Nur etwa jeder vierte Studierende wohnt noch bei den Eltern. Der Rest wohnt größtenteils zur Miete: In einer Wohnung, einem Studierendenwohnheim oder einer WG, um Kosten zu sparen. Doch selbst für eine gemeinsam genutzte Wohnung müssen Studierende in Deutschland tief in die Tasche greifen.

Zu Beginn des anstehenden Sommersemesters kostet ein WG-Zimmer im Schnitt fast 500 Euro. Das haben das Moses-Mendelssohn-Institut (MMI) und das Portal wg-gesucht.de herausgefunden. Besonders teuer ist es in den Millionenstädten wie München und Berlin. Doch wie teuer ist es in NRW? Wie viel müssen Studierende für ein WG-Zimmer am Niederrhein zahlen?

Wer für sein Studium umzieht, ist in der Regel auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Können die Eltern das nicht leisten, sollen Betroffene Bafög erhalten, um ihre Lebenshaltungskosten decken zu können. Für die Miete ist in der staatlichen Förderung sogar eine Wohnkostenpauschale enthalten. Das Problem: In vielen deutschen Städten reicht diese nicht mal für ein durchschnittliches WG-Zimmer aus. Zu Beginn des vergangenen Semesters wurde die Bafög-Pauschale von 360 auf 380 Euro erhöht. Damit liegt sie aber immer noch über 100 Euro unter dem durchschnittlichen Preis für ein WG-Zimmer in Deutschland.

Was kostet ein WG-Zimmer in Düsseldorf?

In NRW werden die Mietpreise angeführt von der Landeshauptstadt Düsseldorf. Hier müssen Studierende für ein Zimmer laut MMI im Schnitt 590 Euro zahlen – rund 100 Euro mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt eine steile Entwicklung: Zum Sommersemester 2022 hat ein WG-Zimmer hier noch 460 Euro gekostet. 2013 waren es sogar nur 330 Euro.

Auch interessant

Im Ruhrgebiet ist das Wohnen hingegen deutlich günstiger. Für ein Zimmer zahlen Studierende in Essen zum anstehenden Sommersemester 425 Euro, in Duisburg sind es 5 Euro mehr. Auch der Preisanstieg fällt hier weniger drastisch aus: Zum Sommersemester 2022 lagen die Preise bei 340 und 350 Euro. Dennoch ein stärkerer Anstieg als bei der Bafög-Wohnkostenpauschale. Stefan Brauckmann, geschäftsführender Direktor des MMI, fordert deshalb eine dynamische Anpassung an die tatsächliche Preisentwicklung: „Dabei muss auch verstärkt berücksichtigt werden, dass die meisten Studierenden in Städten immatrikuliert sind, in denen deutlich höhere Lebenshaltungskosten zu tragen sind.“

Seit 2009 lockt die Hochschule Rhein-Waal aber auch immer mehr Studierende in die ländlichen Gebiete des Niederrheins. Mehr als 7000 Menschen studieren inzwischen an den beiden Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort. Das hatte auch Folgen für den dortigen Wohnungsmarkt. Viele Wohnungen mussten gebaut werden. Der Anteil der Menschen, die in ihrer eigenen Immobilie leben, ging im Kreis Kleve überdurchschnittlich stark zurück.

Was kostet ein WG-Zimmer in Kleve?

Und mit der steigenden Nachfrage nach Wohnungen stiegen auch die Mietpreise. Inzwischen zahlen Mieter für ein WG-Zimmer in Kleve durchschnittlich 402 Euro, erklärt Annegret Mülbaier, Sprecherin von wg-gesucht.de, auf Anfrage der NRZ. Auch in Kamp-Lintfort liegen die Preise für ein Zimmer über der Wohnkostenpauschale: im Schnitt sind es hier 415 Euro pro Person in einer Wohngemeinschaft.

