Die Niederlande sind Nordsee-Land: Knapp 2000 Kilometer Küste – ein Paradies insbesondere für Campingurlauber. Die Mülheimer Autorin und Holland-Liebhaberin Anna Kontny (39) hat Strände, Deiche und Dünen mit ihrem Campingvan bereist und kennt die schönsten Stellplätze.

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Holland sei für Draußenurlauber eines der schönsten Länder, sagt Kontny, die zehn Jahre lang in den Niederlanden gelebt und Reiseführer über Zeeland und Rotterdam veröffentlicht hat. Denn dort können Camper vielerorts direkt bis zum Meer fahren. Morgens vom Wellenrauschen aufwachen, abends den Sonnenuntergang beobachten – die freie Sicht auf die Nordsee mache eine Reise durch die Niederlande zu einem einmaligen Erlebnis. In der NRZ gibt Kontny sieben persönliche Tipps.
1. Tipp: Nordsee ist nicht gleich Nordsee
„Die Niederlande grenzen sowohl im Westen als auch im Norden an die Nordsee. Im Norden dominieren grüne Deiche, auf denen Schafe grasen, die Küstenlinie und die Windräder werfen lange Schatten auf die Felder. Das Meer sucht man manchmal vergeblich, denn das Wasser zieht sich hier am Wattenmeer mit dem Gang der Gezeiten kilometerweit zurück, um erst Stunden später wieder aufzutauchen. Obwohl die Landschaft des Wattenmeeres einiges zu bieten hat, zieht es mich eher an die Sandstrände im Westen.
Südlich von Den Helder beginnt ein ewiger Sandstrand, der bis nach Hoek van Holland reicht und die Küste zu einer beliebten Urlaubsregion macht. Orte wie Julianadorp, Callantsoog, Petten aan Zee, Schoorl, Egmond aan Zee, Bergen aan Zee, Zandvoort und Scheveningen haben sich auf Touristen eingestellt und locken mit unzähligen Campingplätzen, Eisdielen, Modeläden und Geschäften, in denen man neben Souvenirs alles für den perfekten Sommertag am Strand erstehen kann.“
2. Tipp: Mit dem Wohnmobil bis ans Meer
„Für Wohnmobilisten bietet die Provinz Zeeland ganz besondere Parkmöglichkeiten: Am Brouwersdam, am Grevelingenmeer und am Deich zwischen Westkapelle und Domburg gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Wohnmobil direkt am Meer zu parken und einen tollen Tag direkt am Wasser zu verbringen. Übernachten ist hier allerdings strengstens verboten und kann teuer werden.“

3. Tipp: Reservieren Sie rechtzeitig
„Ich habe es selbst schon erlebt, dass ich als Spontanreisende nicht mehr auf den Campingplatz gekommen bin, den ich mir eigentlich ausgesucht hatte. Wer sicher sein will, dass er einen Platz auf seinem Wunsch-Campingplatz bekommt, sollte vor allem für Ostern, die langen Wochenenden und die Hauptsaison frühzeitig buchen. Wohnmobilisten müssen damit rechnen, dass Stellplätze am Mittag voll sind. Wer es sich erlauben kann, sollte – nicht nur wegen der Touristenmassen – besser außerhalb der Saison reisen: Im Sommer kostet eine Übernachtung auf dem Campingplatz schon mal bis zu 60 Euro.“

4. Tipp: Nehmen Sie Ihr Fahrrad mit
„Die Niederlande sind das Fahrradland schlechthin und auch ich nehme mein ,fiets‘ immer mit. Die Radwege sind überall gut ausgebaut und mit Google Maps geht es vom Campingplatz meist ohne Probleme zum Strand, ins Stadtzentrum oder zum Supermarkt. Achten Sie darauf, dass Ihr Fahrrad eine Handyhalterung hat. Das in-der-Hand-halten eines Handys beim Radfahren kann eine Strafe von 170 Euro nach sich ziehen.
In größeren Städten, in denen die Parkmöglichkeiten begrenzt sind, parke ich den Campingbus einfach außerhalb und fahre dann mit dem Rad in die Stadt. Auf großen Campingplätzen lohnt sich das Rad schon alleine, um zum Schwimmbad, zur Rezeption oder Brötchenholen zu fahren. Ich habe auch schon Leute gesehen, die ihre Toilettenkassette auf dem Rad sitzend hinter sich hergezogen haben oder mit dem Rad zum Duschen gefahren sind.“
5. Tipp: Kennen Sie die kleinen Unterschiede
„Die Möglichkeiten, das Zelt aufzubauen oder Wohnwagen und Wohnmobil abzustellen, sind in den Niederlanden sehr vielfältig. Der klassische Campingplatz bietet Stellplätze für alle Camper, egal ob sie mit dem Zelt, dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil kommen. Je nach Größe und Ausstattung gibt es Schwimmbad, Restaurants oder einen – kleinen – Laden.
Bei einigen Campingplätzen sind auf dem Übersichtsplan ,kampeerplaatsen‘ und ,camperplaatsen‘ eingezeichnet. Einfach ausgedrückt wird damit unterschieden, ob auf einer Wiese oder einem Stellplatz mit verhärtetem Boden übernachtet wird. Wohnmobilisten entscheiden sich häufig für den harten Boden, Camper mit Wohnwagen und Zelt lassen sich auf der Wiese nieder. Zudem gibt es reine camperplaatsen. Diese sind im Prinzip für Wohnmobile gedacht, die selbst über Bad und Küche verfügen und bieten dementsprechend nicht immer oder nur in geringem Maße Toiletten und Dusche.“
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6.Tipp: Nutzen Sie digitale Angebote
„Dass die Niederlande in vielerlei Hinsicht digitaler sind als Deutschland und weniger mit Bargeld bezahlt wird, ist bekannt. Digitalisierung und bargeldloses Bezahlen haben auch beim Campen Einzug erhalten. Vor allem auf vielen privat betriebenen Stellplätzen wird ganz einfach an einem Automaten eingecheckt. Dieser kontaktlose Self-Check-In ermöglicht es, unabhängig von den Öffnungszeiten einer Rezeption anzukommen.
Hilfreich sind zudem die Webseiten und Apps von CamperContact und AanUit.net. Erstere gehört zu den größten Camping-Plattformen weltweit und hat ihren Sitz in der niederländischen Stadt Amersfoort. Camping- und Stellplätze können sowohl von den Betreibern selbst als auch von Nutzern eingestellt werden, die diese auch bewerten. Einige Camping- oder Stellplätze können über die App nicht nur gefunden, sondern auch direkt gebucht werden. Der Dienst von AanUit richtet sich an Wohnmobilisten und Bootsfahrer, die mit dieser App ihren Stell- oder Liegeplatz und Strom buchen und bezahlen können.“
7. Tipp: Achtung vor Fressfeinden
„Natürlich gibt es in den Küstenorten auch zahlreiche Pommesbuden, die mit niederländischen Spezialitäten wie Frikandel Speciaal oder Kibbeling locken. Aber aufgepasst vor tierischen Räubern: Wer seine Portion Kibbeling allzu offen präsentiert, muss sie schnell mit Möwen teilen, die sich im Sturzflug auf die frittierten Leckereien stürzen. Viele Imbissbetreiber öffnen ihre Markisen und Sonnenschirme nicht ohne Grund auch an weniger sonnigen Tagen.“




