Es war ein Schock für Spargelbauer Dirk Janßen. Ende April hatten unbekannte Täter über Nacht sein komplettes Spargelfeld in Walbeck leergeräumt. Vier Tage später sogar ein erneuter Diebstahl: insgesamt wurden rund 400 Kilogramm grüner Spargel geklaut. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erklärte Janßen im Gespräch mit der Redaktion. Um den Diebstahl zu stoppen und die Täter zu fassen, setzte er 500 Euro Belohnung aus für Hinweise, die zu den Tätern führen – jedoch ohne Erfolg.
„Wir haben zwar einige Hinweise bekommen, aber davon hat uns keiner so richtig weitergebracht. Die Täter wurden nie gefunden“, klärte der Spargelbauer am Dienstag auf Anfrage auf. Während der Erntesaison habe er zusätzlich noch Überwachungskameras auf seinem Spargelfeld aufstellen lassen. Von einem privaten Sicherheitsdienst, der im Fall der Fälle in wenigen Minuten vor Ort gewesen wäre. Doch dazu sei es glücklicherweise nie gekommen, nach den beiden Vorfällen im Frühling wurde der Familienbetrieb verschont.
Das ein Hektar große Feld bis zur nächsten Erntesaison einzuzäunen, sei keine Option. „Bei der Größe wäre das extrem teuer. Und eine Garantie dafür, dass nichts passiert, hätte man trotzdem nicht. Wir müssen also einfach hoffen, dass sich das nicht wiederholt“, so Janßen.
So berichtete die NRZ am 28. April 2025
Noch am Samstag hat Spargelbauer Dirk Janßen sein ein Hektar großes Spargelfeld in Walbeck begutachtet und sich „über die üppige Ernte gefreut“. Am nächsten Morgen erhält er einen Anruf eines Mitarbeiters: Das Feld sei über Nacht leergeräumt worden. „Zuerst habe ich mir nicht viel dabei gedacht. Es passiert leider immer wieder, dass Privatleute sich kleine Mengen für den Eigengebrauch mitnehmen“, erzählt Janßen im Gespräch mit der NRZ. Vor Ort wartet dann die böse Überraschung: Diebe haben tatsächlich alles mitgenommen.
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Rund 250 Kilogramm grüner Spargel müssen es gewesen sein, schätzt der Landwirt. Im Handel werde ein halbes Kilogramm aktuell für 8 Euro verkauft, krummer Spargel geht etwas günstiger weg. Von einfachen Privatleuten geht er deshalb nicht aus. „Das waren Profis, die den Spargel jetzt irgendwo weiterverkaufen.“
250 Kilogramm Spargel gestohlen: Täter ernteten Reihe für Reihe
Auf dem Feld seien die Täter systematisch vorgegangen und hätten jede einzelne Reihe abgeerntet. „Da grüner Spargel oberirdisch wächst, lässt er sich relativ leicht aus dem Boden ziehen“, erklärt Janßen. Ganz säuberlich wurde dabei aber nicht immer gearbeitet. Hier und da ragen am nächsten Tag noch abgebrochene Stangen aus der Erde, offenbar musste es schnell gehen. Auch nachwachsende Stangen haben die Täter nicht verschont, damit sei die Ernte der kommenden Tage ebenfalls verloren.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, erzählt der fassungslose Spargelbauer. Dabei käme es leider immer wieder vor, dass vorbeikommende Spaziergänger oder Fahrradfahrer sich an seiner Ernte bedienen. „Das sind dann zwar nur kleine Mengen für Zuhause, aber das geht natürlich trotzdem nicht. Das ist unsere Arbeit, mit der wir unseren Lebensunterhalt verdienen.“ Verständnis hätten trotzdem nicht alle, die beim Klauen erwischt werden. „Hier wächst doch wohl genug“ habe er schon mehrfach von Privatleuten gehört. „Wie man das so relativieren kann, fällt mir wirklich schwer zu verstehen.“
Das ist unsere Arbeit, mit der wir unseren Lebensunterhalt verdienen.
Spargelbauer Dirk Janßen, wurden rund 250 Kilogramm Spargel gestohlen.
