Gut gelaunt und motiviert erreicht Joseph Heß am Freitagmittag den Weseler Yachthafen. Dass er gerade rund 23 Kilometer durch den Rhein geschwommen ist, mag man kaum glauben, wäre sein Abenteuer nicht so gut dokumentiert. Am Morgen war er um 9.35 Uhr in Duisburg ins Wasser gestiegen, Wesel erreicht er um 12.45 Uhr.

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„Entspannt, ein bisschen salzig auf der Strecke“ – so beschreibt er die Etappe, die eine der letzten auf seiner Tour ist. In gut 25 Tagen will der 35-jährige Extremschwimmer den ganzen Rhein durchschwimmen, von der Quelle bis zur Mündung. Es ist deshalb nur ein kurzer Aufenthalt, den er in Wesel machen kann. Nach weniger als einer Stunde Pause ist er schon wieder im Fluss und krault in Richtung Emmerich weiter – das ist das heutige Tagesziel, insgesamt rund 60 Kilometer.
Extremschwimmer im Rhein: Über 1200 Kilometer
Die Reise des Chemnitzers begann am 11. Juni auf über 2300 Metern am Tomasee in der Schweiz, das letzte Ziel ist die Nordsee bei Rotterdam, hier will Heß am 4. Juli ankommen. Sollte er das schaffen - und so sieht es bisher aus - hat der promovierte Wirtschaftsingenieur dann 1235 geschwommene Kilometer hinter sich.
Bislang konnte er alle Widrigkeiten auf seiner Tour überwinden und ist trotzdem noch gut in der Zeit. Weder eine Magen-Darm-Erkrankung noch der spontane Ausfall des Beibootes konnten ihn aufhalten – die Krankheit war schnell überwunden, das Boot konnte spontan ersetzt werden. „Was wir in zwei Tagen verpasst haben, haben wir jetzt wieder reingeholt“, freut sich Heß bei seiner Pause im Weseler Yachthafen.

Auch die Strömung habe ihn auf einem längeren Abschnitt des Flusses im Stich gelassen, hatte der Extremsportler schon zuvor zu Protokoll gegeben. „Dann muss man sich jeden Kilometer zu 100 Prozent selbst aus der Schulter erarbeiten.“ Dabei habe er nicht nur acht bis zehn Stunden am Tag, sondern bis zu zwölf Stunden schwimmen müssen, um sein Soll zu schaffen.
Ein Kanu und ein Motorboot sind immer mit dabei
Doch auch ohne Zeitdruck ist das, was Joseph Heß sich vorgenommen hat, ein extremes Ziel. „Die Strömung ist eine große Gefahr“, hatte der 35-Jährige schon vor dem Start gesagt. Hinzu kommen der starke Schiffsverkehr auf dem Fluss und Verunreinigungen des Wassers. Dass die Tour nicht ungefährlich ist, habe er immer wieder erfahren, berichtete Heß während der Reise der Deutschen Presse-Agentur. Gerade der Sog der Schiffe dürfe nicht unterschätzt werden. „Da wird einem ganz anders.“ Wenn es brenzlig zu werden drohe, dann lege er einen Stopp am Ufer ein oder gehe an Bord seines Bootes – auch bei besonders gefährlichen Flussabschnitten. Auch die vergleichsweise hohe Fließgeschwindigkeit des Rheins von bis zu 11 Kilometern pro Stunde ist eine Herausforderung.

Schwimmen im Rhein: Experten warnen vor Nachahmern
Heß ist nicht der Erste, der den Rhein der Länge nach bezwingen will, zwei Vorgänger gab es bereits - mit nur 25 Tagen will er dies aber in so kurzer Zeit schaffen wie noch keiner vor ihm. Der promovierte Wirtschaftsingenieur hat einige Erfahrung. So ist er schon den deutschen Teil der Elbe geschwommen, das waren rund 620 Kilometer in zwölf Tagen.
Seine Aktion stellt er den Dienst der Forschung und arbeitet dazu mit Wissenschaftlern der sächsischen Hochschulen in Leipzig, Chemnitz und Mittweida sowie der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg zusammen. So sammelt er Wasserproben, die Erkenntnisse über den Zustand des Rheins liefern sollen. Auch wird ein Dokumentarfilm über den Schwimm-Marathon gedreht.
Experten warnen allerdings vor Nachahmern. So warnt zum Beispiel die DLRG im Kreis Wesel regelmäßig eindringlich davor, in dem Fluss schwimmen zu gehen, immer wieder passieren schlimme Unfälle. Es kürzlich war ein Mann im Bereich zwischen Kalkar und Rees im Rhein ertrunken. Heß hat den Angaben zufolge für seine Tour eine Genehmigung unter strikten Auflagen erhalten.




