Sie will Ministerpräsidentin werden, Amtsinhaber Dick Schoof beerben – und die Partei des Populisten Geert Wilders in die Schranken weisen: Dilan Yesilgöz-Zegerius ist Spitzenkandidatin ihrer rechtsliberalen Partei VVD bei der vorgezogenen niederländischen Parlamentswahl Ende Oktober. Im Wahlkampf setzt sie auf einen harten Migrationskurs. Wer ist die Frau, und wohin will sie ihr Land führen?

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Yesilgöz, 1977 im türkischen Ankara geboren, kam im Alter von sieben Jahren mit ihren Eltern, beide Menschenrechtsaktivisten, als Geflüchtete in die Niederlande. Aufgewachsen in Amersfoort, studierte sie Kultur, Organisation und Management an der Freien Universität Amsterdam. „Ihr Wunsch, Politikerin zu werden, hat sich früh gezeigt“, sagte der Politikjournalist Arjan Noorlander kürzlich in den NOS-Fernsehnachrichten. „Nur die Suche nach der passenden Partei hat etwas gedauert. Zuerst links, bei der sozialistischen Partei, Grünlinks und der Arbeitspartei, schließlich bei der VVD.“

Dilan Yesilgöz ist nach rechts gerückt

2014 zog sie in den Amsterdamer Stadtrat ein. Bei der VVD, der Partei des früheren Regierungschefs und heutigen Nato-Generalsekretärs Mark Rutte, „ist sie wie ein echter Parteitiger die Karriereleiter hinaufgeklettert“, so Noorlander. 2017 folgte der Schritt ins nationale Parlament, 2021 wurde sie schließlich Staatssekretärin für Wirtschaft und Klima und wenig später Ministerin für Justiz und Sicherheit. Seit 2023 steht sie an der VVD-Spitze und hofft, bald die erste Frau im Ministerpräsidentenamt zu werden. Doch je höher der Aufstieg, umso weiter entfernte sich Yesilgöz von den linken Werten ihres politischen Karrierestarts.

Einerseits steht sie für Freiheit, queere Rechte sowie Anti-Diskriminierung und kämpft gegen Gewalt an Frauen und für mehr Chancen für Frauen im öffentlichen Leben. So schnitt sie sich bei einer Livesendung aus Solidarität mit Frauen im Iran eine Haarsträhne ab.

Gleichzeitig fährt sie eine knallharte Linie im Bereich Recht und Sicherheit. „Da ist sie eine klassische VVD-Politikerin“, erklärt Peter Kwint, zu Yesilgöz‘ Sozialistinnenzeiten ihr Parteikollege, der nun als Abgeordneter im niederländischen Parlament sitzt, in der Tweede Kamer. Sie stehe für „Law and Order“, also für eine harte Hand, für Recht und Ordnung.

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Mit der Wilders-Partei will Yesilgöz nicht mehr arbeiten

Dass Yesilgöz bereit ist, neue Wege zu gehen – zur Not auch ins Extreme –, zeigte sich im Vorfeld der Parlamentswahl 2023. Noch ein paar Jahre zuvor hatte Mark Rutte erklärt, dass seine VVD auf keinen Fall mit der radikalrechten Partei PVV von Geert Wilders zusammenarbeiten werde. Yesilgöz interessierte die Ansage nicht, sie stand einer Koalition zwischen VVD und PVV nicht im Weg. Nach deren Zerfall in diesem Sommer signalisiert sie mittlerweile, dass eine erneute Zusammenarbeit mit der PVV ausgeschlossen sei. Übrigens ebenso wie eine Zusammenarbeit mit dem linken Bündnis Groenlinks-PvdA.

Auch beim Thema Migration und Asyl vertritt Yesilgöz einen harten Kurs. Sie betont, dass die Migrationsströme verringert werden müssten. Maßgeblich war sie an einem entsprechenden Programm mit einschneidenden Maßnahmen beteiligt – von verkürzten Fristen über die Umkehr der Beweislast bis zur Überprüfung von Handydaten. Sie ist zudem mitverantwortlich für das Vorantreiben eines Asyl-Notfallgesetzes – das deutlich strengere Regelungen implementieren soll.

Im Sommer 2023, nach dem Zusammenbruch des Kabinetts Rutte IV, behauptete sie im Fernsehen, dass im Zuge des Familiennachzugs Nachreise auf Nachreise folge. Eine Woche zuvor hatte sie in einem Interview mit der Tageszeitung „de Volkskrant“ sogar von Tausenden Menschen gesprochen, die über die Familiennachzugsregelung in die Niederlande kämen. Später zeigte sich allerdings, dass die von Yesilgöz angeführten Zahlen durch keine Statistik, auch nicht vom niederländischen Dienst für Migration und Asyl, bestätigt werden können. Tatsächlich bewegen sich derartige Fälle jährlich im zweistelligen Bereich. Yesilgöz nahm die Aussage später zurück.

Yesilgöz fällt immer wieder negativ auf

Auch durch ihr Verhalten auf Social Media fällt Yesilgöz negativ auf. So führte einer ihrer Beiträge zum Thema Polizeigewalt im April 2024 zu Hassnachrichten und Todesdrohungen gegen einen Journalisten. Ende Juni 2025 sorgten ihre Antisemitismusvorwürfe gegen einen niederländischen Sänger dafür, dass dieser mit seiner Familie aus Sicherheitsgründen das Land verlassen musste. Mittlerweile hat Yesilgöz sich öffentlich entschuldigt und ihre Vorwürfe als ungerechtfertigt zugegeben.

Ihre Strategie der Konfrontation bezeichnen niederländische Medien als „Wilders light“. Sie haben ihr den Beinamen „Frau Teflon“ verpasst, in Anlehnung an Teflon-Rutte, an dem anscheinend jeder Skandal abgeperlt war. Allerdings könnte sich Yesilgöz verzockt haben. Umfragen rechnen für die VVD mit erheblichen Stimmenverlusten. Schätzungen gehen von acht Sitzen weniger im Parlament aus. Ob Dilan Yesilgöz-Zegerius am Ende die erste Ministerpräsidentin der Niederlande wird oder ob ihr scharfer Kurs die VVD endgültig in die Krise stürzt – das werden die Wählerinnen und Wähler am 29. Oktober entscheiden.