Hier geht‘s lang zum Zeltplatz „Anna Fleuth“! An der Wiese mit den beiden Ponys links abbiegen, danach das kleine Tor mit Schwung öffnen, später am Zaun mit den weißen Gartenzwergen einfach vorbeilaufen... und dort drüben, an einem der langen Tische, steht Maria Wouters und plaudert mit einem ihrer Gäste. Gut geschlafen? Klar! Ulla Maria Zenner lächelt. „Abends geben die Frösche immer ein Konzert“, sagt sie, „und man muss dafür nichts extra zahlen.“ Es gibt doch nix Schöneres! Deshalb hat die Kölnerin ihren ursprünglichen Plan, nur fürs Wochenende zu bleiben, auch kurzerhand umgeschmissen und noch fünf weitere Tage drangehangen. „Ich liebe es, mit Fahrrad und Zelt unterwegs zu sein“, erklärt sie. „Das ist für mich die größte Freiheit!“
Wenn Maria Wouters so etwas hört, dann wird ihr mal wieder bewusst: Sie und ihre Familie haben alles richtig gemacht, damals, vor 15 Jahren. Wobei, überlegt sie dann, „Daniel, weißt du noch, wann wir zum ersten Mal darüber gesprochen haben?“ Ihr Sohn bringt noch schnell den Kaffee und dann auch gleich die Antwort: „Das war vor 20 Jahren.“ Ihr Mann Ludger nickt. „Wir haben uns gefragt, was wir mit dem großen Grundstück machen könnten“, fügt er hinzu. Bislang hatten hier nur ihre Pferde, Ziegen, Hühner, Gänse gelebt. Und für ihre vier Kinder war die Natur direkt vorm Haus natürlich ein Paradies, ebenso für ihre Freundinnen und Freunde, die nach jedem Besuch sagten: „Das ist wie Urlaub!“
Deshalb ist der Zeltplatz „Anna Fleuth“ bei Familien so beliebt
Wie wäre es also, wenn sie anderen Menschen tatsächlich einen Urlaub ermöglichen würden? Diese Idee kam ihnen, nachdem Daniel als Backpacker um die Welt gereist und dann wieder zurück nach Hause gekommen war. „Weil ich den Niederrhein einfach in mein Herz geschlossen habe“, sagt er und lacht. Ein Hostel wäre wahrscheinlich zu viel Arbeit, ein Zeltplatz dagegen genau das Richtige! „So etwas gibt‘s hier ja auch sonst nicht“, sagt Maria Wouters. Also kümmerten sie sich um Genehmigungen, schrieben Businesspläne, „wisst ihr noch, das Lied, das wir dazu gedichtet haben?“, erinnert sie sich und singt gleich „Anna Fleuth...“ Sie besuchten andere Campingplätze, um zu wissen: Das wollen wir genauso oder das wollen wir anders machen!

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Wohnmobile waren aber nie eine Option? Maria Wouters schüttelt den Kopf. „Wir waren früher selbst mit unserem Hauszelt unterwegs“, erzählt sie. Solche Urlaube waren für sie immer etwas ganz Besonderes, aufgrund der vielen Begegnungen. „Zelten verbindet“, fügt ihr Sohn hinzu. Die Wände sind dünn, wenn also nachts ein Kind schreit – oder die Frösche quaken –, dann hören das alle. „Und am nächsten Morgen kommt man ins Gespräch, weil man dieselben Erfahrungen gemacht hat.“ Besonders Familien mit „kleinen Stöpsen“, wie sie sagt, kommen gern zu ihnen. Weil ein Urlaub mit Zelt günstig ist, aber trotzdem auch Spaß macht. Nicht zuletzt, weil es dort drüben noch ein besonderes „Extra“ gibt...
Diese Leckereien vom eigenen Hof landen im Frühstückskorb
„Die Kinder lieben den Bauwagen“, erklärt Maria Wouters. Denn darin befinden sich Kinderbücher, Brettspiele und sogar Kuscheltiere. Auch der Sandkasten davor ist zwar klein, aber ausreichend. „Wir haben den Anspruch, pädagogisch zu vermitteln, dass Kinder nicht dauernd Animation brauchen“, erklärt Daniel. Deshalb gilt bei ihnen immer die Devise: „Erstmal ankommen und runterkommen!“ Die Kinder, aber vor allem auch die Erwachsenen. Und das klappt, kann auch Ulla Maria Zenner bestätigen, die nun ihr Müsli aufgegessen und ihren Kaffee ausgetrunken hat. Sie versorgt sich selbst, aber wer möchte, kann am Abend vorher auch ein Frühstück bei der Familie bestellen – mit selbstgebackenem Brot, hartgekochten Eier der eignen Hühner und, und, und...

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Samstagabends ist außerdem Pizzazeit! Dann steht der „Meister des Feuers“, wie Maria Wouters ihren Mann liebevoll nennt, am Steinofen. Teig und Sauce bereitet er vor, für den Belag sorgen die Gäste selbst. Und auch hier gilt: „Alles läuft langsam, langsam!“ Schließlich passt nur ein Blech nach dem nächsten rein. Macht aber nix! Dann bleibt Zeit, in Ruhe mit den anderen Gästen zu quatschen. „Das Miteinander ist einfach schön“, betont Maria Ulla Zenner, während sie über die Wiese bis zu ihrem Zelt läuft. Ganz hinten, mit Blick auf die Fleuth, hat sie sich ein Plätzchen im Schatten gesucht. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Wie geht‘s dem Rücken nach einer Woche auf der Isomatte? „Ich habe eher das Gefühl, dass ich hier weniger Rückenschmerzen habe“, antwortet sie.

Zelten in den Sommerferien
Für alle Kurzentschlossenen gibt‘s gute Nachrichten: Der Natur-Zeltplatz „Anna Fleuth“, Niersstraße 39 in Kevelaer-Winnekendonk, hat in den Sommerferien noch Kapazitäten frei.
Erwachsene (ab zwölf Jahren) zahlen neun Euro, Kinder (ab drei Jahren) zahlen sieben Euro pro Nacht. Dazu kommen die Kosten für ein kleines Zelt (bis sechs Quadratmeter) von sieben Euro oder für ein großes Zelt (bis 18 Quadratmeter) von neun Euro pro Nacht.
Weitere Infos und die Möglichkeit zur Reservierung gibt‘s online unter www.anna-fleuth.de
Reingucken? Ist ausnahmsweise erlaubt. Wobei, so viel zu sehen gibt‘s eigentlich nicht. Dort liegen Schlafsack, Trinkflasche und einige Kleidungsstücke... Nunja, für mehr ist auch kein Platz, oder? Sie lacht. „Mir kommt es vor wie im Schloss!“ Außerdem verbringt sie die meiste Zeit ja sowieso draußen auf dem Rad, das sie sich nun schnappt. Wohin es geht? „Vielleicht zum Solegarten“, sagt sie. Aber das entscheidet sie spontan. Schließlich hat sie im Urlaub ja die Freiheit, einfach das zu machen, worauf sie Lust hat!



