Umgedrehte Biergläser stehen hinter dem silbernen Zapfhahn auf dem Tresen, auf einer Kommode stehen glänzende Pokale, an den weiß und grün gestrichenen Wänden hängen Bilder, die an große Momente eines Schützenvereins erinnern. Es ist die St. Sebastianus Schützenbruderschaft aus Duisburg-Serm, die seit vergangenem Mai von dem Königspaar Uwe und Michaela Kessel angeführt wird. In dem von außen zunächst unscheinbaren Häuschen, das im idyllischen Garten des Duisburger Paares steht, trägt die Kompanie immer wieder ihre Feierlichkeiten aus.
„Seitdem hier in Serm die letzte Kneipe dichtgemacht hat, finden unsere Veranstaltungen meistens hier statt“, erzählt der Schützenkönig, der seiner Schützenbruderschaft schon seit etwa 40 Jahren die Treue hält. Seine Vereinskollegen rechnen ihm das offenbar hoch an und haben in den vergangenen Wochen fleißig für ihn und seine Frau abgestimmt – mit Erfolg: Jetzt können sich die beiden über die nächste Krone freuen. Denn Uwe und Michaela Kessel sind das NRZ-Königspaar 2024 des Ruhrgebiets.
Knappes Rennen um NRZ-Königspaartitel
„Eigentlich haben wir gar nicht mehr damit gerechnet“, sagt Michaela Kessel. In der Qualifikationsphase des Wettbewerbs blieb das Paar immer knapp hinter Martin Blöhm und Denise Kaufmann, einem Schützenpaar des BSV-Essen-Fronhausen. Im Finale konnten sich die Duisburger dann aber doch noch behaupten und die Wahl für sich entscheiden. „Das ehrt uns natürlich sehr“, so Michaela Kessel, die ihren Mann vor 40 Jahren ins Schützenwesen „hineingezogen“ hat.

Die 61-Jährige ist schon fast ihr Leben lang im Schützenverein aktiv, kennt die Tradition von Geburt an. Ihrem Mann musste sie das aber erstmal schmackhaft machen. „Eigentlich war das nie so mein Ding. Ich habe damals noch Handball gespielt und hatte erstmal wenig Lust auf diese ganzen Veranstaltungen“, erinnert sich Uwe Kessel. Doch die Skepsis war schnell verflogen, 1997 nahm er sogar zum ersten Mal am Königsschießen teil – und gewann.
Seit Jahren fest verankert: „Gemeinschaft ist immer noch toll“
Das Paar feiert aktuell also schon die zweite Amtszeit. Viel geändert habe sich bei den Schützenvereinen nicht. „Es sind vielleicht ein paar Vereine weniger geworden und einige tun sich inzwischen immer schwerer, Nachwuchs zu finden. Im Großen und Ganzen steht aber immer noch die Gemeinschaft im Verein und die Freundschaft zu anderen Vereinen im Vordergrund“, erklärt der Schützenkönig. „Und diese Gemeinschaft ist immer noch toll“, ergänzt seine Königin. Auch im örtlichen Karnevalsverein sind beide mittlerweile seit Jahren aktiv.

Als Highlight ihrer aktuellen Amtszeit nennen die Duisburger natürlich den Festzug als frisch gekürtes Königspaar und die anschließende Feier im Festzelt im vergangenen Mai. Seitdem haben Uwe und Michaela Kessel schon zahlreiche Schützenfeste der umliegenden Vereine besucht. „Klar, das kostet viel Zeit und auch ein wenig Geld, aber es macht eben auch sehr viel Spaß“, erzählt der 65-Jährige. Die Saison sei aber mittlerweile langsam vorbei. Jetzt steht als nächster Höhepunkt der Diözesan-Königsempfang Ende Oktober an.
Diesen Preis erhält das Königspaar
Genau wie die beiden anderen NRZ-Königspaare aus Goch und Düsseldorf dürfen sich auch Uwe und Michaela Kessel neben dem Titel über einen Preis freuen: 500 Euro und 150 Liter Freibier! Das Geld würden die Dusiburger allerdings nicht wie ursprünglich gedacht in die nächste königliche Feier investieren, ihnen schwebt vielmehr die Unterstützung eines wichtigen Projekts vor.
Seit 2021 betreibt ein eigens dafür gegründeter Förderverein die katholische Kirche in Duisburg-Serm. Im kommenden Jahr hätte diese immerhin geschlossen werden sollen. Denn die Pfarreien im Bistum Essen müssen in den nächsten Jahren viel Geld sparen, um den Haushalt auszugleichen. Jetzt kümmert sich der Förderverein um die Finanzierung, 30.000 Euro will man dafür jährlich aufbringen. „Das möchten wir unbedingt unterstützen und der Förderverein kann jede Hilfe gebrauchen“, erklärt der Duisburger.
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Das Freibier werde erstmal im Schützen- und im Karnevalsverein aufgeteilt. „Das heißt aber nicht, dass wir unseren NRZ-Königstitel nicht mehr feiern wollen“, stellt Uwe Kessel klar. „Das werden wir auf jeden Fall noch machen“ – natürlich wieder Zuhause im Partyhäuschen.



