Christina Driehsen ist gerade zurück vom Einkaufen. Ihr Auto parkt auf dem Hof des Vierkanthofs und sie räumt den Kofferraum aus. „Moment“, sagt sie, als sie noch kurz hinter ihrem kleinen Sohn Theo herläuft, der schon unterwegs zum Kuhstall ist. Jetzt ist sie bereit, da kommt auch schon ihr Mann Markus um die Ecke.

Los zum Kuhstall. Aber erst ein kleiner Stopp. „Es könnte sein, dass unsere Kaninchen Nachwuchs bekommen haben“, sagt Christina Driehsen. Ihr Mann geht vor in den kleinen Stall und hebt etwas Stroh hoch. Tatsächlich! Da drängen sich fünf kleine, nackte Kaninchen aneinander. Markus Driehsen legt das Stroh wieder behutsam auf die kleinen Nager. Welche Tiere noch auf dem Hof leben, das will Christina Driehsen später zeigen. Aber erst einmal geht es nach nebenan, in den Kuhstall.

„Bei uns auf dem Hof leben 260 Kühe und 1400 Hühner, das ist unser Hauptgeschäft“, sagt Christina Driehsen. Sie führt in den Kuhstall. Die Tiere bleiben ruhig auf ihrem Stroh liegen und schauen fast ein wenig desinteressiert, aber zufrieden. „Der Großteil unserer Milch geht an die Molkerei“, erklärt Markus Driehsen. Aber eben nicht alles. Die Familie vermarktet ihre Produkte auch selbst und betreibt eine eigene Milchtankstelle, an der die Kunden ihre Milch selbst zapfen können. Dort im Selbstbedienungsverkaufshäuschen werden auch die hofeigenen Eier angeboten – und das ist das Besondere: seit einiger Zeit auch Eis aus der Milch der Kühe, die auf dem Driehsen-Hof leben.

Kuhmilch - Eis vom Driehsen Hof
Hallo! Die Zwergziegen sind neugierig und dürfen gestreichelt werden.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Wie die Idee zu dem hofeigenen Eis entstanden ist, weiß keiner besser als der Gelato-Meister Stefano Lucchini. Er betreibt zwei Eiscafés in Krefeld, davon ist eines das Eiscafé Venezia im Schwanenmarkt. Er produziert das hofeigene Eis für Familie Driehsen und hatte auch den Einfall dazu, als er auf der Suche nach einem alternativen Vermarktungsweg war. „Die Idee zu dem Eis ist mir in der Corona-Zeit gekommen“, sagt er. In dieser Zeit lief es nicht gut für seine Eisdielen. „Ich habe von anderen Eisdielen-Betreibern erfahren, dass sie mit Automaten arbeiten, um ihr Eis zu verkaufen, und das hervorragend lief“, erzählt er.

„Der Milchgeschmack ist einfach besonders“

Als er dann privat am Driehsen-Hof unterwegs war, um Eier am Automaten zu kaufen, fiel ihm auch die Milchtankstelle in den Blick. „Der Hof ist ein sehr schönes Ausflugsziel für Familien“, sagt er. So ist die Idee entstanden, dort auch einen Eis-Automaten aufzustellen – mit Eis aus der Milch der Kühe vom Driehsen-Hof, das Lucchini in seiner Eisdiele produziert. „Die Produkte vom Hof sind wirklich sehr gut. Der Milchgeschmack ist einfach besonders“, schwärmt Lucchini. Dem Europameister des Gelato Europe Cup 2025 ist es besonders wichtig, hochwertige Produkte für seine Eiskreationen zu verwenden. Auch für das Eis in seiner Eisdiele benutzt er vorrangig die Milch vom Driehsen-Hof. „Besonders wichtig sind mir natürliche Zutaten. Davon benutze ich so viele, wie es nur geht“, verrät er. Selbst sein blaues Eis kommt ohne künstlichen Farbstoff aus. „Dafür benutzen wir Spirulina-Alge“, erklärt er.

Stefano Lucchini ist 2025 zum Europameister des Gelato Europe Cup gekürt worden. Er produziert das hofeigene Eis für Familie Driehsen.
Stefano Lucchini ist 2025 zum Europameister des Gelato Europe Cup gekürt worden. Er produziert das hofeigene Eis für Familie Driehsen.© Privat

Eis aus Spirulina-Alge gibt es nicht im Automaten der Familie Driehsen. Aber dafür Schokolade, Vanille, Stracciatella, Erdbeer und andere Kreationen wie „Nubella“, angelehnt an eine bekannte Milch-Haselnuss-Creme, oder „Aprikose-Orange-Joghurt“, sagt Markus Driehsen. „Das ist richtig lecker. Ein richtiges Sommer-Eis.“ Insgesamt gibt es mittlerweile neun Sorten Driehsen-Hof-Eis. „Und unser Erdbeer-Eis ist ohne Milch. Für jeden ist etwas dabei“, sagt Christina Driehsen, während sie durch den Kuhstall läuft.

