Im Jahr 1880 wird die Lage ungemütlich im Norden Frankreichs. Seit vielen Jahren leben Mönche aus der Abtei Notre-Dame de la Grande Trappe zurückgezogen auf dem Mont des Cats in der Normandie, nahe der belgischen Grenze. Doch neue antiklerikale Gesetze bedrohen den Fortbestand ihres 1826 gegründeten Klosters Sainte Marie du Mont, die Trappisten müssen sich einen anderen Ort für ihr vom Glauben an Gott bestimmtes Dasein suchen. Die Wahl fällt auf die niederländische Provinz Brabant, in Berkel-Enschot bei Tilburg ist ein Stück Heide mit einem Gehöft und einem Schafstall zunächst das neue Zuhause der Geistlichen. Heute ist der Ort weit über die Grenzen unseres Nachbarlandes bekannt – und zwar als Heimat herausragender Braukunst.
Bestes Bier vom Königshof

Toen Goudemans weiß (fast) alles über die Entstehung des köstlichen Bieres zu erzählen, das unter der Marke „La Trappe“ in ganz Europa und sogar darüber hinaus verkauft und getrunken wird. „Die Mönchen kamen hierher und haben einen Platz gesucht, wo sie ihre Gebete abhalten können“, erzählt der heutige Leiter des Gehöfts. Das ist nach dem früheren Eigentümer, König Wilhelm II., benannt und heißt „de Koningshoeven“. In dem provisorisch zum Kloster umgebauten Schafstall wird am 5. März 1881 die erste Heilige Messe gehalten. Das Datum gilt als Gründungsdatum der Trappisten-Abtei Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven, obwohl diese erst einige Jahre später, 1894, entsteht.
Weil die Mönche zwar ein bescheidenes Leben in Stille und innerer Einkehr führen, aber laut ihrer Tradition wohltätigen Zwecken verpflichtet sind, brauchen sie Geld. Die Trappisten verstehen etwas von Landwirtschaft und bestellen die Heideflächen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Ernte reicht jedoch nicht, um die wachsende Zahl der Mönche zu ernähren. Es muss etwas anderes her. „Daher haben sie angefangen, Bier zu brauen“, erzählt Toen Goudemans. Das berühmte „La Trappe“, das bis heute innerhalb der Mauern der Abtei in Berkel-Enschot nach den Geboten der Trappisten hergestellt wird.
Starkbier nach erstem Braumeister benannt
Nivardus Schweykart ist der erste Abt, der sich an dem leckeren Blonden versuchte. Alsbald aber übernimmt Bruder Isidorus Laaber die Leitung und wird der erste Braumeister des Klosters. Eine Erfolgsgeschichte, die sich 125 Jahre später in einer Jubiläumsausgabe wiederfindet: „La Trappe Isid’or“, ein spezielles Bier, das eigentlich nur in dem Jahr des Jubiläums ausgeschenkt werden soll. Das starke „Isid‘or“ geht allerdings so gut weg, dass es ins La-Trappe-Standardsortiment aufgenommen wird.

Die ersten Jahre auf dem Koningshoeven allerdings bleiben beschwerlich. Um den Bau einer Abtei finanzieren zu können, beginnen die Mönche mit dem Bau einer neuen Brauerei. Dazu gehört ein markanter Malzturm, der bis heute die Ansicht der Brauerei prägt. Als der Verkauf des Biers einträglicher wird, ist es schließlich Abt Willibrord Verbruggen, der im Jahr 1891 den Bau einer neuen großen Abteig in Auftrag gibt, darunter die Türme, die das Landschaftsbild in dem ländlichen Gebiet nahe der Großstadt Tilburg noch heute prägen.
Übernachten mit den Mönchen
„Wir haben pro Jahr etwa 30.000 Besucherinnen und Besucher, die sich hier das historische Gebäude und die angrenzenden Anlagen anschauen“, berichtet Toen Goudemans, der Gäste gerne über den Koningshoeven führt. Wer selbst die Kraft der Stille erleben und Tür an Tür mit den Mönchen schlafen möchte: An 40 Wochen im Jahr ist die Abtei offen für Neugierige, etwa 25.000 Übernachtungen werden gebucht. „Sieben Mal am Tag wird gebetet, das erste Mal um 4 Uhr morgens“, weiß Toen Gouedemans.
+++ Sie wollen keine Nachrichten mehr aus dem Nachbarland verpassen? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Niederlande-Newsletter!+++
Noch 20 Mönche leben derzeit im Koningshoeven, die Hälfte davon aus den Niederlanden und Belgien, die anderen sind aus der gesamten Welt nach Berkel-Enschot gekommen, zum Beispiel aus Indonesien und Uganda. Dort gibt es auch Ableger des Koningshoeve, 1953 wurde die Niederlassung in Indonesien gegründet, 1956 eine in Kenia, von wo sie aufgrund politischer Unruhen und Krieg nach Uganda verlegt wurde. Weitere Standorte in den Niederlanden selbst sind Zundert (1900, „Maria Toevlucht“) sowie eine Trappistinnenabtei in Berkel-Enschot (1936, Unsere Liebe Frau von Koningsoord, heute in Oosterbeek).
Trappisten im Zweiten Weltkrieg
Zwischen 1940 und 1945 bleibt auch Koningshoeven von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs nicht verschont. Obwohl die Abtei nicht von den Deutschen beschlagnahmt wird, verhaften die Besatzungstruppen drei Trappistenmönche jüdischer Abstammung sowie deren Schwestern, die als Trappistenmönche in der Abtei Koningshoord in Berkel-Enschot leben. Die Geschwister Löb werden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Nach dem Krieg wächst die Zahl der Mönche zunächst auf 153, ehe mit Beginn der liberalen 1960er-Jahre auch Koningshoeven den Einfluss einer sich wandelnden Welt spürt.

