katalog.
„La Soufrière – Warten auf eine unausweichliche Katastrophe“: Auf Guadeloupe erwartet man den Ausbruch des Vulkans La Soufrière. Die Insel ist geräumt, nur wenige bleiben zurück. Herzog begegnet ihnen in einer gespenstischen, im Kino selten gesehenen Landschaft. Die angekündigte Katastrophe bleibt aus – Schicksal oder surrealer Witz?
Werner Herzog isst seinen Schuh vor Publikum
Im dritten Film ist Werner nicht als Regisseur, sondern als Schauspieler im Einsatz. In „Werner Herzog eats his Shoe“ passiert genau das: Werner Herzog isst seinen Schuh. So geschehen im Jahr 1980. Werner hatte angekündigt, seinen Schuh zu essen, falls Regisseurkollege Errol Morris es schaffen würde, seinen Film „Gates of Heaven“ zu vollenden. Morris hat’s geschafft, Werner verspeiste einen seiner Lederschuhe – nachdem er diesen über Stunden mit Zwiebeln, Knoblauch, Gewürzen und Fett gekocht hatte.
Weitere Infos zum Programm der Kurzfilmtage und Tickets: www.kurzfilmtage.de





