Sonne und Wolken wechseln sich an diesem Vormittag ab, als ein älteres Ehepaar vor dem Eingang des Krefelder Zoos auf seine Eintrittskarten wartet. „Das neue Affenhaus ist schon offen, oder?“, fragt der Mann in beiger Jacke und mit Hut auf dem Kopf neugierig. Die Kassiererin muss verneinen. Ein bisschen Geduld muss das Paar noch aufbringen.
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Im Zoo wartet man seit dem verheerenden Feuer in der Silvesternacht 2020 sehnsüchtig auf einen Neuanfang. Eine Himmelslaterne setzte das Dach des Affenhauses in Brand und zerstörte damit das gesamte Gebäude. Mehr als 50 Tiere starben. Schnell war klar: Ein neues Affenhaus muss her. Seitdem wurde viel gewerkelt, gestrichen, Scheiben eingebaut. Bald, am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, ist es endlich so weit: Der neue „MenschenaffenWald“ öffnet seine Tore für Besucher.
Tierpfleger berichtet: So geht es Bally und Limbo nach dem Vorfall
Wenige Tage vor Eröffnung stehen Menschen immer wieder an den Absperrungen und schauen schon einmal, was sich am neuen Gehege getan hat. Daniel Paternostro-Schmidt, Tierpfleger von Schimpansenweibchen Bally und Männchen Limbo, macht sich auf den Weg zu dem Gehege, in dem die beiden seit einiger Zeit leben. Mehrere Türen müssen passiert werden, bevor man schließlich am Außengehege ankommt. Einblick bekommt man jedoch nur, wenn man eine drei Meter hohe Leiter hinaufsteigt. Oben angekommen ruft der Pfleger immer wieder lautstark: „Bally, Limbo!“
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Daniel Paternostro-Schmidt betreut die beiden westafrikanischen Schimpansen Bally (52) und Limbo (32) seit mehreren Jahren – auch schon vor dem Brand. Seine Ausbildung im Zoo Krefeld absolvierte er von 2009 bis 2012. Vor etwa zehn Jahren wechselte er ins alte Affenhaus und übernahm dort die Betreuung der Tiere. Zum Zeitpunkt des Brandes lebten die Schimpansen zu dritt: Charlie war der Dritte im Bunde, ist bei dem Brand jedoch gestorben.
Die ersten anderthalb Wochen waren sie sehr still.
Daniel Paternostro-Schmidt , Tierpfleger von Bally und Limbo
„Die ersten anderthalb Wochen waren sie sehr still“, erinnert sich der Pfleger an die Zeit nach der Schreckensnacht. Nach Charlies Tod und der Umsiedlung habe sich das Leben für Bally und Limbo verändert. Doch nach wenigen Wochen begannen die beiden Schimpansen, sich wieder normal und gelöst zu verhalten. „Sie reagieren nicht darauf, wenn hier mal eine Feuerwehr vorbeifährt“, erklärt der Tierpfleger. Man könne zwar nicht in die Köpfe der Tiere schauen, aber könne an ihrem Verhalten ablesen, wenn etwas nicht stimmt.

Es dauert etwas, aber nach etlichen Rufen zeigen sich die beiden Schimpansen an diesem Vormittag zögerlich. Vermutlich, weil sie mit Walnüssen bestochen werden. Immer wieder suchen die das Außengehege nach Nachschlag ab.
Spekulationen um Bally und Limbo nach Umzug in altes Gorillahaus
Nach dem Brand zogen die beiden in den hinteren Bereich des alten Gorilla-Hauses. Für Besucher waren die beiden in diesem Areal jedoch nicht sichtbar, da die Bauart des Geheges keinen Einblick erlaubte. Diese Situation sorgte immer wieder für Spekulationen, berichtet der Tierpfleger. Vor allem auch in den sozialen Medien. „Uns wird immer viel unterstellt, weil Tierrechtler Zoos nun mal scheiße finden“, weiß Daniel Paternostro-Schmidt.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Proteste, die sich sowohl gegen die Haltung von Menschenaffen in Zoos als auch gegen den Neubau des Affenhauses im Krefelder Zoo richteten. Die Kritiker forderten eine grundsätzliche Überprüfung der Tierhaltung und bezweifelten, dass der Neubau den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird.
Mehr Rückzugsorte für die Affen im neuen Gebäude des Krefelder Zoos
Trotz Kritik wurde die neue Außenanlage am Gorillagehege 2022 für die beiden Tiere eingeweiht – ein besonderer Moment, auch für Daniel Paternostro-Schmidt. Im alten, zerstörten Affenhaus hatten die Affen keine Möglichkeit, nach draußen zu gehen. „Unter dem alten Affenhaus kannten sie ein Draußen überhaupt nicht.“

Das durch den Brand zerstörte Affenhaus war grundsätzlich anders aufgebaut als das neue. Damals konnten Besucher sich mitten im Gebäude bewegen – lediglich Trockengräben trennten sie von den Tieren. „Das war für die Leute toll und auch für die Fotografen“, so der Tierpfleger. Die Affen waren allerdings immer zur Besuchszeit mit dem Lärm der Besucher konfrontiert.
Im neuen Affenhaus wird das nicht mehr möglich sein. Die Anlage soll aus drei Gebäuden bestehen, von denen eines inzwischen fast fertiggestellt ist. Dort ziehen nun Bally und Limbo ein. Nur eines der drei Gebäude wird überhaupt für Besucher zugänglich sein, und auch dieses ist schallisoliert. Eine Glasscheibe trennt Menschen und Tiere.
Programm zur Eröffnung
Zur Eröffnung des neuen Menschenaffenparks vom 3. bis 5. Oktober bietet der Zoo ein Programm mit Führungen durch die Anlage. Besucherinnen und Besucher erhalten dabei Einblicke in den „MenschenaffenWald“ und in die Arbeit der Tierpfleger.
An Informationsständen erfahren Besucherinnen und Besucher mehr über das Verhalten, die Intelligenz und den Schutz von Menschenaffen. Für geladene Gäste öffnet der Affenpark bereits am 2. Oktober. Die Kosten für das gesamte Bauprojekt rund um den neuen Affenpark werden auf rund 33 Millionen Euro geschätzt.
Eröffnung des „MenschenaffenWald“ am 3. Oktober
Im neuen Affenhaus liegt das Augenmerk auf dem Tiertraining. Die Pflegerinnen und Pfleger haben dort mehr Platz, um gezielt mit den Tieren zu arbeiten. Auch Besucher können das Training vor Ort verfolgen und erhalten dabei Erklärungen zum Verhalten der Schimpansen und zur Arbeit der Pfleger. Ob Bally und Limbo dann geschickter sind? Vielleicht muss Tierpfleger Daniel Paternostro-Schmidt demnächst seinen Walnuss-Vorrat aufstocken.