Dienstags
Der NRZ-Niederlande-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Wichtige Nachrichten und spannende Berichte aus unserem Nachbarland - einmal pro Woche direkt in ihr Postfach.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Verlockungen der Moderne stehen in starkem Kontrast zum asketischen Leben der Trappisten. Die Zahl der neuen Mönche geht zurück, einige verlassen das Kloster. Das Durchschnittsalter der Verbliebenen ist hoch, und der Pflegebedarf wächst. Die meisten pflegebedürftigen Mönche ziehen in ein Klosterpflegeheim in Vught. Eine Gruppe von zunächst neun jüngeren Mönchen beschließt aber, weiterzumachen – bis im Jahr 2000 neue Kandidaten auftauchen. Eine junge Generation, inspiriert vom klassischen Trappistenideal, zieht im Koningshoeve ein.

Ein Meilenstein für „La Trappe“
Die Bierproduktion wird derweil schon früher professionalisiert. Ab 1969 wird in der schon mittelgroßen Brauerei Dunkelbier, Pils, Dortmunder, Super und Bockbier hergestellt. Dann geht die Abtei aufgrund der wachsenden Nachfrage eine Zusammenarbeit mit dem Konzern Stella Artois ein. 1980 endet diese Kooperation, und die Mönche nehmen das Brauen wieder selbst in die Hand. Sie bringen ein hochgäriges Bier auf den Markt: das Dubbel, genannt „La Trappe“. Es ist ein Meilenstein, noch im selben Jahr kommt ein Tripel hinzu. 1989 wird das neue moderne Brauhaus eingeweiht, im Laufe der Jahre kommen neue Sorten hinzu, alle nach den strengen Qualitätskriterien der Trappisten gebraut – auch das Nillis, ein alkoholfreies Bier.
Trappisten-Bier ist ein Bier, das vom Herzen kommt.
Toen Goudemans, Leiter des Koningshoeve in Berkel-Enschot
Der Koningshoeve ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Keine fünf Kilometer vom quirligen Zentrum Tilburgs entfernt, finden Gäste hier Natur und Ruhe, und zwar nicht nur in den Mauern der Abtei. Auf dem weitläufigen Gelände gibt es unter anderem auch eine von den Mönchen geführte Käserei, eine Bäckerei und eine Schokoladen-Manufaktur. Gerste, Malz und Weizen für das gute Bier kommen aus der Region, nur der Hopfen nicht, der muss natürlich aus dem Hallertau in Bayern herangeschafft werden. Der gesamte Hof wird ökologisch bewirtschaftet, das Wasser per Kreislaufsystem aufgefangen und der Strom per Photovoltaik gewonnen. „Trappisten-Bier ist ein Bier, das vom Herzen kommt“, meint Toen Goudemans.
Nebenan, im Schankraum kann das „La Trappe“ verkostet werden, dazu bietet die Küche leckere Speisen mit Zutaten teils aus dem eigenen Klostergarten an. Auf einen Mönch am Zapfhahn trifft man hier allerdings nicht, die Trappisten ziehen nach wie vor die Stille der Abtei vor.
Die drei Regeln für Trappistenbiere
Nur zehn Biermarken dürfen gemäß den Regeln des Internationalen Trappistenverbandes die streng kontrollierte Herkunftsbezeichnung „Trappisten“ tragen. Dabei gelten drei eiserne Regeln:
1.) Das Bier muss in den Mauern eines Trappistenklosters gebraut werden, entweder von den Mönchen selbst oder unter ihrer Aufsicht. „Der Mönch ist immer der Chef“, sagt Toen Goudemans vom Koningshoeve.
2.) Die Brauerei muss im Kloster von untergeordneter Bedeutung sein, und es sollte Zeuge der Geschäftspraktiken sein, die einer klösterlichen Lebensweise eigen sind.
3.) Die Brauerei ist kein gewinnorientiertes Unternehmen. Das Einkommen deckt die Lebenshaltungskosten der Mönche und die Erhaltung der Gebäude und Grundstücke ab. Was übrigbleibt, wird für soziale Arbeit und Menschen in Not gespendet.




