Das Tor öffnet sich... und sofort laufen Ella und Luisa über die Wiese bis hin zu einer Muschel, die ausnahmsweise mal nicht mit Sand, sondern mit Körnern gefüllt ist. Die Zwillinge ziehen ihre Schuhe aus und graben ihre nackten Füße ein oder häufen kleine Hügel auf. Das fühlt sich einfach lustig an! Ihre Mutter kennt das Phänomen, „gerade bei Kleineren geht‘s erstmal darum, die Sinne anzusprechen“, sagt sie. Die Älteren, und dazu zählen auch schon die Dreijährigen, können dabei aber gleich noch etwas lernen. „Die Körner sollten nicht nass werden“, sagt sie, „denn die Hühner wollen sie später noch essen.“ Dadurch kommt Ella eine Idee... Sie springt auf und rennt zur „Matschküche“, um sich einen großen Topf zu schnappen und ein eigenes Gericht zu kochen. Luisa dagegen beschäftigt sich erstmal weiter mit dem Bauen und Graben, bevor es gleich weiter zu den Tieren geht.

Nun, wenn die 33-Jährige erklären soll, wie ein Kurs bei ihr auf dem Kerschenhof abläuft, kann sie mit einem Lachen sagen: „Genau so!“ Vor zehn Jahren sind sie und ihr Mann hierhergezogen, seit sieben Jahren bietet sie gemeinsam mit ihrer Mutter und einer Kollegin verschiedene Naturspielgruppen, Begegnungsstunden, Lamawanderungen, Kindergeburtstage und mehr an. Ohne die Natur geht‘s bei ihr einfach nicht, erklärt sie: „Ich war früher schon bei den Pfadfindern.“ Nach der Schule folgte erst das Studium der Heilpädagogik, dann die Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Intervention und aktuell macht sie eine Weiterbildung zur Natur- und Waldpädagogin. All das spiegelt sich auch in den Angeboten des Erlebnishofes wider. Da wären beispielsweise die wöchentlichen Spielkreise, in denen Eltern und Kinder spielerisch den Umgang mit der Natur und den Tieren erleben können.

Wandern mit Lama Rasputin

Gerade erst waren die „Naturzwerge“, die bis zwei Jahre alt sind, wieder da und haben die Muschel mit Körnern erkundet. So wie nun Ella und Luisa. Die beiden zählen aber eigentlich zu den „Naturkindern“, die zwischen zwei und drei Jahre alt sind und die bei ihren Spielkreisen dann eben noch etwas mehr über die Hühner lernen können. Gemeinsam geht‘s in den Stall, um die Tiere zu sehen, Federn zu sammeln oder Eier zu suchen. Dabei stellen sie fest: Die Eier sehen ja alle ganz anders aus! Manche sind weiß, manche braun, andere schimmern aber auch grünlich oder bläulich. „Fast wie ein Korb voller Ostereier“, so beschreibt es die Expertin. Überhaupt, die Hühner sind immer der Renner, weiß sie, „alle sind immer ganz fasziniert von ihnen.“ Doch auch die anderen Tiere, und davon gibt es einige, sind beliebt.

Erstmal Schuhe ausziehen und dann ab in die Muschel mit Körnern! Ella und Luisa erleben jeden Tag auf dem Kerschenhof in Alpen ein neues Abenteuer.
Erstmal Schuhe ausziehen und dann ab in die Muschel mit Körnern! Ella und Luisa erleben jeden Tag auf dem Kerschenhof in Alpen ein neues Abenteuer.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

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„Das ist Rasputin“, stellt Sarah Meyers das Lama vor, das passenderweise gleich zum Zaun gekommen ist, denn: „Er ist der Chef.“ Vier Lamas stehen aktuell auf der Wiese, ein fünftes Tier soll im kommenden Sommer dazustoßen. „Die Lamas waren mein Endziel bei den Tieren“, sagt sie und lacht. Rasputin und seine Kollegen sind aber auch faszinierend! Doch eine Frage kommt bei Klein und Groß immer schnell auf: „Spucken die auch?“ Die 33-Jährige nickt. „Aber nur untereinander.“ Diese und weitere Fakten lernen Interessierte übrigens bei einer Lamawanderung oder beim Lamaführerschein. Letzteren müssen Ella und Luisa natürlich nicht mehr machen – mit ihren drei Jahren bewegen sie sich routiniert zwischen den, nicht gerade kleinen, Lamas. „Das ist natürlich ein Privileg, wie wir hier leben“, sagt ihre Mutter. Und schon jetzt zeigt sich, was das für die Zwillinge bedeutet.

