Zunächst ist es nur ein länglicher Ballon oder, wie Maik Schugt es nennt, „eine gelbe Schlange“. Doch das ändert sich innerhalb weniger Sekunden. Der 40-Jährige dreht, knotet, zieht und zieht dann noch etwas länger... fertig ist ein kleiner Pudel. Wow, das ging schnell! Er lacht. „Das muss es auch“, sagt er. Schließlich sollen alle, gerade bei einem Kindergeburtstag, ein eigenes Kunstwerk bekommen. Und stundenlanges Warten macht nun wirklich niemandem Spaß! Deshalb muss es also fix gehen, wenn er aus einem Ballon einen Hund zaubert. Wobei, so viel sei an dieser Stelle schon verraten, es später noch sehr viel ausgefallener wird...

Maik Schugt ist Ballonkünstler. Und das seit, Moment, er muss kurz überlegen, „über 20 Jahren.“ Eigentlich fasziniert ihn das Thema aber noch länger, seit über 30 Jahren. „Als Kind war ich viel im Freizeitpark“, erzählt er. „Weil wir in Holland einen Wohnwagen hatten.“ Fast jedes Wochenende, jede Ferien verbrachte er mit seiner Familie in Duinrell. Und dort trat der Illusionist Hans Klok auf. „Seine Shows habe ich mir angesehen“, sagt er. „In den Sommerferien auch drei Mal am Tag, sechs Wochen lang.“ Immer wieder fragte er sich: „Wie macht er das bloß?“ Doch mindestens genauso begeistert war er auch vom Vorprogramm.

Krankenhaus statt Feuershow

Denn bis der große Zauberer auftrat, sorgte ein stummer Clown für gute Stimmung und zwar, genau, indem er aus bunten Ballons lustige Tiere formte. Einziges Problem: „Ich habe nie eines bekommen.“ Aber wie es oft so ist, geraten solche Erlebnisse irgendwann in Vergessenheit. Nun ja, fast. Bis er sich mit 17 Jahren dazu entschied, Feuerspucker zu werden. „Und wenn ich was möchte, mache ich es einfach“, sagt er. Also bestellte er sich die Materialien, übte die Techniken und wagte dann, nach einem Jahr intensiven Trainings, den ersten Versuch... der ihn ins Krankenhaus katapultierte. „Ich hatte Flüssigkeit und Feuer in meiner Lunge“, erzählt er.

Der Ballonkünstler aus Emmerich hat jede Farbe dabei und kann daraus so ziemlich alles zaubern.
Der Ballonkünstler aus Emmerich hat jede Farbe dabei und kann daraus so ziemlich alles zaubern.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Glücklicherweise trug der Emmericher keine bleibenden Schäden davon, nur eines war ihm nach dieser schmerzhaften Erfahrung klar: Vom Feuer lässt er ab sofort die Finger! Aber der Gedanke, eine eigene Show zu haben, reizte ihn auch weiterhin. Deshalb bestellte er noch im Krankenhaus (ganz ungefährliche) Karten und Ballons, um Zaubertricks und Ballonfiguren zu üben. Hier, er zeigt auf eine kleine Pumpe, „mit der habe ich 15 Jahre lang gearbeitet“, sagt er. „Aber das geht irgendwann in die Arme.“ Viel leichter ist es dagegen mit der stehenden Ballonpumpe, die er extra aus Amerika bestellt hat.

Ballonkatze für 95-Jährige

Einmal drücken... und schon ist das Plastik mit Luft gefüllt. Aber ist es nicht ganz schön kompliziert, daraus jetzt eine Figur zu formen? Maik Schugt schüttelt den Kopf. „Ich habe auch schon Workshops für Kinder ab der ersten Klasse gegeben“, antwortet er. „Theoretisch können Kinder das also auch lernen.“ Natürlich braucht es etwas Erfahrung, beispielsweise, wie viel Luft in einen Ballon kommt. „Man lässt immer eine Reserve“, erklärt er und deutet auf den hinteren Teil. Drehen, knoten, drehen... schon hält er ein Schwert in der Hand!

Innerhalb weniger Sekunden zaubert Maik Schugt aus Luftballons einen Spiderman.
Innerhalb weniger Sekunden zaubert Maik Schugt aus Luftballons einen Spiderman.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

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Über die Jahre ist er natürlich immer schneller, immer routinierter geworden. Schließlich hat der 40-Jährige mittlerweile rund 100 Shows im Jahr – bei denen nicht nur Kinder, sondern auch mal Erwachsene im Publikum sitzen. Neulich erst hat ihn ein Altenheim gebucht, „die älteste Bewohnerin war 95 Jahre alt“, erzählt er. Und weil in ihrem Zimmer überall Fotos von Katzen hingen, bekam sie natürlich eine Katze geschenkt. Ja, sagt er, „es ist einfach faszinierend, was man aus einem Ballon alles machen kann.“ Doch er verblüfft nicht nur mit Ballonkunst, sondern auch mit Zaubertricks.

Zaubertricks auf Kindergeburtstagen

Welche das sind? Nun, da wäre beispielsweise das leere Malbuch, durch das er einmal blättert. Normalerweise rubbeln alle Kinder die Farben ihrer Kleidung ab, um sie dann ins Buch zu zaubern. Jetzt aber muss ein Schnipsen reichen... und tatsächlich, danach sind alle Seiten bunt. Zauberei! Klar, gerade bei solchen Tricks kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Das Kind kann das Buch wegwerfen... was tatsächlich auch mal passiert ist. „Jeder Kindergeburtstag ist einzigartig“, betont Maik Schugt. Um die Kinder noch besser verstehen, noch besser einschätzen zu können, hat der gelernte Konditor sogar eine Ausbildung zum Erzieher gemacht.

Tiere, wie hier eine Katze, sind auf Kindergeburtstagen besonders beliebt.
Tiere, wie hier eine Katze, sind auf Kindergeburtstagen besonders beliebt.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Das hat ihm viel geholfen, wobei er immer noch sagen würde: „Kinderzauberei ist die schwierigste Sparte der Zauberei.“ Aber es macht eben auch besonders viel Spaß! Mindestens genauso viel wie die Ballonkunst. Hund, Katze, Blume und Schwert sind auf Kindergeburtstagen immer „der Renner“, wie er sagt, und natürlich das Einhorn. Von seinen drei Kindern erfährt er aber auch, was gerade besonders angesagt ist. „Papaaa, kannst du den Creeper von Minecraft?“, bekommt er beispielsweise zu hören. Nun ist die Figur ja eigentlich eckig... Aber kein Problem für ihn!

Der Ballonkünstler

Interessierte können Maik Schugt als Ballonkünstler für Kindergeburtstage oder auch andere Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Sommerfeste buchen. Preis auf Anfrage: www.ballonkünstler-niederrhein.de

Ebenso wenig wie ein Pikachu, den er gleich mal eben machen kann. Besonders beliebt ist aber noch eine andere Figur, für die er einen blauen Ballon und zwei rote Ballons miteinander verdreht und verknotet. Sieht noch ziemlich abstrakt aus, oder? Nun, etwas Geduld braucht es für solche Figuren schon... Nach ungefähr einer Minute schnappt er sich schnell einen Filzstift, mit dem er quietschend ein Gesicht aufmalt. Fehlt nur noch das Spinnennetz... und schon hängt dort: Spiderman!