Vor drei Jahren hat sie bereits ihr Glück versucht, doch da hat es noch nicht für den Titel gereicht. Jetzt hat sie es endlich geschafft: Katharina Esser ist die neue Schützenkönigin des Schützenvereins Wesel-Feldmark „Vor‘m Clever Tor“. Für die 27-Jährige etwas ganz Besonderes, denn sie ist die erste Schützenkönigin der Vereinsgeschichte. „Umso stolzer bin ich, dass ich es geschafft habe. Es bedeutet mir viel und ist ein tolles Zeichen nach außen“, erzählt die Königin im Gespräch mit der NRZ.

Denn immer noch sind weibliche Schützenkönige eine Seltenheit, viele Vereine am Niederrhein hatten noch nie eine Schützenkönigin, in einigen Vereinen dürfen Frauen immer noch nicht am Königsschießen teilnehmen. Warum nicht? „Das ist eine gute Frage“, antwortet Esser und lacht. Seit rund zehn Jahren ist sie schon in dem Weseler Schützenverein aktiv und hat in Diskussionen mit anderen Vereinen schon verschiedene Begründungen gehört.

Frauen immer noch selten auf dem Schützenthron

„Alteingesessene berufen sich da gerne auf die Tradition. ‚Das war schon immer so, also soll es auch so bleiben‘, hört man da immer wieder.“ Ein schwammiges Argument, findet die Erzieherin und angehende Sozialarbeiterin, „denn Tradition bedeutet nicht, dass sich nie etwas verändern darf. Eine Tradition kann und sollte auch mit der Zeit gehen.“

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Auch in dem Weseler Verein habe es Anfangs ein paar kritische Stimmen gegeben, als vor rund 20 Jahren die Satzung so geändert wurde, dass Frauen um den Königstitel schießen dürfen. Was ist mit dem Diadem? Trägt die Schützenkönigin dann ein Kleid oder die Uniform? Diese Fragen sind inzwischen längst geklärt, bei den königlichen Besuchen anderer Schützenfeste trägt die 27-Jährige ihre Uniform. So will es die Satzung. „Außerdem habe ich darin den Vogel geschossen und repräsentiere mit der Uniform meinen Schützenverein.“

Tradition bedeutet nicht, dass sich nie etwas verändern darf. Eine Tradition kann und sollte auch mit der Zeit gehen.

Katharina Esser, Schützenkönigin aus Wesel

Erste Schützenkönigin: „Du hast Vereinsgeschichte geschrieben“

Von der anfänglichen Skepsis von vor 20 Jahren sei inzwischen nichts mehr übrig. Ganz im Gegenteil: Großer Jubel brach aus, „du hast Vereinsgeschichte geschrieben“, riefen ihr nicht nur die weiblichen Vereinskollegen begeistert zu, als Katharina Esser an einem sonnigen Sonntagabend mit dem 270. Schuss den Vogel abschoss.

Der Schützenverein „Vor‘m Clever Tor“ feiert seine erste Schützenkönigin der Vereinsgeschichte.
Der Schützenverein „Vor‘m Clever Tor“ feiert seine erste Schützenkönigin der Vereinsgeschichte.© FUNKE Foto Services | Erwin Pottgiesser

Für ihre Regentschaft und ihre Besuche bei anderen Vereinen hat sie deshalb auch einen klaren Vorsatz: das Bewusstsein für Frauen in Schützenvereinen zu stärken. „Auch wenn die meisten mittlerweile sehr tolerant sind, gibt es immer noch viele, bei denen sich die Einstellung in den Köpfen ändern muss. Dazu möchte ich etwas beitragen, indem ich mit einem guten Beispiel vorangehe.“

Schützenkönig oder Schützenkönigin? „Ist im Grunde nichts anderes“

Einen ähnlichen Plan verfolgt auch Lena Rutkowski. Auch sie ist vor kurzem Schützenkönigin geworden. „Das war ein toller Moment, aber ich habe mich wahrscheinlich genauso gefühlt wie jeder männliche Schützenkönig auch. Es ist im Grunde ja auch nichts anderes“, erklärt die neue Königin des BSV Möllen 1864 in Voerde. Warum ist es dann trotzdem so selten?

„Das ist einfach der alten Tradition geschuldet. Aber es geht ja langsam in die richtige Richtung, immer mehr Vereine lassen Frauen zum Königsschießen zu“, erklärt die 24-Jährige. Auffällig dabei: Während es bei den Männern sowohl 20-jährige als auch 70-jährige Schützenkönige gibt, sind es bei den Frauen fast immer junge Schützinnen. Da sind auch Lena Rutkowski und Katharina Esser keine Ausnahme.

Die 24-jährige Lena Rutkowski wurde im August Schützenkönigin des BSV Möllen 1864 in Voerde.
Die 24-jährige Lena Rutkowski wurde im August Schützenkönigin des BSV Möllen 1864 in Voerde.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Vor allem junge Frauen trauen sich auf den Thron

„Ich denke, dass es unserer Generation etwas leichter fällt, Traditionen zu hinterfragen und diese dann auch anzupassen. Wir sind ja auch mit einem ganz anderen Zeitgeist aufgewachsen“, sagt die 24-Jährige, die bereits vor 14 Jahren erste Thronerfahrungen sammelte, nachdem sie schon das Schießen der Kinderschützen einmal für sich entscheiden konnte.

Wir suchen das NRZ-Königspaar 2025

Königspaare aufgepasst: Auch in diesem Jahr suchen wir wieder das Schützenkönigspaar des Jahres. Gewählt wird in drei Regionen: Am Niederrhein, im Ruhrgebiet und in Düsseldorf. Jedes Gewinnerpaar erhält 150 Liter König Pilsener sowie 500 Euro Zuschuss für das nächste königliche Fest. Die Abstimmung beginnt am Dienstag, 16. September.

Alle Infos sowie das Bewerbungsformular gibt es auf nrz-koenigspaar.de. Für Rückfragen steht unser Team per E-Mail unter hilfe@nrz-koenigspaar.de zur Verfügung.

Frauen dürfen beim BSV Möllen seit etwa 25 Jahren um den Titel schießen. Wird eine Frau Königin, muss sie bei den Besuchen anderer Schützenfeste auch nicht die Vereinsuniform tragen. Auch die schwere Königskette mit den großen silbernen Plaketten muss die Königin nicht tragen. „Die passt auch einfach nicht zum Kleid“, scherzt die duale Studentin.

Bis zu den nächsten Schützenfesten dauert es aber noch ein paar Monate. Denn wenn sie aus dem Urlaub zurück kommt, ist die Saison erst mal vorbei, im Frühling 2026 geht es dann wieder los. Und dann will Rutkowski bei den befreundeten Vereinen nicht nur ein Zeichen für alle Frauen, sondern auch für alle jungen Menschen in den Schützenvereinen setzen. „Ich glaube, es tut den Veranstaltungen auch ganz gut, wenn wieder mehr junge Leute daran teilnehmen. Mit uns können das auf jeden Fall lange Abende werden.“