Kuhmilch - Eis vom Driehsen Hof
Stracciatella, NuBella oder Vanille – mittlerweile gibt es neun Eissorten aus der Milch vom Driehsen-Hof.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

„Die erste Sorte, die Stefano Lucchini aus unserer Milch hergestellt hat, war Vanille“, erinnert sich Christina Driehsen. „Das hat uns direkt überzeugt und schließlich kannten wir seine Eisdiele schon. Da gab es schon immer leckeres Eis“, schwärmt sie. Markus Driehsen verabschiedet sich, er hat noch einiges auf dem Hof zu erledigen. „Tschüss“, sagt er freundlich und ist auch schon wieder weg.

Streichelzoo für die Besucher des Driehsen-Hofs

Seine Frau will jetzt noch die anderen Tiere zeigen, die auf dem Hof leben und besonders bei Besuchern beliebt sind. Dort ist auch das Verkaufshäuschen samt Eis-Automat platziert. Sie läuft quer über den Hof, bis vor die Einfahrt. Dort stehen schon ein paar Besucher am Zaun. An der anderen Seite des Gitters drängen sich ein paar Zwergziegen. „Wir haben hier auch einen Futterautomaten“, sagt Christina Driehsen. „Dort können Besucher Futter für die Ziegen ziehen. Das ist unser Streichelzoo.“ Im gleichen Augenblick hebt sie die Hand und winkt zwei Frauen mit mehreren Kindern zu, die sich an den Zaun des Zwergziegengeheges drücken. „Das sind zwei Tagesmütter, die kommen öfter mit den Kindern hierher, um die Tiere anzuschauen“, sagt die 33-Jährige.

Kuhmilch - Eis vom Driehsen Hof
Auf dem Driehsen-Hof leben 1400 Hühner.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Sie geht ein paar Schritte weiter. Gleich neben dem Verkaufshäuschen ist der Hühnerauslauf. Ein paar Meter weiter, mitten auf der Wiese, sitzt eine Handvoll schwarz-weißer Schafe. Wie Shaun das Schaf. „Die Walliser Schwarznasen sind noch ganz neu bei uns“, erzählt sie. Ein paar Besucher nutzen die ersten Strahlen der Frühlingssonne und schauen sich die Tiere an. „Wir haben auch ein paar Bänke hier stehen“, sagt Christina Driehsen. „Und dort, da ist der Eis-Automat.“ Sie geht hin und zeigt die verschiedenen Sorten, die dort gezogen werden können. „Viele kommen her, ob zu Fuß, mit dem Hund oder dem Rad, ziehen sich ein Eis und einige setzen sich auch noch ein paar Minuten in die Sonne“, sagt sie. „Der Eis-Automat wird sehr gut angenommen.“

Eis vom Driehsen-Hof

Das Eis vom Driehsen-Hof, Unterweiden 105, in Tönisvorst, kann jeden Tag und zu jeder Uhrzeit aus dem Automaten gezogen werden. Ein Becher kostet 3,80 Euro. Im Verkaufshäuschen gibt es zudem eine Milchtankstelle und die frischen Eier vom Hof. Außerdem wird Fleisch von der Fleischerei Flander und Käse vom Straetmanshof angeboten. Weitere Infos gibt es auf der Instagram-Seite des Hofs @driehsen_hof

Wie beliebt die Kreationen von Stefano Lucchini sind, beweisen auch einige Post-It-Zettel, die im Verkaufshäuschen kleben. „Super leckeres Eis“, „Kurzurlaub und Balsam für die Seele“ oder „Bester Hof“ steht darauf. „Das waren noch viel mehr Zettel, aber einige sind schon abgefallen“, sagt Driehsen.

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Isst sie denn selbst auch gerne das Eis? „Ja, auf jeden Fall. Einfach zwischendurch oder als Nachmittagssnack.“ Über die Antwort auf die Frage, welche Sorte sie am liebsten mag, muss sie kurz nachdenken. „Es sind alle lecker. Aber vielleicht...“, sie überlegt, „Stracciatella. Da knackt die Schokolade so schön.“