Es ist ein echter Hotspot – nicht nur an heißen Sommertagen. Das Kneipp-Becken steht direkt neben einer kleinen hauseigenen Saline, auf deren Bänken es sich gerade bei hohen Temperaturen gut aushalten lässt. Die große Metallwanne neben dem Haupteingang des Altenheims St.-Josef-Haus in Hamminkeln-Dingden soll aber mehr sein als nur ein Ort der Abkühlung. Sie soll ein Ort sein, der die Hausgemeinschaft zusammenführt. Und der die mehr als 80 Bewohnenden mit den Menschen aus dem Dorf verbindet.

Die emotionale Komponente kommt mit ins Spiel – hier ist ein Ort des Miteinanders, des Wohlfühlens und der Lebensfreude

Sarah Blomen-Krüger , Fachkraft des Sozialen Dienstes

Ein Ort der Begegnung

„Gestern waren die Kinder aus dem Kindergarten da“, sagt Janna Bösing in einer Pressemitteilung. „Sie haben gemeinsam mit den Bewohnenden im Kneipp-Becken Quietsche-Enten geangelt.“ Die Leiterin des Altenpflegeheims erlebt täglich Begegnungen rund um das kühle Nass, die so sonst nicht zustande kämen. „Auch die Kollegen des Hauses nutzen die Momente hier, um außerhalb des Arbeitsalltags ins Gespräch zu kommen.“

„Kneipp-Kurort Dingden“

Vom Frühjahr bis in den Herbst stehe das Becken zur Verfügung, seit 2019. Seitdem ist das Haus „Kneipp zertifiziert“, erläutert Bösing in der Mitteilung. „Weil wir nicht nur mit dem Tretbecken die Voraussetzungen dafür erfüllen.“ Die fünf Säulen der Kneippschen Idee finden sich überall in den Angeboten des Hauses wieder: Bewegung, Ernährung, Lebensordnung, Wasser und Heilpflanzen. „Wir haben einen Kräutergarten, es gibt Kneipp-Frühstücke mit Blütenbutter und Blaubeerquark oder Licht- und Luftbäder im Strandkorb …“

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Nicht ohne Stolz hat das Team neben dem Zugang zur Anlage ein Ortsschild aufgestellt: „Bad Dingden – Kneipp-Kurort“, steht darauf. Ganz so weit ist es zwar bisher nicht, aber im Kleinen gebe es hier genau ein solches Kur-Leben. „Gerade im Sommer ist hier immer etwas los“, teilt Sarah Blomen-Krüger mit. Die Bewohnenden kommen allein oder in kleinen, angeleiteten Gruppen. Die Fachkraft des Sozialen Dienstes im Haus sieht auch andere Dimensionen. „Die emotionale Komponente kommt mit ins Spiel – hier ist ein Ort des Miteinanders, des Wohlfühlens und der Lebensfreude.“ Die sich das ein oder andere Mal durchaus zur Wasserschlacht entwickeln könne.

Hose aufkrempeln und los

Bewohnerin Elisabeth Brinkmann kommt am liebsten am frühen Morgen. „An heißen Tagen ist das wichtig, damit die Sonne das Wasser nicht schon zu sehr erwärmt hat.“ Die 89-Jährige genießt dann zuerst das Arm-Bad, um danach die Hose hochzukrempeln. „Wichtig ist, dass man die Füße jedes Mal weit aus dem Wasser hebt“, sagt sie und steigt die Holztreppe hinauf. „Anstrengend, aber wohltuend“, sagt sie, während sie sich an den Holmen festhält und durch das Becken watet. Genauso wie es der Naturheilkundler Sebastian Kneipp schon vor 200 Jahren vorgeschrieben hat.