Um bei Tierrettungseinsätzen optimal reagieren zu können, haben Feuerwehrleute in Hamminkeln kürzlich ein spezielles Training absolviert. Rund 20 Mitglieder aus verschiedenen Löschzügen in Hamminkeln und Schermbeck nahmen an einer Schulung zur technischen Großtierrettung teil. Konrad Deckers, der stellvertretende Leiter der Hamminkelner Feuerwehr, erklärte, dass Tierrettungen im Feuerwehralltag selten vorkommen. „Der letzte Einsatz bei uns liegt etwa zwei Jahre zurück, als ein Rind aus einem Güllekeller gerettet werden musste“, erinnerte sich Deckers. Andere Einsätze betrafen zum Beispiel ein Pferd, das auf einer Brücke eingebrochen war und eine umgestürzte Kutsche.
Eine Großtierrettung pro Tag in Detuschland
Laut Statistik ist in Deutschland täglich eine Großtierrettung nötig. Dennoch gehört diese Art der Rettung nicht zur Grundausbildung von Feuerwehrleuten. „Früher wurde häufig improvisiert“, bemerkte Lutz Hauch, der das Seminar leitete. „Dabei wurde oft die Sicherheit der Einsatzkräfte gefährdet und das Wohlergehen der Tiere vernachlässigt.“

Das Training erfolgte mit einem Pferdedummy namens „Sam“: Er ist mit beweglichen Gelenken ausgestattet, wiegt rund 200 Kilogramm und kostet über 10.000 Euro. Dieser Dummy ermöglicht es, Rettungstechniken realitätsnah zu üben, auch wenn ein echtes Pferd bis zu 600 Kilogramm, eine Kuh 800 Kilogramm und ein Bulle 1200 Kilogramm wiegen kann.

Während der Übungen wurden diverse Rettungsmethoden ausprobiert, beispielsweise das Hinauf- und Herunterziehen des Dummys an einem Hang mithilfe von Bändern und Tragetüchern sowie speziellen Werkzeugen. Den Dummy unter einem Treckeranhänger mit purer Muskelkraft zu bergen, war schon eine Herausforderung. Etwas einfacher war die Hebung mit der Drehleiter eines Feuerwehrwagens, wobei ein spezielles Hebegeschirr verwendet wurde.

Tierarzt Thorsten Woijtas, der auch als Löschzugführer in Rees-Millingen tätig ist, nahm ebenfalls an der Übung teil. Er brachte das notwendige tiermedizinische Wissen ein. Bei Tierrettungen ist die Anwesenheit eines Veterinärs ideal, da er durch die Sedierung des Tieres sowohl für die Sicherheit der Einsatzkräfte als auch für das Tierwohl sorgen kann.
Kostenlose Unterstützung bei echten Rettungseinsätzen
Bevor es ins praktische Gelände am Kahlenberg ging, wurde umfassend theoretisches Wissen vermittelt. Die Teilnehmer lernten unter anderem über Organisation, Techniken und Spezialwerkzeuge sowie den Umgang mit Emotionen und kritischen Situationen. „Innerhalb von zweieinhalb Stunden bekommen die Teilnehmer ein Gefühl dafür, wie ein Tier reagiert und funktioniert“, erklärt Lutz Hauch. „Verschiedene Fädel- und Zugtechniken wurden durchgesprochen, um die Tiere in verschiedene Richtungen bewegen zu können.“ Lutz Hauch bietet mit seinem Unternehmen „com cavalo“ auf Großtierrettung spezialisierte Trainings an. Er und drei weitere Trainer sind deutschlandweit unterwegs, um Feuerwehrleute auf den neuesten Stand zu bringen. Bereits 4000 Feuerwehrleute wurden so geschult. Hauch und sein Team bieten zudem in ihren Heimatregionen kostenlose Material- und Expertise-Unterstützung bei echten Rettungseinsätzen an.


