Die Türen sind verschlossen, die Räume leer. Hier und da schauen Kabel aus dem Boden oder der Decke. Seit gut fünf Monaten ist das LVR-Niederrheinmuseum wegen Umbaus geschlossen, und es wird auch noch eine Weile so bleiben. Denn die Veränderungen, die im Inneren von statten gehen sind gewaltig: Hier geht es nicht einfach nur darum, eine neue Dauerausstellung aufzubauen. Vielmehr ändert das Haus seine komplette Ausrichtung, befindet sich mitten im Transformationsprozess hin zu einem modernen Erlebnisort. „Ich bin hier nicht angetreten, um klassisch Museum zu machen“, sagt Museumsleiterin Corinna Endlich ganz deutlich, vielmehr räumt sie der Interaktion zwischen Museum und Besuchern, insbesondere partizipativen Projekte, einen hohen Stellenwert ein.
11.000 Besucher in 2024 – trotz vier geschlossener Monate
Insbesondere für Familien mit Kindern will das LVR-Niederrheinmuseum künftig Anlaufstelle sein und ist in dieser Zielgruppe schon auf einem guten Weg. Rund 600 Besucherinnen und Besucher hat es in den Jahren 2023 und 2024 zum neu eingeführten Familientag ins Museum gezogen. Und auch die Lego-Ausstellung „Hanse steinreich“ wurde zum Publikumserfolg bei den Familien in der Region: 6700 Besucherinnen und Besucher haben die Legosteine ins Museum gelockt, für das gesamte Jahr wurde 11.000 Besuchende verzeichnet. Das sind rund 2000 mehr als im Vorjahr – und das, obwohl das Museum seit Ende August geschlossen war. „Das zeigt mir: Der Bedarf ist da“, freut sich Corinna Endlich.

Aber zurück zum aktuellen Umbau. Zu sehen ist in den Räumen des Museums noch nicht viel, denn zunächst stand hier die technische Aufrüstung an: Netzwerkkabel und zusätzliche Stromversorgung musste gelegt werden, denn die neue Dauerausstellung wird 42 Medienstationen umfassen. Im Obergeschoss hat der Ausstellungsraum bereits seine Farbe gewechselt, ist nun komplett dunkel gehalten, um hinter der Ausstellung zurückzutreten: „Es soll alles aufwendiger werden, wir wollen lange attraktive Themen vermitteln – und die brauchen eine schöne Kulisse, um wirken zu können“, so Corinna Endlich.
Kulturgeschichte, Naturkunde und neuzeitliche Phänomene
Im Obergeschoss wird unter anderem der Platz für bekannte Persönlichkeiten vom Niederrhein sein. Zwölf bereits verstorbene Persönlichkeiten werden größer vorgestellt, darunter etwa Gustav Hoffmann aus Kleve, der Erfinder der Elefantenschuhe, oder der Zirkusdirektor Adolf Althoff aus Sonsbeck, der während des zweiten Weltkriegs eine jüdische Familie versteckt hielt. Dazu gibt es ein Medienspiel mit 53 noch lebenden Prominenten aus der Region, darunter Claudia Schiffer, Christian Ehring, Andrea Berg oder Dieter Nuhr.

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Auch der Niederrhein als Mittelpunkt Europas wird Thema im Obergeschoss sein, während im Erdgeschoss der Rhein, das Leben am und mit dem Wasser als Storyboard für 800 Jahre Kulturgeschichte fungiert. Da geht es mal um die Zeit Napoleons, um den Humanismus oder die Zerstörung Wesels im zweiten Weltkrieg, aber auch um den Binnenhafen Duisburg als wichtigen Punkt der Wirtschaftsgeschichte des Niederrheins.

Ins Foyer und bis herunter auf die Zwischenebene und vor den Vortragsraum soll der Geopark ziehen, der sich thematisch mit der Eiszeit am Niederrhein befasst. Er ist zwar ein Teil der Dauerausstellung, wird allerdings komplett kostenfrei besuchbar sein. Teile davon könnten naturkundlich Interessierte übrigens schon aus dem Eiskeller in Diersfordt kennen, die Ausstellung im LVR-Museum soll allerdings noch umfangreicher werden. Besonderes Highlight dabei: Ein Bohrspiel vor der Brisürenkasematte, bei dem sich die Museumsgäste durch die verschiedenen Erdschichten bohren können.
Interaktive Elemente bereichern die Ausstellung
Interaktive Elemente wie dieses Bohrspiel sind ein wichtiger Teil der neu konzeptionierten Dauerausstellung. So soll es im Obergeschoss, wo es später unter anderem auch um Sprache, Kultur und Bräuche am Niederrhein gehen soll, beispielsweise eine Hörwand geben, an der verschiedene Platt-Dialekte angehört werden können oder eine begehbare Martinslaterne, die die Besucher in verschiedenen Farben aufleuchten lassen können. „Wenn die Sinne mitspielen, ist das Lernen nebenbei“, erklärt Corinna Endlich den Sinn dieser Aktionselemente. „Und ich finde, das darf auch einfach nur Spaß machen.“
Denn letztlich steht das LVR-Niederrheinmuseum auch vor der Herausforderung, in einer schnelllebigen, digitalen Gesellschaft voller Unterhaltungsangebot ein attraktiver Ort für die Freizeitgestaltung zu sein. Kurzum: Ein Museumsbesuch muss heutzutage mehr bieten als Dinge zum angucken. Rechnung getragen wird dem einerseits durch die besagten interaktiven Elemente in der Dauerausstellung. Zu ihr gehört darüber hinaus ein Media-Guide, der Besucherinnen und Besucher mit ihren Endgeräten (Smartphone oder Tablet) durch die Ausstellung führt. Darin gibt es tiefergehende Hintergrundinformationen, kleine Filme oder auch Audio-Content, der übrigens von keinem geringeren als Oliver Rohrbeck eingesprochen wurde, einer der bekanntesten Synchron- und Hörspielstimmen Deutschlands.
LVR-Niederrheinmuseum: Große Umbauten für neue Erlebnisse
Am 20. Juli, hoffentlich, wird das LVR-Niederrheinmuseum wieder seine Türen öffnen. Dann ist die neue Dauerausstellung fertig, für deren Konzeption und Umsetzung insgesamt fünf Millionen Euro investiert wurden.
Im Zuge seiner Ausrichtung zum Familienmuseum hat das Haus sein pädagogisches Programm komplett neu aufgelegt. Es gibt bereits Kooperationen mit der Ida-Noddack-Gesamtschule und der Schule am Ring. Auch Kindergeburtstage sollen hier wieder gefeiert werden können.
Auch die Preise des Museums sind familienfreundlich: Eine Tageskarte kostet sechs Euro (ermäßigt: vier Euro), Kinder bis zum 18. Geburtstag kommen kostenlos herein. Eine Familienkarte (zwei Erwachsene) ist für gerade einmal acht Euro zu haben.
Das Museum will mehr als nur Ausstellungsort sein. Hier ist auch Platz für andere Freizeitveranstaltungen, etwa Wein- oder Bier-Tastings oder einen Mittelalter-Kochkurs (in Kooperation mit der VHS). Außerdem wird der Café-Bereich im Obergeschoss künftig als richtiges Café von einem Caterer betrieben.




