Zu Anfang kurz der Stand der Dinge: Atomkraft ist teuer und ohne Subventionen praktisch unmöglich. Alle, wirklich alle Energieversorger haben längst abgewunken, niemand würde ein Atomkraftwerk reaktivieren oder gar neu bauen wollen. Einfach, weil es sich nicht rechnet. Kurz nach Großbritannien geschaut: Dort wird der Neubau des Kernkraftwerks Hinkley Point wohl mindestens (!) 55 Milliarden (!) Euro kosten. Hat hier jemand günstiger Strom gesagt?
Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Söder (CSU) wollen trotzdem die Kernenergie nicht aufgeben, was man durchaus ideologisch nennen könnte angesichts der ökonomischen Rahmenbedingungen. Das aktuelle Kapitel geht so: Söder meine nicht die großen Meiler, sondern kleine Kraftwerke, wie es sie in Kanada schon gebe. Stimmt allerdings nicht, Kanada plant sie nur und wie teuer die werden, wird man noch sehen.
Was wirklich boomt, ist Solarenergie
Wer sich mit echten Zahlen beschäftigt, kommt schnell darauf, dass es den angeblichen weltweiten Atom-Boom in Wahrheit gar nicht gibt, mal abgesehen von China. Was aber in China und nicht nur da tatsächlich boomt: Solarenergie. Die könnte auch in Deutschland konkurrenzlos günstig sein, wenn die Stromnetze ausgebaut und vor allem smart wären und es ausreichend Speicher gäbe. Wenn man will, geht das deutlich schneller als ein Genehmigungsverfahren für ein neues Atomkraftwerk.
Mit den Folgen der alten Atomkraft wird sich Deutschland noch Jahre und Jahrzehnte herumschlagen müssen. Schon im November könnten die nächsten Atommülltransporte durch NRW rollen. Das ist gefährlich und teuer, aber wohl tatsächlich alternativlos. Irgendwo muss der Müll ja hin und ein Endlager gibt es immer noch nicht. Günstig war Atomstrom noch nie.



