Darf‘s eine Bowl mit Quinoa, Falafel, Rotkohl und Edamame sein, dazu ein Protein Soda aus Mango und Passionsfrucht, oder doch lieber... ein Brownie? Das alles gibt‘s in der „Myokraftbar“ – „Deutschlands (wahrscheinlich) gesündestes Restaurant“. Ja, tatsächlich braucht hier selbst beim Schlemmen eines Schokoküchleins niemand ein schlechtes Gewissen zu haben. Dafür sorgen Nick Bol und Kim Willems, die vor wenigen Wochen ihr Restaurant eröffnet haben – direkt gegenüber von „Myokraft“, in das sie zunächst einmal führen. Schließlich hat mit diesem Zentrum alles vor sieben Jahren begonnen.

Links geht‘s zur Physio- und Ergotherapie, rechts zum Fitnessstudio. Einmal vorbei am Tresen, durch die Schranke... und da stehen, laufen, stemmen und schwitzen auch schon die Ersten. Ganz schön viel Trubel für einen Vormittag unter der Woche, oder? Kim Willems nickt. „Hier ist immer richtig viel los!“ Das zeigt ihnen aber auch, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Denn als Nick Bol und sein Vater, die beide Physiotherapeuten sind, ihr Therapiezentrum gegründet haben, war ihnen eines schnell klar: „Mein Vater und ich wollten von Anfang an alle Lebensstilfaktoren optimieren“, erzählt Nick Bol.

Physiotherapeut: „Die Gesellschaft ist dramatisch inaktiv“

Das kann er auch weiter ausführen: „Die Gesellschaft ist dramatisch inaktiv.“ Um die Ausmaße noch deutlicher zu machen, zieht er einen Vergleich: „Vor 100 Jahren ist der Mensch am Tag durchschnittlich 18 bis 20 Kilometer gelaufen, heute sind es 800 bis 1500 Meter.“ Der Grund dafür? Nicht schwer zu finden: „80 Prozent der Deutschen haben einen Bürojob.“ Und die Folgen für die Gesundheit sieht er tagtäglich in der Physio- und Ergotherapie. Ähnlich steht es um die Ernährung. „Vor 100 Jahren hat man 2120 Kilokalorien zu sich genommen, heute sind es über 3500.“

Direkt gegenüber ihres Restaurants „Myokraftbar“ befindet sich „Myokraft“ – ein Physio- und Ergotherapiezentrum sowie ein Fitnessstudio.
Direkt gegenüber ihres Restaurants „Myokraftbar“ befindet sich „Myokraft“ – ein Physio- und Ergotherapiezentrum sowie ein Fitnessstudio.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Klar, viele haben keine Zeit und holen sich deshalb lieber schnell ein belegtes Brötchen oder einen fettigen Burger auf die Hand... Kim Willems schüttelt den Kopf. „Es fängt schon im Supermarkt an“, sagt sie. „Total viel ist verarbeitet und mit Zucker versetzt.“ Meistens sind Fertigprodukte sogar günstiger als Gemüse & Co., „das man dann auch noch selbst zubereiten muss.“ Dafür braucht es natürlich ein grundlegendes Wissen um gesunde Küche, also beispielsweise: In welchen natürlichen Produkten stecken wertvolle Proteine? Auf einer Dose Kichererbsen oder einer Packung Linsen ist schließlich kein Hinweis wie „High Protein“ abgedruckt.

Myokraftbar in Kevelaer: Gesunde Gastronomie als Ausnahme

Kim Willems kennt sich dagegen als Ernährungsberaterin bestens mit dem Thema aus. Deshalb war Nick Bol auch schnell klar, dass er sein Projekt, „eine gesunde Gastronomie“, mit seiner Freundin starten wollte. Ende September haben sie dann endlich, nach sehr langer Vorbereitungszeit, ihre „Myokraftbar“ gegenüber von „Myokraft“ eröffnet. Nun geht‘s einmal rüber, von der einen Glastür zur anderen, direkt in das moderne Restaurant, in dem türkisfarbene Lampions von der schwarzen Decke hängen und hölzerne Schaukeln oder auch grüne Stühle zum Sitzen einladen.

