Ein überschaubares Terminal-Gebäude am Rand einer kleinen Stadt. Es gibt nur eine Startbahn, ab und zu heben Flüge nach Texel ab. Flugschulen haben sich im Umfeld niedergelassen, ein Luftfahrtmuseum präsentiert historische Propellermaschinen. So sieht es aus auf dem Regionalflugplatz der 85.000-Einwohner-Gemeinde Lelystad. Wenn es nach der niederländischen Regierung geht, wird diese Provinzpiste bald zum Tor für Touristen.

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Das Kabinett des noch immer recht neuen Ministerpräsidenten Rob Jetten will, dass ab Oktober 2027 kommerzielle Urlaubsflüge in Lelystad starten und landen. Man werde den Flughafen für bis zu 10.000 Passagierflüge pro Jahr ausbauen, sagt Infrastrukturminister Vincent Karremans. Ziel sei es, den Großflughafen Amsterdam-Schiphol zu entlasten.
Neuer Niederlande-Airport als Stützpunkt für Kampfflugzeuge
Der etwa 45 Autominuten vom Amsterdamer Stadtzentrum entfernte Standort ist nach Einschätzung der Regierung bestens als Ausweichlandebahn geeignet, denn: „In Lelystad gibt es bereits einen Flughafen.“ Man werde sicherstellen, „dass rechtlich und betrieblich im Lauf des kommenden Jahres alles für Urlaubsflüge bereit sein wird“, so Karremans.
Bei Ferienfliegern wird es nicht bleiben. Die Regierung plant außerdem, Lelystad für die militärische Luftfahrt zu nutzen – als Stützpunkt für F-35-Kampfflugzeuge. Die Niederlande bauen angesichts zunehmender internationaler Konflikte ihre Verteidigungskapazitäten aus. Aktuell verfügt das Land über 40 F-35-Flugzeuge, 17 weitere sollen angeschafft werden.
Umweltschutz ist die letzte Hürde
Die zuständige Provinzregierung von Flevoland und die Gemeinde Lelystad haben grünes Licht für den Ausbau gegeben. Es stehen allerdings noch Genehmigungen aus. Umweltschutzauflagen könnten das Projekt scheitern lassen. Mehrere Städte in der Nähe von Lelystad warnen, dass Hunderttausende Menschen unter Fluglärm leiden könnten. „Die Veluwe ist ein empfindliches Gebiet, in dem Naturwerte und die Lebensqualität von 200.000 Einwohnern auf dem Spiel stehen“, mahnt Marleen Sanderse, Bürgermeisterin der Kleinstadt Hattem. Es müssten „alle Interessen und Bedenken“ berücksichtigt werden, fordert sie.
Gerade laufen Umweltverträglichkeitsstudien. Der niederländische RTL-Ableger berichtet unter Berufung auf Experten, die Chance, dass der Flughafen tatsächlich eine Umweltgenehmigung erhalte, sei „gering bis gleich null“. Minister Karremans räumt ein, das Einholen sämtlicher Genehmigungen sei „äußerst komplex“. Er verspricht jedoch: „Sobald die Umweltgenehmigung vorliegt, können Reisende sofort einsteigen. Wir bereiten alles vor, damit keine wertvolle Zeit verloren geht.“
Mehr Flughafen-News
Schiphol ist einer der größten Flughäfen
Schiphol ist einer der größten Flughäfen Europas. Weitere Airports befinden sich in Eindhoven, Rotterdam/Den Haag, Maastricht/Aachen und Groningen. Der Ausbau in Lelystad soll das niederländische Flughafennetz stärken. Zuletzt hatte Schiphol angekündigt, bis 2035 rund zehn Milliarden Euro in die Hand nehmen zu wollen. Die Betreibergesellschaft möchte ein neues Terminal bauen lassen, zudem entstehen neue Geschäfte, mehr Sitzplätze und womöglich eine Metroverbindung ins Amsterdamer Stadtzentrum. Der Flughafen will zudem seine CO₂-Emissionen bis 2030 um 90 Prozent senken, etwa durch den Einsatz von elektrischen Bodenfahrzeugen.

Den wichtigsten NRW-Airport lässt die neue Konkurrenz kalt. „Nach heutigem Stand erwarten wir keine wesentlichen Effekte auf unsere Passagierzahlen“, sagt Süleyman Ucar, Sprecher des Flughafens Düsseldorf. „Wir sehen im Gegenteil, dass die Zahl niederländischer Fluggäste stetig zunimmt. Viele Reisende aus den Niederlanden entscheiden sich bewusst für Düsseldorf als ihren Airport. Das zeigt sich in diesen Tagen mit dem Beginn der Maiferien auch sehr sichtbar an den vielen niederländischen Kennzeichen auf unseren Parkflächen.“
Düsseldorf dürfte für Niederländerinnen und Niederländer sogar noch attraktiver werden – trotz Lelystad: Ab Januar 2027 gilt in Holland eine höhere Luftverkehrssteuer. Das Land wird dadurch zum teuersten Abflugort in der EU. Bisher galt ein einheitlicher Satz von 29,40 Euro pro Passagier – unabhängig von der Entfernung zum Flugziel. Kommendes Jahr führt die niederländische Regierung ein dreistufiges Tarifsystem ein, das sich an der Flugdistanz orientiert.
Für Kurzstrecken innerhalb der Europäischen Union bleibt es bei knapp 30 Euro. Für Reiseziele in 2000 bis 5500 Kilometern Entfernung – etwa die Türkei oder Ägypten – fallen ab 2027 hingegen 47,24 Euro pro Ticket an. Und für ferne Destinationen wie Thailand und Florida werden sogar 70,86 Euro pro Person fällig.
Viele Reisende aus den Niederlanden entscheiden sich bewusst für Düsseldorf als ihren Airport.
Süleyman Ucar, Sprecher Flughafen Düsseldorf
Niederlande erhöhen Luftverkehrssteuer
Der niederländische Staat will durch die Luftverkehrssteuer künftig mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr einnehmen. Das Geld fließt in den allgemeinen Haushalt. Die Fluggesellschaft KLM äußert sich besorgt. Die Steuererhöhung könnte dazu führen, dass Passagiere zum Beispiel nach Düsseldorf oder Weeze ausweichen.
Für Ministerpräsident Jetten bedeutet das Bekenntnis zu Lelystad eine bemerkenswerte Kehrtwende. Seine Partei D66 hatte sich im Wahlkampf ausdrücklich gegen die seit Jahren diskutierte Erweiterung ausgesprochen. Jan Eerkens, der Flughafenchef, ist froh über den Meinungswechsel des 39-Jährigen. Er hofft, dass es nun schnell geht. „Wir freuen uns, dass die drei Koalitionsparteien klare Entscheidungen getroffen und beschlossen haben, dass der Flughafen Lelystad endlich als vollwertiger Passagierflughafen eröffnet werden kann.“ Die Entscheidung sei „der Startschuss, um so schnell wie möglich loszulegen“.





