„Und hier wird es Lesungen geben.“ Diana Menschig öffnet eine schwarz lackierte Tür im Best Western Plus Hotel Brüggen. Noch stehen am Ende neben raumhohen Fenstern nur ein kleiner Tisch und ein paar Stühle. Anfang kommenden Monats wird es in diesem und den angrenzenden Räumen deutlich voller sein. Am 7. und 8. März startet die 1. Buchmesse Niederrhein.

Dann tummeln sich zwischen Autorinnen, Autoren und Verlagen ganz viele Besucherinnen und Besucher. Die können in der Bibliothek des Hotels sogar Kinderbuch-Illustrator*innen über die Schultern sehen, die an einem großen, ovalen Tisch sitzen und zeichnen. Mit dabei ist dann zum Beispiel auch Norbert Höveler: Der Papa der Kuh Paula, die Werbung für Pudding macht, ist Illustrator und Comiczeichner.

Büchermesse in Brüggen
Nach Brüggen locken nicht nur Bücher, sondern auch die Burg Brüggen. Die Wasserburg liegt direkt neben dem Veranstaltungsort.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Die Organisation des neuen Events liegt in den Händen von Autorinnen und Bücherfreunden. Sie trafen sich lange als Stammtisch und haben sich für die Messe zum Förderverein „Bücherregen am Niederrhein“ zusammengeschlossen. Die erfolgreiche Autorin Diana Menschig ist die erste Vorsitzende, ihre Kollegin Marita Kürschner die Pressesprecherin.

Warum braucht der Niederrhein eine Buchmesse?

Marita Kürschner: Wir wollen den Niederrhein in der Literaturszene bekannter machen. Das glaubt man vielleicht nicht, aber hier gibt es sehr viele Autorinnen und Autoren. Aber eine Buchmesse fehlt, außer im Ruhrgebiet. Das machen andere Regionen besser: In Süddeutschland gibt es zum Beispiel jede Menge kleine oder große Buchmessen, gefühlt fast jede Woche. Wenn man dahinfährt, geht das aber nicht ohne Übernachtung und dann wird es direkt teuer.

Büchermesse in Brüggen
Die Flyer der Buchmesse werden gerade überall verteilt.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Diana Menschig: Auf den kleineren Messen kann man die Autorinnen und Autoren treffen, sie sind näher am Publikum. Auch die großen Buchmessen, sprich die Frankfurter und die Leipziger Buchmesse, haben inzwischen durchaus erkannt, dass diejenigen, die die Bücher kaufen, als Zielgruppe interessant sind, und haben die Kleinverlage und das Self-Publishing für sich entdeckt. Aber die kleinen Messen haben als Alleinstellungsmerkmal, dass man hier mit den Menschen hinter den Büchern reden kann, ihnen Fragen stellen kann. Das schätzen die Leute sehr. 

Wie ging es dann weiter, als der Plan einmal stand?

Diana Menschig: Wir haben einen Verein gegründet, um die ganze Sache ins Rollen zu bringen. Und wir haben mit der Raumsuche begonnen. Das war gar nicht so einfach, denn irgendwas war immer. Mal passte der Termin nicht, mal waren die Räumlichkeiten nicht komplett barrierefrei. Das war für mich ein No-Go: Es geht schließlich nicht, dass die Leute Eintritt bezahlen und dann mit ihrem Rollstuhl oder Rollator nicht überall hinkommen. Mit der Burggemeinde Brüggen und dem Best Western Plus Hotel haben wir jetzt zwei starke Partner. Wenn es gut läuft, wenn es angenommen wird, dann werden wir nächstes Jahr in der Burggemeindehalle sein. Das ist der Plan, denn wir haben schon jetzt 20 bis 25 Ausstellern absagen müssen.

Wer kommt alles und was steht auf dem Programm?

