Immer mehr Nordsee-Orte in den Niederlanden führen Rauchverbote am Strand ein. Die kommunizierte Motivation der Verantwortlichen: Einigen geht es vor allem darum, Kinder vor Qualm zu schützen. Andere argumentieren, Tabakstummel im Sand schädigten die Umwelt.

Wo ist das Anzünden einer Zigarette am Strand erlaubt, wo nicht? Auf die Fluppenfrage haben die Rathäuser an Hollands Küste unterschiedliche Antworten.

Wijk aan Zee appelliert

Das bei Amsterdam gelegene Touristendorf Wijk aan Zee hat im Mai 2026 an Strandzugängen Schilder aufstellen lassen: „Gelieve niet te roken, houd rekening met onze kinderen“, steht darauf – bitte nicht rauchen, nehmen Sie Rücksicht auf unsere Kinder. Ein Appell. Aber kein Verbot.

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Die Schilder sind im Ort umstritten, berichtet der Regionalsender NH Nieuws. Initiiert wurden sie von einer früheren Stadträtin, die sich etwas unzufrieden mit der Umsetzung ihrer Idee zeigt. Carline de Boer hatte ein hartes Tabak- und Elektrozigaretten-Verbot am kompletten Strand gefordert. Der Gemeinderat beschloss die Hinweistafeln, entschied sich also gegen eine Vorschrift – allein schon, weil deren Einhalten schwer zu kontrollieren wäre. De Boer findet die Schilder zu unauffällig. Ginge es nach ihr, würde die Aufforderung überall in der Region groß plakatiert.

Der Gastronom Roel de Haas hat das Rauchen auf der Terrasse seiner Bar untersagt. „Nicht jeder ist damit einverstanden. Manche Gäste gehen verärgert. Aber es gibt auch viele Besucher, denen es sehr gut gefällt.“

Zandvoort verbietet

Ebenfalls seit Mai läuft in Zandvoort ein vielbeachteter Versuch. Die 30 Bahnminuten von Amsterdam entfernte Formel-eins-Burg hat für drei Strandabschnitte eine Kippen-aus-Anordnung erlassen. Werden sich die Leute dran halten? Die 17.000-Einwohner-Stadt erklärt, die Anordnung werde zunächst ein Jahr gelten. Testweise. Sollte sich die Zahl der im Sand ausgedrückten Zigaretten deutlich reduzieren, könnte das Verbot von Dauer sein.

Kleinere Orte in der Umgebung setzen auf eigene Bestimmungen. Bergen aan Zee plant eine erzieherische Maßnahme: Laut NH Nieuws sollen Aufpasser dort im kommenden Jahr gezielt rauchende Urlauber ansprechen. In Schagen und Bloemendaal wird über qualmlose Strandabschnitte diskutiert. Renesse hatte bereits 2019 eine 500 Meter lange Rauchfrei-Zone eingeführt.

Texel erlaubt

Müll ist auf der bei Deutschen beliebten Nordsee-Insel Texel seit Jahren ein Problem. Regelmäßig säubern Freiwillige die Strände, sie sammeln neben angeschwemmtem Plastik stets viele Kippen ein. Umweltverbände fordern das Zigaretten-Aus am Strand. Dafür gibt es keine konkreten Pläne.

Texel geht einen anderen Weg als deutsche Inseln. An Norderneys Stränden gilt seit 2022 ein generelles Rauchverbot. Auf Langeoog sind drei Abschnitte während der Strandkorbsaison von Ende März bis Mitte Oktober als Nichtraucherzonen ausgewiesen. Kontrollen gebe es keine, teilt der dortige Tourismus-Service mit. „Es reguliert sich quasi von allein.“

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Die Niederlande sehen sich als Vorreiter in Sachen Gesundheitsschutz. Die Regierung will, dass das Land bis 2040 eine „rauchfreie Generation“ hervorbringt. Seit zwei Jahren dürfen nur wenige Geschäfte und Tankstellen Tabakwaren verkaufen.

Zuletzt hatte ein weiteres Urlaubsland das Rauchverbot verschärft: Spanien. Das Kabinett von Ministerpräsident Pedro Sánchez verabschiedete einen Gesetzentwurf, der nicht nur das Rauchen an Stränden untersagen soll. Auch auf Restaurant- und Hotelterrassen, an Bushaltestellen, Bahnhöfen, auf Universitätsgeländen, Sportanlagen und in Schwimmbädern müsste das Feuerzeug in der Tasche bleiben.