Sie waren sauber hingestellt, auf jedem Stellplatz einer: Bisher Unbekannte haben auf einem Supermarkt-Parkplatz in Domburg in der niederländischen Provinz Zeeland jüngst für fragende Gesichter gesorgt. In einer nächtlichen Aktion waren so gut wie alle Einkaufswagen des Supermarkts auf dem Parkplatz verteilt worden.

Dienstags

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Die Mitarbeiter der Frühschicht des Albert Heijn, auf dem in der derzeitigen Reise-Hochsaison unter anderem so gut wie alle Nummernschilder aus NRW zu finden sind und tagsüber kaum ein Parkfeld lange freibleibt, hatten am vergangenen Dienstagmorgen (4.8.) erst mal mit Umparken zu tun: Alle Karretjes mussten spätestens bis 8 Uhr Öffnungsstart von den Parkflächen weggeräumt sein. Marktleiter Gertjan de Kok postete dann das Geschehene auf dem Facebook-Kanal seines Supermarkts. Und erntete mehrere Tausend Reaktionen und einige Hundert Kommentare.

Albert-Heijn-Parkplatz in Domburg: Einkaufswagen auf allen Auto-Stellplätzen

„Wunderschön, und zum Glück ziemlich harmlos – so kann man’s machen“, schrieb etwa eine Nutzerin, was die Stimmung der meisten Postings wiedergibt. Auch de Kok selbst nahm’s mit Humor. Er bot den unbekannten Tätern einen Nebenjob an: „Wir sind in der Hochsaison, wir können noch mehr tatkräftige Hände gebrauchen“, schrieb er auf Facebook.

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„Zwei Jungs, vermutlich Schüler, waren in der Nacht zu Dienstag gegen 1 Uhr auf unserem Parkplatz unterwegs“, sagt Gertjan de Kok auf Nachfrage. Sie hätten etwa 70 der Einkaufswagen verschoben und waren etwa eine halbe bis eine Dreiviertelstunde beschäftigt gewesen, sagt de Kok.

Soweit es die örtliche Tageszeitung PZC berichtet, hatte die Videoüberwachung des Marktes in der Nacht alles aufgezeichnet. Nur Alarm schlug sie nicht. Als die ersten Mitarbeiter um 5 Uhr früh aufs Gelände kamen, war der Parkplatz zugeparkt.

„Handtuch-auf-Liege-mal-anders“?

TikTok-Challenge bei Albert Heijn in Domburg
Viele Urlauber auf Zeeland kennen den Albert-Heijn-Supermarkt in Domburg.© Gertjan de Kok/Albert Heijn | Gertjan de Kok/Albert Heijn

Was hinter der eher sinnfreien Aktion stecken mag? Vermutungen in Sachen Albert Heijn Domburg reichen von „Kunstaktion“, über „Handtuch-auf-Liege-mal-anders“ bis „Dumme-Jungen-Streich“. In diese Richtung deuten dann auch die Indizien.

So weist eine Facebook-Nutzerin darauf hin, in der Nacht sei dasselbe auch bei einem „Jumbo“-Markt in Terneuzen passiert, knapp 50 Kilometer entfernt, durch den Scheldetunnel: Der Parkplatz war vollgestellt mit Einkaufswagen. Dort, zeigt das von der Frau gepostete Bild, waren die Winkelwagentjes aber offenbar nicht ganz so akkurat geparkt worden.

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Hinter der Aktion steckt offenbar eine TikTok-Challenge, glaubt auch de Kok, „das haben wir den Reaktionen auf unser Facebook-Posting entnommen“, sagt er. Offenbar kursiert diese Challenge nun in den Niederlanden. De Kok mag niemanden zum Nachahmen einladen, aber das mit den Einkaufswagen sei in den Niederlanden seit der Corona-Pandemie vereinfacht worden: „Sie sind nicht mehr angekettet.“

Erste Fälle dieser Einkaufswagen-auf-Parkplatz-Challenge waren in Deutschland offenbar schon im August 2025 aufgetaucht: An einer Lidl-Filiale in Kirn und einem „Globus“-Markt in Idar-Oberstein, beides in der Pfalz. Vor kurzem postete die Recklinghäuser Zeitung von einem Lidl-Parkplatz in Recklinghausen ebenfalls umgeparkte Einkaufswagen.

Facebook-Kommentar: „Immer noch besser als Vandalismus“

Aus den Niederlanden tauchte jüngst ein Bericht über eine Aktion auf einem Aldi-Parkplatz in Maastricht auf. Doch die Suche zeigt: Auch in den Niederlanden gibt es diese Challenge schon etwas länger: So berichtete die Zeitung DeStem im September 2025, dass auch vor einem Jumbo-Markt in Vlaardingen bei Rotterdam plötzlich eines Morgens alles mit den Einkaufswagen zugeparkt war. „Immer noch besser als Vandalismus“, meint ein Facebook-Nutzer zu diesen Einkaufswagen-Aktionen.

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Aus der Welt wird man solche Social-Media-„Challenges“ sehr wahrscheinlich nicht mehr bekommen. Und in Sachen TikTok und Co. gehören die Einkaufswagen-Aktionen eindeutig zu den harmlosen ‚Wettbewerben‘, mit deren Teilnahme sich vor allem Heranwachsende Spaß und etwas Aufmerksamkeit erhoffen. Ob sich beim „High UV Tanning“ in der Sonne zu rösten, Kühe mit Techno-Lärm zu beschallen, ob „Schulklos zu zerstören“ oder gegenseitiges Würgen vor laufender Handykamera beim „Blackout“-Challenge: Viele dieser Wettbewerbe sind kein Spaß und manche dieser angeblichen Mutproben gar schädlich bis lebensgefährlich.

TikTok-Challenges können auch lebensgefährlich sein

„TikTok-Challenges sind sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen“, hatte die Landesanstalt für Medien NRW 2024 in einer Studie veröffentlicht. So drehe sich zwar „die große Mehrheit der auf TikTok auffindbaren Challenge-Videos um neutrale, harmlose Dinge“. Doch bis zu einem Drittel der dort zu findenden Videos seien zu „negativen“ Challenges zu zählen. Die wenigsten davon seien aber potenziell gefährlich, urteilte die Studie. Manche Heranwachsende sehen sich durch den Reiz der TikTok-Öffentlichkeit jedoch dazu verführt, sich in Lebensgefahr zu bringen: 2024 etwa hatte der Tod einer 13-Jährigen aus Schwerte für Aufsehen gesorgt. Sie soll sich für ein TikTok-Video einer Bahnoberleitung zu sehr genähert haben.

Vom Domburger Albert-Heijn-Chef de Kok dürften die Einkaufswagen-Parker indes keine bösen Dinge zu erwarten haben. Beim Anruf im Geschäft quittiert man die Nachfrage mit Lachen. Auf Facebook versicherte der Marktleiter auf manche Kommentare hin: Nein, die bisher unbekannten Täter würden von ihm nicht mit einem Hausverbot belegt werden. Zudem hätten sie sich auch noch gar nicht auf sein Job-Angebot hin gemeldet. Eines aber hoffe er: „Dass das bei uns nicht öfter passiert.“