Nach 22 Uhr stand am Sonntagabend im Kreistag fest, was sich bereits gegen 19 Uhr abgezeichnet hatte: Im Kampf um das Landratsamt im Kreis Wesel gibt es eine Neuauflage des Duells von 2020. Schon damals gingen Landrat Ingo Brohl (gemeinsamer Kandidat von CDU und Grüne) und Dr. Peter Paic (SPD) in die Stichwahl, und auch dieses Mal wird es 14 Tage später, am 28. September, zwischen den beiden Kandidaten einen zweiten Wahldurchgang geben.
Landratswahl im Kreis Wesel: Ingo Brohl verfehlt absolute Mehrheit knapp
Am Ende blieb die absolute Mehrheit zur Direktwahl unerreicht. Wenn auch knapp. Brohl holte am Sonntag in insgesamt 468 Stimmbezirken 46,56 Prozent der Stimmen, Paic kam auf 32,21 Prozent. Die anderen Kandidaten konnten von Beginn an nicht ins Geschehen eingreifen. Klaus Winter (Linke) kam auf 7,53 Prozent, gefolgt von Dr. Renatus Rieger (BZD) mit 7,43 Prozent. Constantin Borges (FDP), sammelte als jüngster Kandidat rund 6,28 Prozent der Stimmen ein.
Der Landrat selbst zeigte sich zufrieden und zuversichtlich. „44 Prozent plus X“ sei sein Ziel gewesen, sagte Ingo Brohl. Das habe er erreicht. „Ich befinde mich im Plan.“ Vor dem zweiten Wahldurchgang zeigt sich der Landrat selbstbewusst. „Stichwahl kann ich.“

Auch SPD-Kandidat Peter Paic ist mit seinem Ergebnis zufrieden, „erstmal“, so Paic. Er nannte das Erreichen der Stichwahl nicht selbstverständlich, da Ingo Brohl als Kandidat von CDU und Grünen auf eine rechnerische Mehrheit von mehr als 50 Prozent hätte kommen können. „Die Stichwahl nehme ich als Geschenk“, sagte Paic und kündigte zwei intensive Wochen an, in denen er auch mit anderen Parteien sprechen möchte. Er habe bereits das ein oder andere gute Gespräch geführt, sagte der SPD-Kandidat am Wahlabend. Seine Ausgangsposition sei gut.
Bei der Wahl um die Sitze im Kreistag lieferten sich CDU und SPD lange ein Kopf-An-Kopf-Rennen, ehe die Christdemokraten den Abstand um einige Prozentpunkte vergrößern konnten und schließlich bei 33,16 Prozent landeten. Die SPD holte 29,04 Prozent und wurde zweitstärkste Kraft. Starke Einbußen mussten dagegen die Grünen einstecken, sie verloren 8,15 Prozent im Vergleich zu 2020 und kamen am Ende auf 10,83 Prozent der Stimmen. Sie liegen damit unter dem Landestrend und hinter der AfD, die auf 13,51 Prozent kam.

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Grünen-Fraktionschef Hubert Kück und Parteichef Dr. Hans-Peter Weiß zeigten sich ernüchtert, sprachen beide von einer „politischen Klatsche“. Dass sich die Nähe zur CDU als zu eng erwiesen hat, um ein eigenes, sichtbares Profil zu bilden, verneinten sie. Klar ist: Der große Stimmenverlust wirkt sich auch auf das schwarz-grüne Bündnis im Kreistag aus. Die absolute Mehrheit wird deutlich verfehlt.