In die Bowl kommen nur gesunde und proteinreiche Zutaten, die sich jeder Kunde und jede Kundin individuell aussuchen kann.
In die Bowl kommen nur gesunde und proteinreiche Zutaten, die sich jeder Kunde und jede Kundin individuell aussuchen kann.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Das Herzstück aber ist die offene Theke, an der die beiden gerade schon die heutigen Bowls für ihre Mitarbeitenden zubereitet haben. „Wir planen, ein solches Mitarbeiter-Catering auch extern anzubieten“, erklärt Nick Bol. Aber die Bowls oder Wraps sind nicht nur bei den Mitarbeitenden beliebt... „Zu uns kommen Gäste, die sich sowieso schon dafür interessieren“, erzählt Kim Willems, „aber auch ältere Generationen.“ Dabei muss sie an eine Kundin denken, die neulich erst zu ihr meinte: „Ich bin alleine und wenn ich mir die Zutaten alle kaufen würde, müsste ich vier Tage lang davon essen.“

Gesunde Bowls: Mit Proteinen, Gemüse und Toppings

So aber kann sie, oder auch jeder andere, sich ganz individuell eine Bowl zusammenstellen. Wie das geht? Ganz einfach! Zunächst kommt die Basis: Vollkornreis, Quinoa oder, „wer weniger Kalorien haben möchte“, erklärt Kim Willems, wählt Zucchini-Zoodles oder Wildkräuter-Greens. Danach kommen die Proteine wie Hühnchen, Falafel, Linsen oder Kichererbsen. Gemüse wie Mais, Paprika, Rotkohl darf natürlich nicht fehlen. Ebenso wenig wie das Topping, das aus Cashewkernen, Mango oder auch Avocado bestehen kann. „Und die Saucen sind immer separat“, sagt sie, „weil das extra Kalorien sind, deshalb sollte das jeder selbst entscheiden.“

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Wer überfordert von einer so großen Auswahl ist, kann sich auch eine vorgefertigte Bowl aussuchen. Daneben gibt es verschiedene Wraps, belegte Sauerteigbrote, süße oder herzhafte Frühstücksangebote und schließlich auch Pancakes, Bananenbrot oder die bereits erwähnten Brownies. Wie Letztere ins Sortiment passen, kann Kim Willems natürlich sofort erklären: „Wir verzichten hier komplett auf Industriezucker.“ Stattdessen süßen sie beispielsweise mit Datteln, die nicht nur kalorienärmer sind, sondern auch noch ballaststoffreicher. „Wir brauchen ja auch Kalorien, aber keine leeren!“

Provaktiver Slogan: „Deutschlands (wahrscheinlich) gesündestes Restaurant

Kaum zu glauben? Dann hilft ein Blick in die Speisekarte. Hier sind alle Produkte inklusive Nährwerte aufgeführt. Der Brownie hat beispielsweise 198 Kalorien, 2,8 Gramm Proteine, 26,1 Gramm Kohlenhydrate und 9,6 Gramm Fette. „Wir möchten aktiv aufklären“, betont Nick Bol. Deshalb bekommt jeder Gast auch statt der Bonbons zur Rechnung einen „Wegbegleiter“, in dem wichtige Infos zur gesunden Ernährung zusammengefasst sind. Denn klar, ihr Slogan „Deutschlands (wahrscheinlich) gesündestes Restaurant“ ist schon etwas provokativ, das muss er lachend zugeben.

Myokraftbar in Kevelaer

Die Myokraftbar befindet sich an der Neustraße 5 in Kevelaer und hat dienstags bis sonntags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Montags ist Ruhetag. Weitere Infos: myokraftbar.de

„Aber das ist auch unser Anspruch!“, sagt Nick Bol. „Wir wollen zeigen, wie eine gesunde Lebensweise im Alltag möglich ist.“ Trotzdem, jetzt mal ganz ehrlich: Sündigen die beiden denn wirklich nie? „Doch“, antwortet Kim Willems. „Ich esse auch mal ein Eis im Sommer, aber das sind eben die Ausnahmen.“ Eine Süßigkeitenschublade? Haben sie nicht. Und brauchen sie auch nicht, wenn sie doch in ihrem eigenen Laden zwischendurch mal einen gesunden Brownie genießen können...