Diana Menschig: Wir haben über 70 Anmeldungen. Ein Schwerpunkt liegt auf Fantasy, da ist der Headliner der Drachenmond Verlag aus Köln-Hürth. Viele Self-Publishing-Autorinnen und -Autoren kommen mit Liebesromanen oder Krimis, unter anderem auch mit regionalem Fokus. Und ganz wichtig: Was im Buchhandel überhaupt nicht geht, sind Kurzgeschichten. Dabei gibt es hervorragende Werke von Autorinnen und Autoren. Davon werden auch einige da sein.

Die Messe findet rund um den Weltfrauentag statt. War das Absicht?

Diana Menschig: Das ist Zufall – aber: Wir wollten eine größere Lesung machen, eine Ladies Crime Night, das ist ein festes Format der Mörderischen Schwestern, einem Netzwerk deutscher Krimiautorinnen. Der Plan war, dass diese Lesung am Weltfrauentag stattfindet, aber das hat terminlich leider nicht geklappt. Jetzt suchen wir gerade nach einem anderen Termin für dieses Jahr.

Hat man eigentlich schlaflose Nächte, wenn bei der Organisation etwas nicht klappt?

Diana Menschig: Nein. Ich organisiere zwar zum ersten Mal eine Buchmesse, aber nicht zum ersten Mal eine Messe. Ich bin von Hause aus Diplompsychologin, habe im Personalbereich gearbeitet. In dieser Zeit habe ich für verschiedene Arbeitgeber Messen organisiert und Messeprogramme entworfen. 2015 habe ich das Phantastik-Autor*innen-Netzwerk gegründet und habe dreimal federführend das Branchentreffen organisiert. Dagegen ist die Organisation der Buchmesse einfach.

Was war Ihnen noch wichtig?

Marita Kürschner: Uns ist es wichtig, dass die Bücher, die hier vorgestellt werden, nicht mit KI geschrieben wurden. Ich bin nicht generell gegen KI, die kann wunderbar hilfreich sein. Aber die Leute möchten die Ideen, die Fantasie und den Schreibstil des Autors lesen und nicht etwas, das eine Künstliche Intelligenz aus 100 anderen Büchern, die ihr eingetrichtert wurden, zusammenschreibt. Da ist einfach kein Leben, kein Herz dahinter. 

Worauf können sich die Besucherinnen und Besucher besonders freuen?

Marita Kürschner: Auf die Nähe zu den Schreibenden. Fragen stellen zu können, sich ein signiertes Buch mitzunehmen, das ist für viele ein Highlight, das merke ich immer wieder bei den Messen. Und sie können sich auf andere Geschichten freuen, die vielleicht gar nicht bei Verlagen eingereicht worden sind, weil sie nicht dem Mainstream entsprechen.

Familienbesuch erwünscht

In vier Tagungsräumen und der Bibliothek des Best Western Plus Hotels wird die erste Buchmesse Niederrhein am 7. und 8. März starten. Die Nähe zur Innenstadt und zur Wasserburg mache den Messebesuch zusätzlich attraktiv, finden die Veranstalterinnen, die auf viele Familienausflügler hoffen. Tickets gibt es an der Tageskasse, sie kosten fünf Euro. Für Kinder bis zwölf Jahren ist der Eintritt frei. Mehr Infos zur Buchmesse gibt es hier: bücherregen-vom-niederrhein.de

Besondere Bücher abseits des Mainstreams?

Diana Menschig: Es gibt Themen, die für Verlage nicht so interessant sind, weil sie das große Publikum dafür nicht sehen. Ein Beispiel sind LGBTQ-Geschichten. Es gab einige Aussteller-Bewerbungen, die diesen Schwerpunkt haben. Auch bei Krimis gibt es immer wieder speziellere Themen, bei denen große Verlage abwinken. Wir haben den Skript-Verlag aus Neuss, dessen Schwerpunkt auf regionalen Krimis und Romanen liegt, die von Menschen mit Migrationshintergrund geschrieben sind.

Was wünschen Sie sich für die Buchmesse?

Diana Menschig: Dass es ein richtig schönes Buch- und Lesefest wird.