Die Vierer-Koalition aus PVV, BBB, VVD und NSC in den Niederlanden ist im Sommer gescheitert, weil sich die Parteien in zentralen Fragen, vor allem der Asylpolitik, nicht einigen konnten. Die Spannungen zwischen der NSC und Wilders’ rechter PVV waren zu groß, sodass Wilders seine Partei aus dem Bündnis zurückzog. Nun wählen die Niederlande erneut. Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Wann wird gewählt?

Am 29. Oktober wählen die Niederländer ein neues Parlament – fast drei Jahre früher als geplant. Der Bruch der bisherigen Koalition unter Premierminister Dick Schoof im Juni machte vorgezogene Neuwahlen notwendig.

In den Niederlanden findet die Parlamentswahl traditionell alle vier Jahre statt und wird in der Regel an einem Mittwoch abgehalten – aus Rücksicht auf streng protestantische Gläubige, die die Sonntagsruhe einhalten. Die meisten Wahllokale sind am Wahltag von 7.30 bis 21 Uhr geöffnet.

Wer kann wählen?

Wahlberechtigt sind alle niederländischen Staatsbürger, die zum Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind.

Wer kann gewählt werden?

Holland hat die Wahl: 27 Parteien mit insgesamt 1166 Kandidaten treten an. Besonders im Fokus stehen bekannte Parteien wie die rechtspopulistische PVV von Geert Wilders, die grün-linke Allianz GroenLinks-PvdA sowie die wirtschaftsliberale VVD aus der politischen Mitte-Rechts. Auch JA21 tritt zur Wahl – eine Partei, die sich selbst als „rechte Volkspartei“ beschreibt.

Weitere wichtige Kräfte sind die sozialliberale, pro-europäische D66, die nach dem TV-Auftritt von Parteichef Jetten an Stimmen gewonnen hat. die bauernnahe BBB mit Schwerpunkt auf Landwirtschaft und ländliche Regionen, sowie die traditionsreiche christlich-demokratische CDA.

Die große Bandbreite zeigt die Vielfalt des niederländischen Parteiensystems – aber auch seine Zersplitterung, die unter anderem an der niedrigen Sperrklausel von 0,7 Prozent liegt. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Sperrklausel bei fünf Prozent.

Wie funktionieren die Parlamentswahlen in Holland?

Das niederländische Parlament hat zwei Kammern und sitzt in Den Haag. Die Erste Kammer hat 75 Mitglieder. Sie werden nicht direkt vom Volk gewählt, sondern von den Provinzparlamenten der zwölf niederländischen Provinzen. Die Zweite Kammer (Tweede Kamer der Staten-Generaal) hat 150 Sitze und wird alle vier Jahre direkt von den Bürgern gewählt. Zur Regierungsbildung sind 76 der 150 Abgeordneten nötig.

Die Zweite Kammer macht Gesetze und kontrolliert die Regierung, die Erste Kammer prüft diese Gesetze nachträglich.

Droht eine schwierige Regierungsbildung?

Kurz vor der Parlamentswahl in den Niederlanden zeigt die jüngste Ipsos I&O-Umfrage vom 25. Oktober 2025 ein enges Rennen zwischen den großen Parteien. Die PVV bleibt mit 26 Sitzen stärkste Kraft, verliert jedoch drei Mandate, da viele Wähler angesichts ihrer geringen Koalitionschancen zur VVD und JA21 abwandern.

Die CDA fällt deutlich von 25 auf 20 Sitze, was auf umstrittene Äußerungen von Spitzenkandidat Henri Bontenbal zurückgeführt wird, der in einer Sendung das Recht religiöser Schulen verteidigte, gleichgeschlechtliche Beziehungen abzulehnen. Davon profitiert vor allem D66, die vier Sitze hinzugewinnt und nun das größte Wählerpotenzial unter den Parteien aufweist. Insgesamt trennen PVV, GroenLinks-PvdA, D66 und CDA derzeit nur sechs Sitze – ein Zeichen für ein zunehmend offenes Rennen um die politische Mitte.

Wie schätzen Experten die Situation ein?

Jacco Pekelder, Leiter des Zentrums für Niederlandestudien an der Universität Münster, erwartet, dass vor allem die rechtspopulistische PVV von Geert Wilders trotz politischer Rückschläge gut abschneiden dürfe. Verluste würden eher an die ähnlich ausgerichtete JA21 gehen, nicht aber an Parteien der Mitte. Die Wähler seien langfristig in drei Lager (links, Mitte-rechts, rechts) verteilt, wechseln aber meist nur innerhalb dieser Blöcke, und wenn, dann tendenziell vom Mitte-rechts- zum rechten Lager.

Überraschend sei die „wundersame Wiedergeburt“ der Christdemokraten (CDA): Mit ihrem jungen Spitzenkandidaten Henri Bontenbal, der laut Ipsos-Umfragen besonders beliebt ist, setzen sie auf eine Rückbesinnung zu moderatem Konservatismus, Verantwortung und klaren Werten – was ihnen viele Stimmen gebracht habe. Zuletzt verzeichnete die Partei jedoch Verluste.

Dienstags

Der NRZ-Niederlande-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Wichtige Nachrichten und spannende Berichte aus unserem Nachbarland - einmal pro Woche direkt in ihr Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Laut Prognosen könnte die NSC aus dem Parlament ausscheiden. Für die Regierungsbildung sehe Pekelder den Rechtspopulismus kaum noch als Faktor – es sei denn, JA21 wird Ausgleichspartner in einer Koalition mit CDA, PvdA und D66. Alle ernstzunehmenden Parteien haben wegen des überraschenden PVV-Rückzugs im Sommer das Vertrauen verloren und lehnen eine Zusammenarbeit ab.

Welche Auswirkungen hat die Wahl in den Niederlanden auf Deutschland?

Die Koalitionsbildung nach der Wahl ist entscheidend. Politiker wie Bontenbal (CDA), Timmermans (GroenLinks–PvdA) und Jetten (D66) zeigen Kompromissbereitschaft, während die VVD unter Dilan Yeşilgöz härter auftritt.

Eine breite Mitte-Koalition könnte die Beziehung zu Deutschland verbessern und eine stabile Regierung bringen. In den vergangenen Jahren fehlten in Den Haag oft verlässliche Partner, sodass Ministerpräsident Dick Schoof kaum Zeit für intensive Gespräche mit Deutschland hatte, erklärt Jacco Pekelder.