Besondere Momente in der Natur

„Sie haben ein echtes Naturverständnis“, sagt Sarah Meyers. „Jeder Regenwurm, jede Schnecke muss gerettet werden.“ Genau das ist auch der Grund, weshalb sie anderen Kindern ein ähnliches Angebot machen möchte. „Man muss bei den Kleinsten anfangen, damit sie lieben lernen, was sie später beschützen sollen.“ Und tatsächlich laufen die Kurse so gut, dass sie nun sogar eine neue Naturspielgruppe gründet. Die acht „Feldmäuse“ zwischen anderthalb und vier Jahren treffen sich ab Oktober immer montags und mittwochs von 8.30 bis 11.30 Uhr, um draußen an der frischen Luft zu spielen, zu singen oder die Tiere zu füttern. Zugegeben, im Herbst und Winter könnte es auch schon mal nass werden. Deshalb gibt‘s eine Jurte, in die Ella und Luisa nun stürmen. Schnell aufs Sitzkissen springen und entspannen... Ja, so lässt es sich aushalten!

Auf dem Kerschenhof in Alpen können Familien eine Lamawanderung oder auch einen Lamaführerschein machen.
Auf dem Kerschenhof in Alpen können Familien eine Lamawanderung oder auch einen Lamaführerschein machen.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Während die beiden sich ausruhen, verrät die 33-Jährige, dass bei den „Feldmäusen“ noch einige Plätze frei sind. „Das soll ein Angebot für Kinder sein, für die der Kindergarten oder eine Tagesmutter vielleicht noch nicht das Richtige ist.“ So war es auch bei ihren Zwillingen. „Und trotzdem wollen wir einen Raum schaffen, in dem die Kinder innerlich wachsen können.“ Da fällt ihr eine Situation mit einem anderthalbjährigen Kind und einem der Lamas ein... „Das Lama hatte sich in den Schatten gesetzt und das Kind hat sich an ihm hochgezogen und so das Laufen gelernt, weil es immer wieder Runden um das Tier gedreht hat.“ Klar, das muss sie direkt hinzufügen, „Lamas sind keine typischen Kuscheltiere“, aber die Situation damals war auch für das Lama entspannt, „sonst wäre es ja einfach aufgestanden und gegangen.“

Den Menschen und Tieren soll es gut gehen! Deshalb kuscheln Ella und Luisa erstmal eine Runde mit Schaf Anja.
Den Menschen und Tieren soll es gut gehen! Deshalb kuscheln Ella und Luisa erstmal eine Runde mit Schaf Anja. © FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Es sind solche Momente, die im Kopf bleiben – bei der Pädagogin, den Eltern, aber vor allem bei den Kindern. Und es dauert nicht lang, bis auch Ella und Luisa an diesem Tag für eine besondere Erinnerung sorgen... Die Schafe haben es sich im Schatten gemütlich gemacht und Anja liegt dabei leider genau vor dem Tor, durch das die Menschen nun eigentlich gerade gehen wollten. Statt sie aber zu verscheuchen, legt Ella vorsichtig ihren Kopf aufs Schaf und Luisa streichelt sanft dessen Stirn. Nach der Kuscheleinheit stehen die Kinder auf und das Tier gibt den Weg frei. Tschüss, Anja!

Die Spielkreise und Begegnungsstunden starten nach den Sommerferien, die Naturspielgruppe ab Oktober. Einige Plätze sind noch frei. Zudem können Kinder ihre Geburtstage auf dem Kerschenhof feiern – entweder mit einer Schatzsuche, einem Lamaführerschein, einer Lamawanderung, einer Woll- oder Papierwerkstatt. Weitere Informationen und Aktionen sind auf der Homepage zu finden: www.kerschenhof.de