Es ist windig auf der schlammigen Wiese in Alpen. Regen und Kälte machen sie an diesem Februarmorgen zu einem ungemütlichen Ort. Patrick Florian weist den Weg zu einem grün-weißen Windrad. Wir suchen Schutz im Turmfuß. „Der Wind zeigt immerhin, dass wir uns hier den richtigen Standort für Windräder ausgesucht haben“, scherzt er, während er die hellgrüne Metalltür aufschließt.
Das Windrad soll abgerissen werden, genauso wie zwei weitere im kleinen Windpark Alpen-Veen. Sie werden ersetzt. Etwa 250 Meter entfernt ragen schon schwarze Metallstäbe aus einer frischen runden Betonfläche. Das etwa 25 Kubikmeter große Fundament ragt knapp drei Meter aus dem Boden. „Die drei Anlagen können jeweils rund 1000 Haushalte mit Strom versorgen. Sie sind aber aus dem Jahr 2002 und deshalb schon etwas in die Jahre gekommen. Sie werden also ersetzt durch zwei neue“, erklärt Florian. Er ist Betriebsführer bei SL Naturenergie, dem Betreiber des Windparks.
Warum die Windräder wieder abgebaut werden
Innen ist es immerhin trocken. Eigentlich seien die drei Windkraftwerke noch gut intakt, an diesem Tag sind sie allerdings nicht in Betrieb: Bei Wartungsarbeiten an der Übergabestation sei ein Defekt festgestellt und die Maschinen deshalb vom Versorgungsnetz getrennt worden. Entsprechend dunkel ist es in dem rundlichen Raum, der zwischen Kabeln und Stromkästen nur wenig Platz lässt. Licht kommt lediglich durch die offenstehende Eingangstür. Von außen sieht es allerdings nicht nach Stillstand aus: Die Rotorblätter sind nicht fixiert, sie lassen sich weiter vom kräftigen Wind in Schwung bringen. „Strom erzeugt wird aber nicht, da der Motor nicht mitarbeitet“, offenbart Florian.

Wenn sie in Betrieb sind, können die drei Türme mit einer Nabenhöhe von 98 Metern etwas mehr als 3000 Häuser versorgen. Vor 24 Jahren waren das gute Werte, „doch die Technik hat sich weiterentwickelt“. Deshalb will der Betreiber die alten Kraftwerke durch neue ersetzen: E-175 heißt das Modell des Herstellers Enercon. 64 Meter höher als die drei alten Räder. „Häuser und Bäume fangen viel Wind ab. Je weiter man also nach oben geht, desto beständiger ist da der Wind“, so der Experte.
Weniger Windräder, dreimal so viel Energie
Dadurch sollen die neuen Anlagen, die laut Planung im Sommer fertiggestellt werden, deutlich mehr Energie erzeugen können: Rund 10.500 Haushalte sollen sie versorgen, mit einem Jahresertrag von 30 Millionen Kilowattstunden – das ist mehr als dreimal so viel wie die Windräder, die gerade noch auf der Wiese rotieren.

Warum lässt man die nicht einfach stehen? „Weil sie im Vergleich nicht mehr wirtschaftlich sind, deshalb tauschen wir sie aus“, sagt Florian. Repowering nennen das die Fachleute. Ein Prozess, hinter dem viel Arbeit steckt. „Es müssen dutzende Genehmigungen erteilt werden, allein für den Schwertransport der Bauteile. Wenn die Rotorblätter kommen, müssen wir mehrere Kreuzungen absperren und wahrscheinlich auch über private Grundstücke fahren, um die Teile überhaupt hierher bringen zu können“, erklärt der Dinslakener Bauleiter Arif Doruk.

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Das kostet ein neues Windrad
Das kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld: „Mit allem Drum und Dran sind wir bei zwölf Millionen Euro – pro Windrad“, sagt Doruk. Trotz des organisatorischen Aufwands und der hohen Kosten war 2025 ein Rekordjahr für die Windenergie in NRW. Laut Zahlen des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE NRW) sind im vergangenen Jahr 259 Windräder mit 1346 Megawatt in Betrieb gegangen – mehr als jemals zuvor.
Mit allem Drum und Dran sind wir bei zwölf Millionen Euro – pro Windrad.
Arif Doruk, Bauleiter bei SL Naturenergie
Besonders viel Windenergie wird im Kreis Kleve produziert. Zum Jahreswechsel gab es dort 214 Windräder, nur fünf Landkreise in NRW haben mehr. Der Kreis Wesel liegt mit 59 Anlagen im unteren Mittelfeld. Doch trotz der guten Zahlen schlagen Experten Alarm: Der Netzausbau gehe nicht schnell genug und bremse die Windenergie aus. „Die Probleme mit verzögerten Netzanschlüssen werden immer drängender“, sagt LEE-Geschäftsführer Christian Vossler zur NRZ. Schon jetzt könne man mit den bestehenden Anlagen mehr Strom produzieren, „allerdings haben die Netzbetreiber ihre Hausaufgaben bisher zu schludrig gemacht“.
So viel Energie pro Umdrehung
Mit einem Rotordurchmesser von stolzen 175 Metern sollen es die beiden neuen Enercon E-175 auf etwa 10 Umdrehungen pro Minute bringen. Die alten Windräder am Windpark Alpen-Veen kommen noch auf etwa 18 Umdrehungen, sind aber auch deutlich kleiner und weniger effizient. Mehr Strom wird mit den beiden neuen Windrädern produziert: Bei einer vollständigen Umdrehung werden etwa acht Kilowattstunden Strom erzeugt. Damit lässt sich ein durchschnittlicher Haushalt schon ein bis zwei Tage versorgen oder ein Elektroauto für 50 Kilometer aufladen.
Gerät der Windenergieausbau 2026 ins Wanken?
Das sieht auch SL-Betriebsführer Patrick Florian so. „Man muss dazu sagen, dass die Rahmenbedingungen komplizierter geworden sind. Es wird jetzt nicht mehr nur an manchen Punkten ins Netz eingespeist, sondern auch an den zahlreichen Häusern mit einer PV-Anlage auf dem Dach. Außerdem ist der Stromverbrauch durch Elektroautos und Co. deutlich angestiegen“, gibt der Experte zu bedenken.
Eine weitere Hürde: Die Bundeswehr hat Ende November zu Trainingszwecken alte Tieffluggebiete reaktiviert. Und die überschneiden sich zum Teil mit Windrad-Vorranggebieten in NRW. Das verunsichere die Branche, kritisiert LEE-Geschäftsführer Vossler. Allerdings habe die Bundeswehr zwischenzeitlich zugesagt, keine Windenergieprojekte stoppen zu wollen. Darauf müsse die Branche vertrauen und den Netzausbau weiter vorantreiben. „2026 wird ein entscheidendes Jahr“, prognostiziert er. „Gelingt nicht eine Wende zu mehr Netzausbau, wird das Tempo beim Windenergieausbau zurückgehen.“




