Wenn Bernhard Paul erzählt, holt er gerne weit aus. Der Zirkus-Direktor der weltberühmten Roncalli-Manege erzählt am Freitag im Konferenzraum des Metronom-Theaters von seiner Kindheit in einem niederösterreichischen Örtchen mit wenigen Tausend Einwohnern. Und er landet, viele Etappen später, bei einer Zirkusshow in New York, bei der vor wenigen Jahren sogar Schauspiellegende Robert De Niro den Roncalli-Artisten zuschaute.
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Wenn der 79 Jahre alte Weltenbummler so erzählt, mag man kaum glauben, dass er die Pointe dieser Lebensgeschichte bei deutscher Schlagermusik setzt. Doch zum 50. Jubiläum der berühmten Zirkusdynastie werden die Roncalli-Kunststücke tatsächlich mit handfesten Schlagerhits verheiratet. Der Ort dafür ist Oberhausen.

„Circus-Theater Roncalli – Circus meets Schlager“ heißt die mehrstündige Zirkusshow, die am Dienstag, 1. September 2026, im Musicaltheater neben dem Centro Oberhausen startet und mindestens drei Wochen und für 24 Vorstellungen bleibt. Selbst für die experimentierfreudige Zirkusmannschaft ist dies eine Weltpremiere.
Rockender Roncalli-Direktor möchte Schlagermusik ernst nehmen
Von Bekannten sei er schon angesprochen worden. „Jetzt macht ihr auch noch Schlager“, hätten viele ungläubig gefragt. Und mit bestimmter Stimme habe er geantwortet: „Ja, wir machen Schlager!“ Das sagt der Mann, der ein T-Shirt aus einem „Hard Rock Café“ trägt, ohnehin als Rock’n’Roller gilt und auf dem Höhepunkt der Beatmusik sogar höchstpersönlich mit der Berliner und Düsseldorfer Rockband „The Lords“ musizierte.
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„Es gibt so viele Menschen, die sich für Schlagermusik interessieren“, sagt der Zirkus-Direktor. „Sie haben es verdient, dass man Schlager nicht als Musik zweiter Klasse behandelt.“ Überhaupt sieht Bernhard Paul das zünftige Genre breit gefächert. Viele anspruchsvolle Songs würden eher Chansons ähneln. Das passe zur Show. „Wir feiern ja nicht wie am Ballermann.“
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Berührungspunkte gibt es ohnehin schon. Der verstorbene Schlagersänger Udo Jürgens habe mit „Hallo, ich bin’s“ in den 1980er-Jahren ein Lied über den Besuch im Roncalli-Zirkus geschrieben. Schlagersängerin Caterina Valente, bekannt für den „Itsy Bitsy Teeny Weenie Honolulu Strandbikini“, sei sogar Taufpatin von Bernhard Pauls Sohn. Schnell versinkt Bernhard Paul wieder in Anekdoten aus seinem langen Zirkusleben, mit denen er wahrscheinlich Wochen füllen könnte.
Songs reichen von Helene Fischer und Pur bis Peter Maffay
Dass Roncalli-Artistik mit bekannter Musik begleitet wird, ist nicht komplett neu gedacht. Mit „Circus meets Classic“ oder einer Koproduktion mit den Kölschrockern „Die Höhner“ gab es bereits reichlich Crossover in der Manege.
Nirgendwo wird so viel gelogen wie im Zirkus.
Bernhard Paul, Roncalli-Direktor (79)
Nun erklingen Schlager-Rhythmen. Eine von Wolfgang Petrys Gassenhauer „Wahnsinn“ begleitete Jonglage gibt es bei der Pressekonferenz als Kostprobe. Ansonsten hält sich der Zirkus-Direktor noch bedeckt. Dem Vernehmen nach sollen aber Medleys von Peter Maffay und Pur sowie mindestens ein Song von Helene Fischer in der Show verbaut worden sein.

Auch wenn diese Schlagerpromis nicht persönlich anwesend sind, hilft eine bekannte Künstlerin als Stargast aus: Sängerin Ella Endlich ist für den Song „Küss mich, halt mich, lieb mich“ bekannt. Die Frau aus Weimar saß zudem vor acht Jahren in der Jury der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). In Oberhausen wird sie einige Songs singen und auch in die Akrobatik eingebunden.
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Mit dabei ist eine Weltauswahl erfahrener Akrobaten, von Strapaten-Profis über Humoristen bis zum Todesrad der kolumbianischen Artistengruppe „The Gerlings“. Der Innenraum des Metronom-Theaters ist nach dem eine Million Euro teuren Umbau im Sommer zur Manege umrüstbar. Die Bühne wird zum Eingangsportal für die Künstler. 1500 Besucher passen pro Zirkusvorstellung in den Saal. Ticketpreise reichen von 33 bis 102 Euro.

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„Nirgendwo wird so viel gelogen wie im Zirkus“, meint Zirkus-Direktor Bernhard Paul zum Abschluss und sorgt damit für Schmunzler. Oft gelte: höher, schneller, weiter. „Jeder meint, er sei der Größte.“ Daher habe Paul versucht, den Sensationsversprechen anderer mit Roncalli bewusst ein poetisches Programm fürs Herz entgegenzusetzen. Auch bei der neuen Show vertraue er auf die Zirkusseele.







