Das Buch lacht einen schon von Weitem an. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mitten auf dem gelben Cover ist der Mund eines Smileys abgebildet. Doch „Ein Lächeln später“ ist weit mehr als eine Geschichte, die einfach nur für gute Laune sorgt. Es ist „eine Erzählung über den einen, letzten Schubs, der dir das Glück zurückbringt.“ So zumindest fasst es Lena Tarter selbst zusammen. Das klingt zugegebenermaßen etwas abstrakt, aber keine Sorge, die 36-Jährige kann es auch ganz praktisch erklären. Immerhin hat sie zehn Jahre gebraucht, bis sie ihr erstes Werk auf den Markt gebracht hat. „So lang hat mein Schreibprozess gedauert“, erzählt sie. Denn eigentlich macht sie beruflich etwas komplett anderes.

Die Rheinbergerin hat Psychologie studiert. „Aber über Umwege bin ich in der Flüchtlingshilfe gelandet“, sagt sie. Seit zehn Jahren arbeitet sie im öffentlichen Dienst und hat dort oft mit schweren Schicksalen zu tun. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, überlegt sie, weshalb sie gelernt hat, genauer „hinter die Fassaden“ zu schauen. Wenn sie beispielsweise mit ihrer Hündin Mia durch Düsseldorf läuft, sieht sie regelmäßig Menschen, die scheinbar alles haben. „Eine dicke Uhr, ein schickes Auto“, sagt sie. „Aber man sieht ihnen oft auch an, dass sie nicht besonders glücklich sind.“ Solche Beobachtungen schreibt sie auf – wenn sie gerade Zeit hat, weil sie an der Haltestelle auf den Bus oder im Café auf eine Freundin wartet.

Die kleinen Dinge im Alltag sehen

„Ich schreibe total gern“, erklärt Lena Tarter. Dann fügt sie lachend hinzu: „Ich mache mehr Notizen als Wäsche.“ Bislang jedoch hat sie immer nur für sich geschrieben. „Ich habe mich nie getraut, etwas zu veröffentlichen.“ Zu groß waren ihre Zweifel, zu laut ihre Gedanken: „Das möchte doch sowieso keiner lesen!“ Also verstaubten ihre Alltagsnotizen und Kurzgeschichten in der Schublade. Bis sie sich getraut hat, eine Geschichte ihrem Freund zu zeigen. „Er war begeistert“, erzählt sie, „und er hat mich motiviert, sie zu veröffentlichen.“ Nun ist es gerade für Neulinge in der Branche alles andere als einfach, einen Verlag zu finden. Das war natürlich auch ihr bewusst. Deshalb hat sie sich für einen Selbstverlag entschieden, „was super war, weil man dann auch alles selbst lernt.“

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Vom Lektorat über den Satz bis hin zur Gestaltung des Covers. Kurzer Blick in ihr Wohnzimmer mit dem gelben Kunstwerk überm Sofa und der gelben Stehlampe in der Ecke... Ja, Gelb ist ihre Lieblingsfarbe, gibt Lena Tarter lachend zu. Und das Lächeln passte natürlich zum Titel und Thema. Aber worum genau geht es denn nun in „Ein Lächeln später“? „Darum, die kleinen Dinge im Alltag zu sehen“, antwortet die Autorin. „Einfach mal Danke zu sagen oder ein Lächeln zu schenken.“ Denn wer nicht nur mit dem Handy in der Hand durch die Gegend läuft, sondern mit den Mitmenschen agiert, löst automatisch eine Kettenreaktion aus. Davon ist sie überzeugt. „Wenn ich jemanden anlächle, kommt es wie ein Bumerang zurück.“

Einfach mal ein Lächeln schenken

Lena Tarter hat es selbst schon viele Male erlebt: Wenn sie beispielsweise mit dem Einkaufswagen an der Supermarktkasse steht, „dann erzählt mir regelmäßig der Mensch hinter mir seine halbe Lebensgeschichte.“ Oder neulich erst, fällt ihr dann ein, ist sie aus Versehen auf einen Parkplatz für Familien gefahren. Als eine Mutter ihr das genervt aus einem Auto heraus zugerufen hat, ist sie freundlich geblieben und sofort weggefahren. Womit sie nicht gerechnet hat: „In dem Auto saßen mehrere Erwachsene, die sofort ausgeschwärmt sind und für mich dann einen anderen Parkplatz freigehalten haben.“ Es sind solche Situationen, die sie zum Buch inspiriert haben.

Lena Tarter hat das Buch "Ein Lächeln später" über den besonderen Niederrhein-Blick auf das Leben geschrieben
Das Buch „Ein Lächeln später“ ist im Selbstverlag erschienen.© FUNKE Foto Services | Rainer Hoheisel

Protagonist ist Henrik, der alles hat: Job, Kaffee... und dicke Augenringe. Er befindet sich im Alltagstrott, aus dem er irgendwann mit einem Selbstversuch auszubrechen versucht. Einfach mal freundlich sein! Und tatsächlich, plötzlich verändert sich nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der anderen Menschen. „Schreiben ist wie ein Puzzle für mich“, erklärt Lena Tarter. „Ich füge mehrere Szenen zusammen, sodass man sich auf eine Reise begibt.“ Nun ihr Buch in den Händen zu halten, endlich, macht sie überglücklich. „Ich hatte schon immer den Wunsch, Autorin zu werden“, erzählt sie. Deshalb möchte sie auch weitermachen! Die nächsten Ideen hat sie bereits im Kopf – und teils sogar schon zu Papier gebracht.

„Ein Lächeln später“

Lena Tarters Buch „Ein Lächeln später“ ist im Selbstverlag erschienen, hat 88 Seiten und kostet 9,88 Euro.

Zunächst einmal aber hofft Lena Tarter natürlich, dass möglichst viele Menschen ihr erstes Werk lesen. Denn, das ist ihr bewusst: „Die Einsamkeit wird immer mehr.“ Wenn sie abends durch die Straßen läuft und durch die Fenster der Häuser schaut, sitzen viele Menschen alleine vor ihrem Fernseher. „Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder mehr miteinander verbunden sind und aufeinander Acht geben.“ Dafür braucht es nicht mehr als ein Lächeln. Und damit das gelingt, gibt‘s zum Abschied noch eine gelbe Postkarte mit einer kleinen Erinnerungsstütze: „Die Welt ist schöner mit Dir!“