„Zwei Kinderpunsch, bitte!“ Kaum ist die Bestellung ausgesprochen, zückt der Mann mit dem grauen Haar und in dicker schwarzer Winterjacke einen Geldschein und einige Münzen. Die Bankkarte bleibt im Portemonnaie. Gewohnheit. Er ist nur einer von vielen Besuchern an diesem Abend, die auf dem Dinslakener Weihnachtsmarkt gar nicht erst über Kartenzahlung nachdenken. Dabei wäre sie zumindest am Glühweinstand auf dem Neutorplatz, der Weihnachtsscheune, möglich.

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„Wir haben die Kartenzahlung in diesem Jahr eingeführt, weil die Nachfrage da war“, sagt Mitarbeiter Deniz Weinert. Doch genutzt wird sie kaum. „Nur 10 bis 20 Prozent unserer Kunden zahlen tatsächlich mit Karte“, erklärt Chef Michael Sobotta.

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Die meisten Besucherinnen und Besucher kommen ohnehin mit Bargeld. Carsten Kunert ist mit seiner Frau Irene und Freundin Karin Lange unterwegs. „Ich habe immer Bargeld dabei und rechne auch damit, dass ich es hier brauche“, sagt der 63-Jährige. Rund 200 Euro habe er stets in der Tasche. „Trotzdem“, sagt der Dinslakener, würde er begrüßen, „wenn man hier an allen Ständen mit Karte zahlen könnte.“

Fehlende Kartenzahlung auf Weihnachtsmärkten sorgt für Diskussionen

Kaum ein Thema erhitzt die Weihnachtsmarkt-Gemüter so sehr wie die Frage nach bargeldlosen Alternativen. Während man im Einzelhandel inzwischen fast überall kontaktlos zahlen kann, hinken Händler auf Weihnachtsmärkten oft hinterher. In Zürich in der Schweiz will ein Veranstalter eines Weihnachtsmarktes nun sogar ein Verbot von Bargeld durchsetzen, wie das Schweizer Portal „Blick“ berichtet. Bei Missachtung drohe ein hohes Bußgeld, heißt es in dem Bericht.

Kartenzahlung auf Weihnachtsmarkt: Das sagen Besucher in Dinslaken
Deniz Weinert ist Mitarbeiter in der Weihnachtsscheune, dem Glühweinstand auf dem Dinslakener Weihnachtsmarkt.© NRZ | Anna Schlichting

Auch in einigen deutschen Städten wird Kartenzahlung bereits verpflichtend vorgeschrieben, so etwa in Essen auf dem Weihnachtsmarkt. Doch in Dinslaken und anderen kleineren Städten ist davon nichts zu spüren. Albert Ritter, Essener Schausteller und Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) blickt differenziert auf das Thema. „Bei höheren Beträgen ist Kartenzahlung angebracht. Aber wenn jemand für eine Karussellfahrt für 3 Euro erst einmal die Karte zückt, die Pin eingibt und dann noch einen Bon will, hält das den Betrieb auf.“

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„Beides muss parallel laufen.“ Bargeldlose Zahlung sei praktisch, jedoch nicht nur Kleinstbeträge, sagt Ritter im Gespräch mit der NRZ. Denn auch die Gebühren, die mit der Kartenzahlung anfallen, seien ein Problem. Die Gebühren nennt man in der Schaustellerszene oft als Hindernis. Doch wie viel müssen Verkäufer überhaupt abdrücken, wenn Kunden mit Karte zahlen?

Kartenzahlung auf Weihnachtsmarkt: Das sagen Besucher in Dinslaken
Irene und Carsten Kunert mit Karin Lange (von links) haben immer Bargeld dabei. © NRZ | Anna Schlichting

Hohe Gebühren für Kartenzahlung? So viel kostet das Angebot wirklich

Bei Girocard-Zahlungen liegt die Transaktionsgebühr meist bei 0,2 bis 0,5 Prozent des Umsatzes. Bei Kreditkarten werden oft 1 bis 2,5 Prozent abgezogen. Zusätzlich verlangen einige Dienstleister Pauschalen von etwa 5 bis 15 Cent pro Transaktion. Hinzu kommen Kosten für das Kartenlesegerät sowie laufende Kosten für Wartung und Abrechnung. Gerade bei kleinen Beträgen kann das schnell ins Gewicht fallen. Ein Crêpe für 3,50 Euro lasse kaum Gewinn übrig, wenn Transaktions- und Systemkosten abgezogen werden. Auch ein Grund dafür, dass einige Betriebe Kartenzahlung erst ab einem höheren Betrag anbieten. „Im schlimmsten Fall müssen die Verkäufer die Kosten irgendwann an die Kunden weitergeben“, warnt Schausteller Albert Ritter.

Bei höheren Beträgen ist Kartenzahlung angebracht. Aber wenn jemand für eine Karussellfahrt für 3 Euro erst einmal die Karte zückt, die Pin eingibt und dann noch einen Bon will, hält das den Betrieb auf.

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Albert Ritter, Schausteller und Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB)

„Mit so viel Bargeld in der Tasche fühle ich mich manchmal auch unwohl“

Ihre Bratwurst zahlt eine Oberhausenerin an diesem Abend bar. 5 Euro. „Und ich hab immer Bargeld dabei“. Lieber wäre es ihr aber, würde sich die Kartenzahlung auch auf dem Weihnachtsmarkt etablieren. „Für einen guten Weihnachtsmarktbesuch muss man ja mittlerweile richtig Geld in der Tasche haben. Da gehen pro Person ja schnell mal 50 Euro über die Theke. Und“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in dem Artikel lesen möchte, „mit so viel Bargeld in der Tasche fühle ich mich manchmal auch unwohl.“

An Monika Welbers‘ Crêpe-Stand auf dem Neutorplatz stößt das auf taube Ohren. „Ich habe immer mal wieder drüber nachgedacht, aber bisher noch nicht eingeführt“, sagt die Crêpe-Verkäuferin. Mit den Gebühren habe das nichts zu tun, „ich habe mich da noch nicht so eingelesen, aber es hält den Betrieb auf, wenn alle ihren Crêpe mit Karte zahlen wollen. Das dauert einfach länger.“