Vom 3. bis zum 5. Oktober wird Literatur- und Musikfans in Hamminkeln, Hünxe und Emmerich etwas Neues geboten. Das interdisziplinäre Festival „Freifahrtschein“ ist der Versuch, ein „etwas anderes Festival“ am Niederrhein zu starten. Denn bisher mangelt es am Niederrhein zwar nicht an derartigen Veranstaltungen rund um Musik, die Literatur jedoch kommt bisher zu kurz. Der Meinung sind zumindest die fünf Frauen, die die dreitägige Veranstaltung auf die Beine gestellt haben.

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Die fünf – das sind Claudia Bongers (Geschäftsführerin vom Schloss Ringenberg und des Freundeskreises des „Kunst- und Kulturort Schloss Ringenberg“), Dagmar Schmengler (Leiterin des Pankok Museums), Rita Nehling (erste Vorsitzende des Freundeskreises und Fachdienstleitung für Schule, Sport und Kultur bei der Stadt Hamminkeln), Judith Hoymann und Sandra Heinzel (Beitreiberinnen des Ensembles Schlösschen Borghees in Emmerich) – haben sich als künstlerischen Leiter den Kölner Autor und Literaturvermittler Tilman Strasser an Bord geholt.
Poetry-Slam als Magnet für junge Besucher
Vor mehr als einem Jahr fand das erste Treffen statt – begann die Planung für ein Wochenende voller Poesie, Musik und Literatur. Das Thema der Veranstaltung ist Freiheit – das Motto, unter dem auch das Kulturjahr mit Blick auf 80 Jahre seit der Befreiung vom Nationalsozialismus steht. Das Maskottchen der Veranstaltung ist ein Heißluftballon, den Judith Hoymann und Sandra Heinzel erstellt haben. „Weil Ballonfahren ja auch ein Gefühl von Freiheit gibt“, sagt Rita Nehling. „Wir wollen hier ganz unterschiedliche Kunst darstellen, darlegen und in den Austausch gehen.“ Genreübergreifend, innovativ und weltoffen soll Freifahrtschein die drei besonderen Orte am Niederrhein – das Schloss Ringenberg, Ensembles Schlösschen Borghees und das Pankok-Museum – sichtbar machen und verbinden.
Konzipiert wurde das Festival so, dass es Jung und Alt ansprechen und vor allem begeistern soll. Um auch die jüngeren Generationen an die drei Veranstaltungsorte zu ziehen, setzt das Orga-Team auf Poetry-Slam. Denn spätestens, seitdem Videos wie das von Julia Engelmann 2013, in dem sie ihren Text mit dem Titel „One Day/Reckoning Text“ vorträgt, online viral gegangen sind, erfreut sich die Kunstform Poetry-Slam einer stetig wachsenden Beliebtheit.

Freifahrtschein Festival: Literatur und Musik am Niederrhein
Die Reise führt am Freitag, 3. Oktober, dem ersten Veranstaltungstag zum Schloss Ringenberg (Schloßstraße 8, 46499 Hamminkeln), am 4. Oktober zum Ensemble Schlösschen Borghees (Hüthumer Straße 180, 46446 Emmerich am Rhein) und am 5. Oktober zum Pankok Museum (Otto-Pankok-Weg 4, 46569 Hünxe-Drevenack).
Tagestickets kosten im Vorverkauf 30 Euro – für Schüler, Studenten oder Menschen mit Schwerbehinderung gibt es ermäßigte Tickets für 25 Euro. Wer alle drei Orte und Tage besuchen möchte, kann mit dem 50 Euro-Kombiticket sparen, allerdings nur um Vorverkauf. An der Tageskasse sind beide anderen Tagesticketarten jeweils fünf Euro teurer. Für die drei Veranstaltungstage sind jeweils zwischen 70 und 80 Tickets verfügbar. Weitere Informationen finden sich unter www.meinschlossringenberg.de
Festival-Tage unter dem Thema Freiheit
„Wir haben im Rahmen des dritten Ortes auch einen Poetry-Slam ins Leben gerufen“, ruft Claudia Bongers in Erinnerung. Die Rede ist vom Heinrich-Kemmer-Preis, der in diesem Jahr bereits zum vierten Mal ausgelobt haben. „Dieses Format hat immer mehr Zuschauer und Liebhaber gefunden, sodass wir tatsächlich an unsere Grenzen stoßen, was die Kapazität im Rittersaal angeht.“ Plätze auf den Fensterbänken seien heißbegehrt gewesen.
Der Poetry-Slam zum Thema Freiheit leitet die Festival-Tage jeweils um 15 Uhr ein und wird von Meral Ziegler moderiert – mit einer wechselnden Konstellation von Künstlern. Dazu gehören Noah Klaus, Jana Goller, Tanasgol Sabbagh, Julian Heun, Lucas Swieter und Dalibor Marković. Mit dabei ist auch die zweifache Heinrich-Kemmer-Preisträgerin Theresa Sperling. Im Anschluss folgen an allen Tagen zwei exklusive Kooperationen zwischen Autoren und Musikern.
Literatur trifft Musik: Ein Festival der Vielfalt
„Wir haben uns die Freiheit genommen, Literatur und Musik auf ganz wilde Art miteinander zu verknüpfen“, erklärt Tilman Strasser. Am Freitag machen dabei um 16.30 Uhr Husch Josten mit ihrem philosophischen Roman „Die Gleichzeitigkeit der Dinge“ und Lydie Auvray – „die Grande Dame des Akkordeons“ – nach dem Poetry-Slam den Auftakt. Ein Auftritt, der Teil ihrer Abschiedstournee ist. Ab 18.30 Uhr liest deutsch-französische Schriftstellerin Sylvie Schenk aus ihrem Buch „In Erwartung eines Glücks“. Begleitet durch Stücke, die Jazz-Saxophonist Heribert Leuchter eigens hierfür komponiert hat.
Am Samstag folgen ab 16.30 Uhr literarische Beiträge von Kaleb Erdmann gemischt mit David Webers Liedern, die „großen Einfallsreichtum mit einem Hauch von Wahnsinn kombinieren“. Im Anschluss liest Simone Buchholz aus ihrem Roman „Nach uns der Himmel“, unterlegt klassischen Klängen aus Brasilien und einem Hauch von Motörhead durch den Gitarristen Nicolai von Schweder-Schreiner. Nach dem Poetry-Slam am letzten Tag des Festivals erzählt Tilman Strasser selbst vom Verhältnis der Ausnahmekomponisten Nadia und Lili Boulanger, begleitet von Anouchka Hack (Cello) und Katharina Hack (Piano). Der letzte Auftritt wird dann der von Dinçer Gücyeter und Gülru Ensari. Der Träger des deutschen Buchpreises liest aus „Unser Deutschlandmärchen“ und die Pianistin antwortet darauf.




