Am Tag nach dem schweren Unfall liegen direkt am Andreaskreuz zwei Sträuße Tulpen, daneben stehen drei Kerzen. Auf einem Feld neben den Bahngleisen liegen allerlei Dinge, die mutmaßlich aus dem Wagen stammen, der am frühen Donnerstagabend (12. Februar) an dem Bahnübergang im Alpener Stadtteil Menzelen mit einer Regionalbahn zusammengestoßen war. „Es ist einfach schlimm, der war doch noch so jung“, sagt ein Mann, der mit seinem Fahrrad an der Unfallstelle angehalten hat und sich umsieht.
Der Bahnübergang ist unbeschrankt und bei Helligkeit weithin sichtbar. „Die Bahn ist doch auch beleuchtet und hupt, bevor sie den Übergang passiert. Auch, wenn es dunkel war – wie konnte das nur passieren?“, fragt ein anderer Passant, der mit seinem Auto vorbeikommt. Fest steht: Der 18-jährige Fahranfänger war gegen 18.15 mit seinem Kleintransporter direkt am Bahnübergang von der heranrasenden RB 31 gerammt und auf ein Feld geschleudert worden. Dabei überschlug sich der Wagen, der junge Mann starb wenig später im Krankenhaus.
Eine Zugbegleiterin wurde bei dem Zusammenstoß leicht verletzt. Die insgesamt 19 Fahrgäste in der Bahn und der Zugführer blieben unverletzt. Feuerwehrleute holten die Passagiere aus dem Zug, auch ein Notfallseelsorger war zur Betreuung vor Ort.

Unfall an unbeschranktem Bahnübergang: Suche nach der Ursache
Wie es zu dem verhängnisvollen Unfall kommen konnte, ermittelt aktuell das zuständige Verkehrskommissariat der Polizei Moers. Ein Ermittlungsergebnis liege noch nicht vor, heißt es. Man rechne in der kommenden Woche damit. Die Polizei hält sich mit Vermutungen zurück. „Wahrscheinlich wollte er noch schnell vor der Bahn rüber, hat es aber nicht geschafft“, mutmaßt ein weiterer Autofahrer an der Unfallstelle. Am Freitagnachmittag kommen viele Menschen her, der Unfallort liegt inmitten von Feldern und Wiesen. „Hier ist seit 1992 kein Unfall passiert“, berichtet eine Hundebesitzerin, die in der Nähe wohnt.
Am Niederrhein gab es in den letzten Jahren immer wieder Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen. Die Diskussion um die Sicherheit hält an. So berichtete die NRZ bereits im August 2022 von landesweit 1998 Bahnübergängen, von denen 419 nicht mit sichernden Schranken oder Lichtanlagen ausgestattet seien. Im ländlichen Alpen gebe es allein fünf unbeschrankte Bahnübergänge. Eine Anfrage, ob und welche Bahnübergänge aktuell umgebaut und mit neuer Sicherheitstechnik ausgestattet werden sollen, ließ die Bahn zunächst unbeantwortet.
Strecke wird bald ausgebaut – mit neuer Sicherheitstrechnik?
Was die Strecke der RB 31 zwischen Duisburg und Xanten angeht, so hat die Redaktion erfahren, dass sich beim Ausbau im laufenden Jahr an der Sicherheitstechnik am Übergang an der Straße Jägerruh nichts ändern wird. Ab 2030 soll die Strecke für Tempo 100 ausgebaut werden, in diesem Zusammenhang wird vermutlich auch der Bahnübergang anders gesichert, heißt es.


