Unter dem Motto „Suchtberatung stärken, Gesundheit schützen“ rückt der bundesweite Aktionstag Suchtberatung am Donnerstag, 14. November, das Thema Abhängigkeit und ihre Folgen in den Fokus. Für das Familienorientierte Suchthilfe-Zentrum (vormals Drogenberatungsstelle) an der Fluthgrafstraße ist das ein wichtiger Tag. Mit ihrem Projekt Fitkids unterstützt die Einrichtung Kinder, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen. Sozialpädagogin Sandra Kohlhase leitet das Projekt und berichtet von traumatischen Erfahrungen der Kinder, aber auch davon, welche Chancen sich mit dem Projekt ergeben.

Kinder suchtkranker Eltern: therapeutische Versorgung schwierig 

Viele Kinder von Eltern mit Suchterkrankung machen bereits in jungem Alter belastende Erfahrungen, erläutert die Sozialpädagogin. Zudem gibt es Fälle, in denen therapeutische Unterstützung nicht nur deswegen, sondern aus gleich mehreren Gründen notwendig wird. So betreut Sandra Kohlhase beispielsweise ein achtjähriges Mädchen, das mit ihrer Familie aus dem Krieg in der Ukraine fliehen musste.

Neben den Herausforderungen in ihrer suchtbelasteten Familie, muss das Kind also auch mit den Erlebnissen des Krieges fertig werden, doch das ist gar nicht so einfach: Zum einen haben die Kinder oftmals große Probleme sich zu verständigen: „Häufig hindert die sprachliche Barriere die Kinder daran, ihre Gefühle auszudrücken“, schildert Sandra Kohlhase. Erst mit der Zeit, wenn sie die Sprache erlernen, können sie sich auch den Betreuerinnen und Betreuern öffnen und die Probleme der Kinder stoßen bei helfenden Personen auf Gehör. Zum anderen fehlt es oftmals an der medizinischen Versorgung: „Eine zeitnahe therapeutische Betreuung gestaltet sich schwierig“, erklärt Kohlhase. Denn trotz der Doppelbelastung lässt ein Therapieangebot lange auf sich warten.

Projekt Fitkids Wesel: Chance auf Alltag

Doch je früher die Kinder Hilfe erhalten, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen geholfen werden kann. Denn neben den Schwierigkeiten im Zusammenleben mit suchtkranken Eltern, ist das Risiko für Kinder aus Suchtfamilien sechs Mal höher, selbst süchtig zu werden oder psychisch zu erkranken. Betreuung durch Fachkräfte ist in solchen Fällen unverzichtbar – schon deshalb ist die Arbeit der Fitkids in der Drogenberatungsstelle so wichtig.

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Sie bietet den Kindern einen kleinen Moment Alltag. Alltag, der für andere Kinder normal ist. So zum Beispiel werden regelmäßig Ausflüge organisiert. Das Seebad Scheveningen war dabei zuletzt ein beliebtes Ziel: „Die Kinder sahen dort teilweise zum ersten Mal das Meer“, berichtet Kohlhase. Manche Kinder fahren bei solchen Touren zum ersten Mal im Bus auf der Autobahn. Neben Ausflügen und Ferienfreizeiten organisiert das Projekt allerdings auch Einzelbedarfe, wie den Kauf eines Schultornisters.