Sie wird nur bis zu sechs Millimeter groß, sorgt jedoch für Aufsehen in der Region: Die Hirschlausfliege bereitet Pferde- und Hundebesitzern sowie Waldspaziergängern Sorgen. Denn die als „fliegende Zecken“ betitelten Blutsauger stechen schmerzhaft zu und können Krankheiten übertragen. Wie gefährlich der Parasit wirklich ist und wie man sich und Tiere schützen kann.
Pferdehalter: Hirschlausfliege macht die Pferde verrückt
„Hirschlausfliegen sind sehr fies und penetrant – schlimmer als Bremsen“, sagt Helmi Abeck vom Reitsportverein St. Hubertus Wesel-Obrighoven. Bei warmem, trockenen Wetter mit wenig Wind komme es in der Woche ein bis zwei Mal dazu, dass ein Pferd gebissen werde. „Sie stechen, bleiben hartnäckig sitzen und lassen sich dann irgendwann fallen. Die Pferde flippen teilweise aus und schlagen mit den Hinterbeinen.“ Das Problem: Wegen ihres flachen Körperbaus und des harten Panzers könne man die Hirschlausfliege nicht einfach erschlagen. „Man müsse sie nach dem Entfernen wie eine Zecke zerdrücken.“
Um die Pferde zu beruhigen müsse man sie mit Wasser abspritzen, wie Abeck weiter erklärt. „Allerdings setzen sich die Hirschlausfliegen auch oft unter den Schweif an die Weichteile. Da ist es auch keine Hilfe, wenn die Pferde sich wälzen. Wir versuchen sie zu beruhigen, um die Hirschlausfliege gepackt zu kriegen und zu zerdrücken. Und dann beten wir, dass so schnell keine wiederkommt.“ In den letzten zwei Wochen habe ihnen immerhin das oft nasse Wetter in die Karten gespielt und es sei in dieser Zeit kein lästiger Parasit aufgetaucht.
Die Hirschlausfliege
Die zur Familie der Lausfliegen gehörende Hirschlausfliege lebt als Parasit blutsaugend an Waldrändern und -lichtungen, erklärt Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW. Ihre bevorzugten Wirtstiere seien Rothirsche und Rehe. Menschen oder Hunde seien keine üblichen Wirtstiere.
Die Hirschlausfliege trägt oft Bakterien der Gattung Bartonella in ihrem Körper. Unklar ist aber, ob sie diese bei einem Stich aber auch überträgt, wie hoch das Risiko einer Übertragung ist und ob der Mensch davon krank werden könnte. Die Forschung steht noch am Anfang.
Mit Melkfett und Fliegenspray gegen fliegende Blutsauger
Wenn sie aber doch mal kommen, fänden die Hirschlausfliegen auch den Weg in den Pferdestall und stechen nicht nur auf der Weide zu. Ein Trick, um die Pferde zumindest teilweise zu schützen: „Man kann die Tiere mit Melkfett einschmieren, denn darauf können die Hirschlausfliegen sich nicht gut setzen“, rät Abeck. Zudem gebe es mittlerweile Fliegenspray, auf dessen Packung auch die Hirschlausfliege mitaufgeführt ist. Getestet habe Abeck diese jedoch noch nicht.
Der kleine Blutsauger ist indes noch ein relativ neues Problem für Pferdehalter, wie Abeck sagt. Erst seit vier oder fünf Jahren komme sie in ihrer näheren Umgebung vor. „Früher gab es die mehr in den Wäldern bei Schermbeck.“ Von Krankheiten, die für Pferde gefährlich sein könnten, habe sie aber noch nicht gehört.
Experten sorgen sich mehr vor Zecken
Das gilt auch für das Risiko der Krankheitsübertragung auf den Menschen, wie Dr. Burkhard Bauer vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin erklärt. „Dazu ist noch nichts bekannt.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Krankheit übertragen wird, schätzt er jedoch nicht hoch ein. „Die Hirschlausfliege ist lästig und wirkt beunruhigend, wenn sie an Pferde oder Hunde geht.“
Was den Menschen angeht, seien Zecken ein weitaus größeres Problem, so Bauer. „Ich erwarte von der Hirschlausfliege besonders für den Menschen keine große Bedrohung. Da machen mir die Mücken mehr Sorgen.“
Auch Holger Sticht, Vorsitzender des Umweltverbands BUND NRW hält die Hirschlausfliege für nicht gefährlich für den Menschen. „Wir gehören nicht zu ihren Wirten, sodass es zwar häufig zu Anflügen kommt, aber seltener zu Bissen. Das durfte ich erst am vergangenen Wochenende hautnah erleben“, berichtet er. „Es ist kein behagliches Gefühl, von diesen Tieren angeflogen zu werden, weil sie kaum auf Abwehrbewegungen reagieren und weil sie einen leisen Flug haben.“
Mögliches Risiko für Allergiker
Aufgrund der Größe entdecke man sie meist schnell und könne sie aufgrund ihrer langsamen Fortbewegung auf dem Körper auch schnell entfernen, so Sticht weiter. „Es soll aber Menschen mit allergischen Reaktionen geben, die auf Bisse empfindlich reagieren.“
Der kleine Parasit komme wahrscheinlich seit Jahrtausenden in NRW vor, erklärt Sticht. „Ich selbst kenne sie von kleinauf, wie wahrscheinlich alle, die im Wald arbeiten oder unterwegs sind, bin allerdings noch nie gebissen worden.“ Es gebe aktuelle eine Ausbreitung nach Nordeuropa. Üblicherweise bewohne die Hirschlausfliege Waldränder und -lichtungen. Ein besonderer Schutz sei nicht nötig, ist Sticht sicher und meint: „Wegen Zecken sind beim Wandern ohnehin immer Hosen anzuraten.“



