Die Kraft der Bilder aus Syrien ist überwältigend: zerbombte Städte, leidende Menschen, bettelnde Kinder, Armut und Arbeitslosigkeit inmitten des Chaos. Solche Bilder bewegen, sie wecken Emotionen und schaffen eine Verbindung, die über geografische und kulturelle Grenzen hinweggeht. Auf der anderen Seite sind Bilder aus Damaskus und anderen syrischen Großstädten zu sehen, auf denen Bürger und Touristen die zauberhaften Nächte im Land genießen. Genau das hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) bei seinem ersten Besuch in Damaskus erlebt.

Er traf dort den de facto Machthaber Ahmed al-Scharaa sowie Vertreter der syrischen Übergangsregierung. Er konnte mit eigenen Augen sehen, wie groß das Ausmaß der Zerstörung im Land ist. Deshalb ist er der Meinung, dass eine Rückkehr der Syrerinnen und Syrer zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr eingeschränkt möglich ist.

Syrien ist immer noch nicht sicher. Im Land kommt es weiterhin zu Spannungen zwischen ethnischen Gruppierungen und der neuen syrischen Armee, sei es im Süden, im Norden oder im Nordosten des Landes.

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Ahmad Shihabi. © FUNKE Foto Services | Socrates Tassos

Wadephul hat deshalb recht. Denn seine Wahrnehmung zeugt von Realismus und lässt sich nicht von rechtspopulistischen Tendenzen und der Stimmung in der Gesellschaft leiten. Denn die Rückkehr von Geflüchteten – ob freiwillig oder durch Zwang, wie von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) gefordert – ignoriert die Realität im Land am Mittelmeer.

Sicherlich müssen sich Syrerinnen und Syrer am Wiederaufbau ihres Landes beteiligen. Doch niemand darf dazu gezwungen werden, in ein zerstörtes und unsicheres Land auszureisen, in dem er oder sie um sein oder ihr Leben fürchten muss. Abschiebungen in ein Land am Rande des Chaos könnten die Lage vor Ort zusätzlich verschärfen. Dies hätte nicht nur für die betroffenen Menschen katastrophale Folgen, sondern würde auch den immer noch wankenden Wiederaufbau vollends gefährden.