Auch Erdbeeren werden immer wieder geklaut
Auch Dirk Buchmann vom Schulte-Drevenacks-Hof in Hünxe erlebt solche kleinen Diebstähle immer wieder. „Beim weißen Spargel passiert das zum Glück nur ganz selten, da macht man sich ja auch ordentlich die Hände schmutzig“, scherzt der Betreiber. Dafür würden sich aber immer wieder Leute an seinen Erdbeeren bedienen.
„Da fehlen mir echt die Worte. Oft verstehen diese Menschen dann auch nicht, warum sie das nicht dürfen. Dann müssen wir leider die Polizei rufen“, erklärt Buchmann. Wer vernünftig mit sich reden lasse, würde aber auch ohne eine Anzeige davonkommen und die Erdbeeren zum doppelten Preis behalten dürfen.
Eine Tonne Äpfel geklaut
Der Spargel bleibt beim Spargel- und Obsthof Peter Heinen in Wesel größtenteils verschont. „Der weiße Spargel macht zu viel Arbeit und der grüne ist direkt bei uns am Hof, da wäre es vielleicht zu gefährlich“, erzählt Peter Heinen auf Nachfrage der Redaktion. Nächstes Jahr wolle der Betrieb aber noch eine weitere Grünspargelfläche einweihen, die etwas ruhiger gelegen ist. „Die werden wir dann auf jeden Fall einzäunen“, ist der Spargelbauer entschlossen.
Von Diebstahl verschont bleibt seine Ernte schließlich ebenfalls nicht. Bei ihm haben es die Diebe vor allem auf die Äpfel abgesehen. Einen besonders dreisten Diebstahl vor mehr als zehn Jahren werde er wohl nie vergessen: „Da haben Profis zugeschlagen und ungefähr eine Tonne Äpfel geklaut.“
Wo das Äpfelpflücken erlaubt ist
Wer sich auf einem Privatgelände unerlaubt am Obst oder Gemüse bedient, begeht Diebstahl und riskiert eine Anzeige und eine Geldstrafe. Auf öffentlichem Grund kann es aber erlaubt sein, den Apfel vom Baum oder die Himbeere vom Strauch zu pflücken. Unter mundraub.org können Menschen online Orte melden, an denen sich Spaziergänger bedienen dürfen. Diese werden gesammelt und auf einer Karte angezeigt. Wer sich dort bedienen möchte, sollte jedoch trotzdem immer darauf achten, keine Eigentumsrechte zu verletzen und verantwortungsvoll mit den Lebensmitteln umzugehen, schreiben die Betreiber auf der Seite.
Einen so großen Vorfall gab es seitdem zwar nicht mehr, kleinere Mengen werden dafür aber immer wieder von Vorbeilaufenden eingesteckt. „Manchmal gehen Leute sogar mit einer Einkaufstasche auf das Feld, damit sie mehr tragen können“, erzählt Heinen fassungslos. Und obwohl es sich um Diebstahl handelt, würden es viele Diebe nicht so eng sehen. „Wenn man sie konfrontiert, sagen sie zum Beispiel, dass sie die Äpfel erst mal probieren wollen, bevor sie bei uns welche kaufen. Das ist natürlich grundsätzlich möglich, aber eben nicht so.“
Hinweise gesucht: 500 Euro Belohnung ausgesetzt
Für den Eigenbedarf waren die Täter auf dem Feld der Familie Janßen aber bestimmt nicht unterwegs, da ist sich Dirk Janßen sicher. „Wer so viel klaut, hat auch den Absatz dafür.“ Den Schaden für seinen Betrieb im traditionsreichen und geschützten Anbaugebiet Walbeck schätzt Janßen auf rund 2500 Euro. „Diese Dreistigkeit macht mich wütend. Und ich möchte verhindern, dass so etwas noch mal passiert. Weder mir noch einem anderen Betrieb.“ Für Hinweise auf die Täter hat er deshalb eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt. Wer etwas gesehen hat, kann sich unter der Telefonnummer 02831/12 50 an die Polizei in Geldern wenden.