800 Euro für ein Zimmer in München

Ausgewertet wurden vom MMI alle 88 deutschen Hochschulstandorte mit über 5000 Studierenden und Wohngemeinschaften für zwei bis drei Personen, bei denen ein Zimmer frei war. Für ein WG-Zimmer zahlen Studierende in Deutschland im Schnitt 493 Euro. Das entspricht einer Steigerung von etwa einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen beziehen sich auf den Angebotspreis auf dem Portal wg-gesucht.de, der in der Regel auch schon die anteiligen Nebenkosten sowie Strom und Internet beinhaltet.

Mit durchschnittlich 800 Euro für ein WG-Zimmer führt München die Liste der teuersten Hochschulstädte an, in Berlin werden im Schnitt 650 Euro und in Hamburg 610 Euro für ein Zimmer fällig. In Düsseldorf sind es 590 Euro.

Da diese oft günstiger sind, bewerben sich Semester für Semester auch viele Studierende am Niederrhein um einen Platz in einem Wohnheim. Hier würden die Studierenden zur sogenannten Kostenmiete wohnen, bei der sich die Miete ganz nach den Ausgaben des Vermieters richtet. Die Höhe werde daher auch jährlich geprüft, versichert Matthias Hensche im Gespräch mit der Redaktion. Er ist Abteilungsleiter für studentisches Wohnen, Bauwesen und Liegenschaften beim Studierendenwerk Düsseldorf, das insgesamt 25 Wohnanlagen in Düsseldorf und Mönchengladbach, aber auch in Kleve und Kamp-Lintfort betreibt.

So viel kostet ein Zimmer im Wohnheim

Es seien also auch Mietsenkungen möglich, „jedoch sieht es auch nach dem zurückliegenden Jahr leider nicht danach aus“, erklärt Hensche. Doch wie teuer ist ein Zimmer in einem Wohnheim überhaupt? „Das Gros unserer Wohnplätze kostet zwischen 320 und 370 Euro.“ Bei der genauen Höhe komme es auf das Alter der Immobilie und die Wohnfläche an. „Früher wurden häufig Zweier-Appartements bis 40 Quadratmeter Grundfläche gebaut. Jüngere Wohnanlagen stellen jedem Mieter 25 Quadratmeter zur Verfügung.“

Matthias Hensche leitet die Abteilung studentisches Wohnen, Bauwesen, Liegenschaften beim Studierendenwerk Düsseldorf.
Matthias Hensche leitet die Abteilung studentisches Wohnen, Bauwesen, Liegenschaften beim Studierendenwerk Düsseldorf.© FUNKE Foto Services | Volker Herold

Diese Einzelzimmer seien allerdings auch sehr beliebt, die Wartezeiten „erheblich länger als bei Bewerbenden, die auch Wohngemeinschaften akzeptieren“, sagt Hensche, der jedes Jahr sehr vielen Interessierten absagen muss. Darüber hinaus nimmt das Studierendenwerk vor allem internationale Studierende auf. Ihr Anteil im Wohnheim in Kamp-Lintfort liege bei über 90 Prozent. „Zum einen gibt es da aufgrund der englischsprachigen Studiengänge ohnehin sehr viele Studierende aus dem Ausland, zum anderen möchten wir uns natürlich auch um diejenigen kümmern, die auf dem privaten Wohnungsmarkt weniger vielfältige Chancen haben“, erklärt der Abteilungsleiter.

Teure WG-Zimmer: Stabilisierung auf dem Wohnungsmarkt?

Auch wenn die Wohnkosten erneut im vergangenen Jahr erneut angestiegen sind, betont Mülbaier, das aktuelle Wachstum sei im Vergleich moderat und der Markt würde sich beruhigen. „Diese Stabilisierung ist ein positives Signal und könnte dazu führen, dass Mieter weniger gezwungen sind, an ihren bestehenden Mietverhältnissen festzuhalten. Dadurch entsteht mehr Dynamik und neues Angebot kommt auf den Markt“.

Folgen Sie der Redaktion auf Social Media: