Jetzt hat der Fußball-Wanderzirkus Texas erreicht. Ein Bus schiebt sich im Schritttempo durch die Millionenstadt Dallas, tausende singende Frauen und Männer traben hinterher. Sie tragen orangefarbene Trikots, viele auch orangefarbene Cowboyhüte, einige haben sich als Freiheitsstatuen verkleidet. Sie tanzen, trommeln, trinken. Sie sind viele und sie sind laut. Viva Hollandia!

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So war es vor ein paar Tagen. Vor Anpfiff des zweiten WM-Spiels der Niederlande gegen Schweden am Samstag (20. Juni) erleben die USA erneut eine Demonstration der guten Laune. Niemand kann besser Party machen als die Fans von der Nordsee. Wenn ihre Mannschaft spielt, marschieren sie hinter einem Doppeldeckerbus her bis vors Stadion. Nach dem Auftakt gegen Japan (2:2) am vergangenen Wochenende in Dallas zieht die orangefarbene Karawane nun weiter Richtung Süden, nach Houston.

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Niederlande-Bus erobert die USA

Der Bus ist ein bisschen klapprig, aber er fährt noch. Baujahr 1980, wo der schon gewesen ist! Durch Brasilien ist er gerollt, durch Südafrika und vor zwei Jahren während der Europameisterschaft durch Deutschland. Dortmund erlebte vor dem Halbfinale gegen England (1:2) den wohl größten Fanmarsch aller Zeiten. Jetzt also ist er in den USA unterwegs. „Vereinzelte Regenschauer konnten die Begeisterung der Fans nicht trüben, die zu Liedern, die aus den Lautsprechern des Busses dröhnten, tanzten und mitsangen“, staunte eine Reporterin der „Dallas Morning News“.

Eine ziemliche Tortur für so einen Oldtimer. Gut dass die Holländer ihn schonen, wann immer es geht.

Tausende Kilometer liegen zwischen den Austragungsorten der niederländischen WM-Partien. Zum dritten und letzten Gruppenspiel reisen die Fans von Texas nach Kansas City. Natürlich soll der Bus auch dort die Völkerwanderung anführen, aber zwölf Stunden mit laufendem Motor auf dem Highway wollen die Niederländer der Kultkarre nicht zumuten. Für weite Strecken werde man einen Anhänger organisieren, sagt Kim van Wijk-Hermus. Sonst stünden nach den WM-Wochen mindestens 3000 Extrakilometer auf dem Zähler, „was für unseren alten Bus eine ganze Menge wäre“.

Ein Fanclub kümmert sich um den Doppeldecker

Van Wijk-Hermus ist Vorsitzende des Fanclubs, der den Doppeldecker besitzt und sich drum kümmert, dass er seit zwei Jahrzehnten bei jedem Turnierspiel der Nationalmannschaft die Prozession unterstützt. Sie glaubt, dass die Holländer in den USA schaffen, was ihnen schon bei der EM 2024 gelungen ist: sich einen Namen zu machen als Partyvolk. „Das merkt man daran, wie viele Interviews ich schon für amerikanische Fernsehsender gegeben habe.“

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Der Bus ist unterwegs nach Houston, die Mannschaft um Trainer Ronald Koeman (63) bereitet sich in einem Country Club in Kansas City im Bundesstaat Missouri vor. Der Stotterstart gegen die Japaner brachte dem Team reichlich Kritik ein, die Medienlandschaft unseres Nachbarlandes versteht bei fußballerischen Misserfolgen keinen Spaß. Ein Kolumnist warf Koeman im „Telegraaf“ mit lesbarer Lust an drastischen Thesen „dramatische Auswechslungen“ vor und befürchtete nichts weniger als den „Untergang der niederländischen Nationalmannschaft“.

Dass der frühere Bundesliga-Star Rafael van der Vaart mit einer als diskriminierend empfundenen Aussage über Japaner auffiel, hat auch nicht geholfen, die Stimmung aufzuhellen. Der 43-jährige Ex-Hamburger, der mittlerweile als TV-Experte arbeitet, hatte während der Analyse des ersten Spiels die Frage aufgeworfen, warum die japanische Mannschaft immer wieder relativ frei vor dem niederländischen Tor auftauchte. Van der Vaarts Erklärung: Vielleicht seien die Oranje-Verteidiger verwirrt gewesen, welchen japanischen Spieler sie decken sollten – „sie sehen sich natürlich alle ähnlich“. Die Bemerkung führte zu betretenem Schweigen im Studio. Schließlich schob van der Vaart hinterher, das sei „natürlich ein Witz“ gewesen.

Texaner kennen den Oranje-Bus aus dem Fernsehen

Es liegt also am Bus, für Heiterkeit zu sorgen. Er hat eine weite Reise hinter sich. Mitte April wurde er in Zeebrugge auf ein Schiff verladen, einen knappen Monat später kam er im texanischen Galveston an, etwa 500 Kilometer von Dallas entfernt. Der niederländische Fußballverband KNVB rechnet während der Gruppenspiele mit jeweils rund 5000 Oranje-Fans in den Stadien und zusätzlich um die 5000 Menschen, die bei den Fanmärschen ohne Eintrittskarten hinter dem Bus herziehen. Nicht alle reisen aus Europa an – im Umfeld der Spielorte leben nach Verbandsangaben viele Amerikaner mit niederländischen Wurzeln.

Ich bin wirklich froh, dass der Bus hierherkommt.

Bee Kothuis, niederländische Auswanderin in Texas

Welche Bedeutung die Kiste entfalten kann, weiß die in Houston lebende Auswanderin Bee Kothuis. Ihn an ihrem neuen Wohnort zu sehen, sei ein besonderes Gefühl, berichtet Kothuis einer texanischen Lokaljournalistin. Kothuis arbeitet in Houston im Netherlands Business Support Office, einem von der Regierung in Den Haag unterhaltenen Handelsbüro. Dort fühle sie sich wie Zuhause – erst recht jetzt, wenn der Tross durch die Stadt ziehe. „Ich bin wirklich froh, dass der Bus hierherkommt.“

Sie bekommen ein Fetengefährt zu sehen, das sie bislang nur aus Fernsehen und sozialen Netzwerken kannten. Für die Holländer ist der Star nicht die Mannschaft. Ihr Star hat vier Räder.